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Doppeldiagnosen im Bereich Sucht- und Begleiterkrankungen

Doppeldiagnosen im Bereich Sucht- und Begleiterkrankungen

Doppeldiagnosen im Bereich Sucht- und Begleiterkrankungen

Verl. (HPJ) Der Kreuzbund Verl setzt seine Vortragsreihe rund um das Thema Sucht fort. Dr. med. Ulrich Kemper Chefarzt der Bernhard-Salzmann-Klinik (LWL-Rehabilitationszentrums Ostwestfalen und der Klinik für Suchtmedizin LWL-Klinikum Gütersloh) hielt im Pfarrzentrum Verl ein Referat zum Thema: „Doppeldiagnosen".

Viele Menschen, die unter einer Substanzgebrauchsstörung (früher auch als Abhängigkeitserkrankung bezeichnet) leiden, haben zusätzlich zu dieser Grunderkrankung (Indexerkrankung) Begleiterkrankungen, weitere, diagnostisch abgrenzbare Krankheitsbilder oder Syndrome (Komorbiditäten, Multimorbiditäten). Werden solche Krankheitsbilder festgestellt spricht man von einer Doppel- oder Mehrfachdiagnose. Komorbiditäten können, müssen aber nicht – im Sinne einer Folgeerkrankung – ursächlich mit der Grunderkrankung zusammenhängen.

Bei Patienten ist eine gute Diagnose wichtig bzgl. der weiteren Behandlung. Die Krankheitsbilder können seit 1987 nach dem sogenannten ICD-Klassifikationssystem aufgeschlüsselt werden. Patienten mit mehreren Krankheitsbildern bekommen dann auch mehrere Schlüssel aus dem ICD-System zugewiesen.

Vor allem im Bereich der psychischen Störungen kommen Mehrfachdiagnosen oft vor. So zeigt sich, dass bei einem problematischen Substanzgebrauch (bzw. Abhängigkeitserkrankungen) gehäuft eine Depression, Angst- und Panikstörung nachgewiesen werden kann. Es kann aber nicht unbedingt eine Aussage getroffen werdend, ob und wie welche Störung für das Auftreten der anderen verantwortlich zu machen ist.

Das gleichzeitige Vorkommen von körperlichen und psychischen Erkrankungen verschlechtert die Prognose der jeweils einzelnen Erkrankungen und beeinflusst die Lebensqualität insgesamt erheblich.

Früher wurde z.B. versucht, einen Alkoholiker, der auch unter Depressionen litt, zunächst „trocken zu legen“, um dann die Depression zu behandeln. Heute ist man von dieser Vorgehensweise abgegangen und versucht beide Krankheitsbilder gemeinsam zu behandeln, da oft eine Wechselwirkung zwischen Substanzgebrauchsstörung und Depressionen vorliegt. Depressionen bringen den Alkoholiker zum Griff zur Flasche. Die Begleiterscheinungen des Alkoholkonsums verursachen Depressionen. Wichtig bei der Behandlung ist aber, dass zunächst eine Entgiftung stattfindet. Werden zur Behandlung von Depressionen Medikamente (Antidepressiva) eingesetzt, kann die Einnahme gemeinsam mit Alkohol zum Tode des Patienten führen. Manche Menschen werden leichter abstinent, wenn sie im Rahmen ihrer Therapie mit Antidepressiva behandelt werden.

Dr. Kemper erläuterte noch die verschiedenen Arten von psychischen Krankheiten, die im Falle einer Doppel- oder Mehrfachdiagnose im Zusammenhang mit einer Substanzgebrauchsstörung auftreten können. Er erklärte auch, dass 17% der Allgemeinbevölkerung während des Lebens einen Substanzmissbrauch oder eine Substanzabhängigkeit entwickeln.

Während des Referats stellten die Anwesenden Gruppenmitglieder interessiert Fragen an Dr. Kemper, der sie dann beantwortete. Dieser Austausch mit Fachleuten aus der Suchtbehandlung ist für die Kreuzbundgruppe sehr wichtig. Zum einen bekommt sie so Informationen aus erster Hand und kann solches Wissen dann auch in die weitere Selbsthilfearbeit einbringen. Zum anderen ist der Kontakt zu den Fachkliniken wichtig, da der Kreuzbund Hilfe zur Selbsthilfe geben möchte. Er macht dieses für Menschen, die aus den Fachkliniken zu den Gruppenstunden kommen, um hier eine kompetente Begleitung hin zu einer zufriedenen Abstinenz zu leisten. Der Kreuzbund zeigt Mitmenschen aber auch einen Weg hin zu den Suchtambulanzen und Fachkliniken, um dort den steinigen Weg der Entwöhnung zu beginnen.

Außerdem bringt der Kreuzbund dieses Wissen auch in die Suchtprävention ein, um mitzuhelfen, dass Menschen gar nicht erst in die missliche Lage einer Substanzgebrauchsstörung kommen.

Der Kreuzbund Verl ist eine Anlaufstelle für Betroffenen und Angehörige von Suchterkrankten. Sie sind deshalb zu den Gruppenabenden der Selbsthilfegruppe Kreuzbund Verl herzlich eingeladen. Diese finden immer dienstags um 19Uhr im Pfarrzentrum St.-Anna Verl statt. (Ansprechpartner: Franz Brinkmann 05246/3738 und Hans-Peter Jakobfeuerborn 05246/703668)

Autor: Hans-Peter Jakobfeuerborn

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