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Zwei jüdische Autorinnen aus OWL

Zwei jüdische Autorinnen aus OWL


Zwei außergewöhnliche Frauen stehen im Mittelpunkt der Auftaktveranstaltung der Verler Literaturtage:
Jenny Aloni und Ruth Michaelis-Jena, zwei jüdische Autorinnen aus Ostwestfalen-Lippe. In der
musikalisch untermalten Lesung am Montag, 5. November, in der Buchhandlung Pegasus schlägt
Rezitatorin Oona Kastner ein dunkles Kapitel der Geschichte auf. Gleichzeitig zeigt sie, wie die
Autorinnen, die durch Emigration dem NS-Terror entkommen konnten, ihr Schicksal literarisch
verarbeiteten und mit welchen Schwierigkeiten Literatinnen und Literaten im Exil zu kämpfen hatten.
Beginn ist um 19.30 Uhr.
Jenny Aloni erblickte 1917 in Paderborn das Licht der Welt. 1939 gelang es ihr, nach Palästina
auszuwandern, wo sie später auch heiratete und eine Tochter bekam. Ihre Eltern und ihre Schwester,
die in Deutschland geblieben waren, wurden deportiert und ermordet. Bereits als Jugendliche verfasste
Jenny Aloni erste literarische Texte. Auch nach ihrer Auswanderung schrieb sie vorwiegend auf Deutsch.
Das stark autobiografisch gefärbte Werk Jenny Alonis, die als eine der bedeutendsten Autorinnen der
deutschsprachigen Literatur Israels gilt, umfasst Romane, Erzählungen, Gedichte und Tagebücher. Ihre
Themen sind zum einen ihre Kindheits- und Jugenderfahrungen im Dritten Reich, wobei sie den Verlust
ihrer Familienangehörigen meist nur in Andeutungen dargestellt. Weitere große Themen in ihrem Werk
sind die Integration von Menschen unterschiedlicher Herkunft in Israel und der jüdisch-palästinensische
Konflikt.
Ruth Michaelis-Jena kam 1905 in Detmold zur Welt. Als Schülerin entdeckte sie ihre Liebe zu Büchern.
In ihrer Ausbildung zur Buchhändlerin musste sie 1923 erstmals offenen Antisemitismus erleben, als sich
ein Kollege weigerte, mit einer Jüdin zusammenzuarbeiten. 1932 eröffnete Ruth Michaelis-Jena ein
eigenes Geschäft. Als nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Zuge des Judenboykotts ihre
Schaufenster mit antisemitischen Parolen beschmiert wurden, plante sie ihre Emigration. 1934 erhielt sie
eine Ausreisegenehmigung, ging nach Schottland und arbeitete dort als Buchhändlerin. Nach
Kriegsausbruch, als in Großbritannien lebende Deutsche als mögliche feindliche Ausländer betrachtet
wurden, wurde Ruth Michaelis-Jena von 1940 bis 1941 interniert. 1947 erlangte sie die britische
Staatsbürgerschaft, 1952 heiratete sie den Schriftsteller und Dozenten Arthur Ratcliff. Gemeinsam mit
ihm widmete sie sich der Übersetzung deutscher Folklore, insbesondere der Werke der Gebrüder
Grimm, ins Englische. Später war sie auch als Schriftstellerin tätig.
Oona Kastner wird die Lebenswege der beiden Autorinnen skizzieren und Auszüge aus ihren Werken
lesen – zum Beispiel aus „Auch wir waren des Kaisers Kinder“ (Ruth Michaelis-Jena) und
„…man müsste einer späteren Generation Bericht geben“ (Jenny Aloni). Untermalt wird die Lesung von
Lothar Henkenjohann mit einfühlsamer Musik auf der Klarinette. Eintrittskarten sind im Vorverkauf für
acht Euro in der Buchhandlung Pegasus und im Rathaus erhältlich. An der Abendkasse kostet der
Eintritt zehn Euro.

Die Lesung findet in Kooperation mit dem Literaturzirkel OWL e. V. und mit Förderung des Ministeriums
für Kultur und Wissenschaft des Landes Nordrhein-Westfalen statt.

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