22. September 2025 / Aus aller Welt

Defekte Leitung bremst Zugverkehr nach Hamburg aus

Für Bahnreisende, die zwischen Berlin und Hamburg fahren wollen, kommt es ganz dicke: Eine defekte Oberleitung legt den Verkehr lahm, Züge fallen aus und verspäten sich.

Warum die Oberleitung in Uelzen kaputt gegangen ist, war zunächst unklar. Ein umgefallener Baum soll es nicht gewesen sein, sagte eine Bahnsprecherin.
Veröffentlicht am 22. September 2025 um 18:20 Uhr von dpa

Eine defekte Oberleitung beim niedersächsischen Uelzen hat den Bahnverkehr zwischen Berlin und Hamburg ausgebremst. Nach Angaben der Bahn fielen die ICE-Züge zwischen beiden Städten in beide Fahrtrichtungen aus. Einer Bahnsprecherin zufolge dürften die Reparaturarbeiten bis mindestens Tagesende dauern.

Andere Zugverbindungen zwischen Hamburg und Hannover wurden umgeleitet. Fahrgäste mussten große Verspätungen in Kauf nehmen. Die Züge wurden zum großen Teil über Rotenburg umgeleitet, sagte die Sprecherin.

Der Zugverkehr auf der Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg ist seit Anfang August wegen einer umfassenden Sanierung für insgesamt neun Monate eingestellt. Die ICE- und IC-Züge werden in dieser Zeit über Stendal und Uelzen umgeleitet. Sie fahren nur noch einmal pro Stunde statt wie bisher alle 30 Minuten und brauchen im Schnitt rund 45 Minuten länger.

Leitung auf 300 Metern beschädigt

Die Oberleitung war nach Bahnangaben auf rund 300 Metern beschädigt. Ersten Erkenntnissen zufolge hat ein Güterzug den Schaden verursacht. Für die Reparatur waren Spezialfahrzeuge notwendig. Die Fachleute arbeiteten mit Hochdruck an einer Reparatur des Schadens, erklärte die Sprecherin. Angaben zur Art der Beschädigung waren zunächst nicht zu bekommen.

Die Bahn hob für Bahnkunden, die aufgrund der Störung ihre Reise zwischen Berlin und Hamburg verschieben wollten, die Zugbindung auf - damit kann das Ticket zu einem späteren Zeitpunkt genutzt werden; es gelte zum ursprünglichen Zielpunkt auch mit einer geänderten Streckenführung, hieß es auf der Webseite der Deutschen Bahn.

Fahrgäste wurden gebeten, sich vor Fahrtantritt über ihre Verbindungen zu informieren. Betroffene Bahnreisende mit Fahrkarten mit Zugbindung könnten alternativ andere Züge verwenden oder an einem anderen Tag reisen.

Fahrgäste ungehalten

Auch Fahrgäste im Nahverkehr mussten mit Behinderungen in Kauf nehmen. Davon war nach Angaben des Bahnunternehmens Metronom nicht nur die Verbindung RE3/RB31 zwischen Hamburg und Uelzen betroffen, sondern auch die Verbindung RE4/RB41 zwischen Hamburg Hauptbahnhof und Bremen Hauptbahnhof. Auch hier fielen einzelne Verbindungen aus. Die Züge zwischen Hannover und Uelzen seien hingegen nicht direkt betroffen. 

Am Hamburger Hauptbahnhof kam die Nachricht von der Störung bei vielen Reisenden nicht gut an. «Ich habe so einen Hals», sagte Monika Hammer. Die 65-Jährige wollte ursprünglich mit dem ICE nach München fahren. Wegen der Störung müsse sie eine Stunde auf einen anderen Zug warten. Wenn dieser Zug auch nicht fahre, wisse sie nicht, wie sie nach Hause komme. «Das ist solch ein Zirkus», sagte die Bahnkundin.

Der 37-jährige André K. ist die Probleme bereits gewohnt: «Es ist immer so, wenn ich irgendwo hinfahren möchte, dass etwas nicht funktioniert.» Er wollte für die Arbeit nach Darmstadt fahren. Eigentlich hatte er eine Direktverbindung, wegen der Probleme müsse er einen späteren Zug nehmen und in Frankfurt umsteigen. Er verstehe nicht, wieso jedes Mal etwas schiefläuft, sagte er einer dpa-Reporterin.

Kritik von privaten Güterbahnen

Kritik äußerte auch die Interessenvertretung der privaten Güterbahnunternehmen. «Die kaputte Oberleitung bei Uelzen ist der verkehrliche Alptraum, vor dem wir immer gewarnt haben», sagte der Geschäftsführer des Netzwerkes Güterbahnen, Peter Westenberger, laut Mitteilung. Es sei fahrlässig gewesen, sämtliche Güter- und Fernzüge der neun Monate voll gesperrten Strecke Hamburg-Berlin auf die niedersächsischen Strecken umzuleiten. Das Konzept der Deutschen Bahn mit Vollsperrungen sei noch nicht vom Verkehrsminister überprüft worden.


Bildnachweis: © Philipp Schulze/dpa
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