17. November 2025 / Aus aller Welt

Falsche Terrorwarnung gegen Schulen – Nachricht auf Russisch

Eine angebliche Anschlagsdrohung gegen Berliner Schulen sorgt für Unruhe. Eltern sind besorgt. Die Polizei versucht, zu beruhigen. Und will klären, ob die Fake-Warnung aus Russland kam.

Ein Polizeiauto steht nach vermeintlichen Anschlagsandrohungen vor einer Berliner Schule.
von dpa

Eine über mehrere Messenger-Dienste verbreitete angebliche Terrorwarnung gegen mehr als 20 Berliner Schulen hat Eltern in Sorge versetzt und die Polizei alarmiert. Nach Einschätzung der Polizei handelt es sich bei der Ankündigung eines Terroranschlags um «ganz gezielte Falschinformationen», die Unsicherheit und Ängste schüren und verbreiten sollten. 

Die Polizei ermittelt wegen Störung des öffentlichen Friedens durch eine Androhung von Straftaten. Geprüft werde, wer hinter der Verbreitung der Nachricht steckt. Die Warnung vor einem Anschlag sei über Telegram in russischer Sprache verbreitet worden, teilte die Polizei mit. Zugleich habe ein Nutzer die Polizei alarmiert. 

900 Anrufe von Eltern bei der Polizei

Der Mann soll angegeben haben, er habe von der islamistischen Terrordrohung über andere Kanäle erfahren und sie dann als Warnung weitergegeben, schrieb der «Tagesspiegel». Nach dem Bericht untersucht auch der Verfassungsschutz den Vorfall, um zu klären, ob es sich um eine gezielte Aktion aus Russland handele.

Bei der Polizei gingen seit Sonntag über den Notruf mehr als 900 Anrufe von Eltern ein, wie ein Sprecher sagte. Einige Eltern hatten angekündigt, ihre Kinder nicht in die Schule schicken zu wollen. Die Polizei warnte auf der Plattform X vor Desinformation und Fake News. «Hinweise auf Gefährdungen oder konkrete Bedrohungen liegen uns nicht vor.»

Polizei an 34 Schulen im Einsatz

Die Polizei war am Montag an 34 Schulen vor Ort, um mit geschulten Präventionsbeamten Ansprechpartner zu sein und zu beruhigen. Die Polizei wies zudem darauf hin, dass der Schulbetrieb regulär stattfinden sollte. Sie appellierte, die Falschinformationen nicht weiter zu verbreiten. 

Wie dpa-Reporter an einigen Schulen am Morgen beobachteten, begann der Unterricht wie gewohnt. «Wir wissen von der Geschichte. Die Polizei war auch schon hier», hieß es aus der Sophie-Scholl-Schule in Schöneberg. Vor dem Schulgebäude stand für einige Zeit ein Streifenwagen.

Es gab zahlreiche Reaktionen im Internet auf den Hinweis der Polizei. Die Elternchats «laufen gerade Sturm», hieß es dort zum Beispiel. Ein Vater schrieb: «Mein Sohn hat mir das Video mit der Drohung gezeigt; er hat Angst, und seine Klassenkameraden auch. Sie werden morgen nicht zur Schule gehen. Ich habe auch Angst. Bitte unternehmen Sie etwas.»

Elternchats «laufen gerade Sturm»

Die Nachricht mit der Androhung wurde in mehreren Schulgruppen weitergeleitet, etliche Einrichtungen werden darin namentlich erwähnt. Nicht alle Angaben sind aktuell. So wird beispielsweise der Name eines Gymnasiums aufgeführt, das geschlossen ist. 

Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) tausche sich seit Sonntag mit der Polizei aus, wie ihr Sprecher mitteilte. Schulleitungen und Schulaufsicht hätten auf Basis der Notfallordner zügig gehandelt, Krisenteams aktiviert und die Schulen informiert. 

Elternsprecher: Verunsicherung bei Kindern und Eltern

«Das Thema der angeblichen Drohung beschäftigt seit Sonntagnachmittag zahlreiche Elternchats», sagte Landeselternsprecher Norman Heise dem «Tagesspiegel»-Newsletter «Checkpoint». «Dass hier Propaganda zu Lasten der Kinder und Eltern verbreitet wird, trägt zu großer Verunsicherung bei. Der Landeselternausschuss schließt sich den Empfehlungen der Polizei zum Umgang mit dieser und vergleichbaren Meldungen uneingeschränkt an.»

Der Landesschülerrat fordert von den Schulen eine bessere Informationspolitik bei solchen Ereignissen. «Ich finde es schon überraschend, dass die Schulen teilweise nicht selbst Entwarnung gegeben haben», sagte der Vorsitzende Orcun Ilter der Deutschen Presseagentur. Das müsse künftig in Abstimmung mit der Polizei besser klappen. Ilter räumte aber auch ein, dass es bei solchen Fake News kein Patentrezept gebe, um künftig besser zu reagieren.


Bildnachweis: © Sven Käuler/dpa
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