3. Januar 2024 / Aus aller Welt

Baumängel am Hotel? Großprozess nach Beben in Türkei

Beim Bau eines Hotels, das beim Erdbeben in der Türkei einstürzte, wurde mutmaßlich gepfuscht. Unter den 72 Todesopfern waren auch junge Volleyballer aus Zypern. Die Eltern fordern nun Gerechtigkeit.

Das Isias-Hotel im südtürkischen Adiyaman stürzte bei dem Erdbeben am 6. Februar 2023 vollständig ein.
Veröffentlicht am 3. Januar 2024 um 08:51 Uhr von dpa

Elf Monate nach den schweren Erdbeben in der Türkei soll in einem ersten großen Prozess der Einsturz eines Hotels und der Tod von jungen Volleyballern aufgearbeitet werden.

Heute müssen sich dafür im südtürkischen Adiyaman ein Hotelbesitzer und zehn weitere Angeklagte vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, für den Tod von 72 Menschen verantwortlich zu sein. Gutachtern zufolge wies das Hotel massive Baumängel auf.

Vorwurf der Staatsanwaltschaft

Das Vier-Sterne-Hotel war am 6. Februar 2023 bei dem Beben am frühen Morgen eingestürzt und hatte unter anderem zwei Volleyball-Schulteams aus Nordzypern mit 26 Kindern unter sich begraben. Auch eine Gruppe Reiseführer, die auf Fortbildung waren, wurde verschüttet. Das jüngste Todesopfer war zehn Jahre alt. Eltern der Opfer und Beobachter aus Nordzypern reisten zu dem Prozess an. Sie hielten vor dem Gericht in Adiyaman unter Tränen Schilder mit Bildern ihrer toten Kinder hoch.

Rusen Karakaya, die ihre 14-jährige Tochter verloren hat, sagte: «Jeder, der das Grand Isias-Hotel gebaut hat, ist schuldig.» Sie werde nicht ruhen, bis die Verantwortlichen, vom Bauherrn bis zu denen, die die Genehmigung erteilt haben, zur Rechenschaft gezogen werden.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten bewusste fahrlässige Tötung und die Verletzung von mehr als einer Person vor. Den Beschuldigten drohen im äußersten Fall mehr als 22 Jahre Haft. Fünf von ihnen, darunter der als Bauherr agierende Hotelbesitzer und der Architekt, sitzen in Untersuchungshaft. Sie weisen die Vorwürfe von sich.

Baumängel und Planungsfehler

Die Angehörigen fordern angesichts von Baumängeln und Planungsfehlern eine Anklage wegen mutmaßlichen Vorsatzes. Das hätte härtere Strafen zur Folge. In einer separaten Ermittlung soll die Verantwortung der Behördenmitarbeiter geklärt werden, die Genehmigungen ausstellten.

Am 6. Februar hatte um 4.17 Uhr ein Beben der Stärke 7,7 den Südosten der Türkei und Nordsyrien erschüttert, ein weiteres Beben der Stärke 7,6 folgte am Nachmittag desselben Tages. Allein in der Türkei kamen nach Regierungsangaben rund 50.800 Menschen ums Leben. Mehr als 35.000 Gebäude stürzten einem offiziellen Bericht zufolge vollständig ein, Zehntausende weitere wurden beschädigt.


Bildnachweis: © Mirjam Schmitt/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Übersicht über aktuelle Baustellen im Stadtgebiet
Stadt Verl

Wann, wo und wie lange? Hier finden Sie Informationen über aktuelle Verkehrsbaustellen im Stadtgebiet. So können Sie...

weiterlesen...
Nächster Hobbymarkt am 2. Mai
Stadt Verl

Am Samstag, 2. Mai, ist in Kaunitz von 6 bis 14 Uhr wieder Hobbymarkt. Besucherinnen und Besucher dürfen sich diesmal...

weiterlesen...
Verler Freibadsaison ist gestartet | Neue Regeln für mehr Sicherheit
Stadt Verl

Die Verler Freibad-Saison hat am 30. April begonnen. Alle Informationen zu Öffnungszeiten, Eintrittspreisen sowie...

weiterlesen...

Neueste Artikel

Trotz Gerüchten im Netz: Bluetooth-Kopfhörer unbedenklich
Aus aller Welt

Kabellose Kopfhörer gehören für viele beim Sport oder im Alltag dazu. In sozialen Netzwerken wird behauptet, die Übertragung durch Bluetooth mache krank. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es nicht.

weiterlesen...
Hantavirus: Vier Schiffspassagiere nach Deutschland gebracht
Aus aller Welt

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff sind vier deutsche Passagiere nach Deutschland gebracht worden. In Frankfurt sollen sie untersucht und dann weiterverteilt werden.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Trotz Gerüchten im Netz: Bluetooth-Kopfhörer unbedenklich
Aus aller Welt

Kabellose Kopfhörer gehören für viele beim Sport oder im Alltag dazu. In sozialen Netzwerken wird behauptet, die Übertragung durch Bluetooth mache krank. Wissenschaftliche Belege dafür gibt es nicht.

weiterlesen...
Hantavirus: Vier Schiffspassagiere nach Deutschland gebracht
Aus aller Welt

Nach dem Hantavirus-Ausbruch auf einem Kreuzfahrtschiff sind vier deutsche Passagiere nach Deutschland gebracht worden. In Frankfurt sollen sie untersucht und dann weiterverteilt werden.

weiterlesen...