5. August 2025 / Aus aller Welt

Bericht: Schwere Sicherheitsversäumnisse vor «Titan»-Unglück

Nach dem Unglück der «Titan» legt die US-Küstenwache einen Bericht mit schweren Vorwürfen gegen die Betreiberfirma vor. Wie konnte es zu der Implosion in der Tiefsee kommen?

Die US-Küstenwache hat ihren Bericht zum «Titan»-Unglück veröffentlicht. (Archivbild)
von dpa

Der Implosion des Tiefsee-Tauchbootes «Titan» mit fünf Todesopfern gingen einem Untersuchungsbericht zufolge schwerwiegende Versäumnisse der Betreiberfirma voraus. Nach zwei Jahren Ermittlungsarbeit listet die US-Küstenwache in ihrem 335 Seiten langen Bericht acht für das Unglück primär ursächliche Faktoren auf - mit schweren Vorwürfen gegen «Oceangate».

Die Betreiberfirma habe unter anderen im Konstruktions- und Testverfahren des Tauchbootes «grundlegende technische Prinzipien» nicht ausreichend berücksichtigt und Zwischenfälle bei vorherigen Fahrten nicht ausreichend kontrolliert. Design und Konstruktion hätten zu Mängeln in der strukturellen Integrität geführt. Außerdem habe ein «toxisches Arbeitsumfeld» in der Firma dazu geführt, dass Sicherheitsbedenken nicht geäußert worden seien.

Gegen den bei dem Unglück am Steuer des Tauchbootes sitzenden «Oceangate»-Chef Stockton Rush hätte womöglich eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet werden können, hätte dieser überlebt, schreibt die US-Küstenwache. In seiner Doppelfunktion als CEO und Pilot habe Rush «fahrlässig gehandelt, was zum Tod von vier Personen beigetragen hat».

Tagelange Suche, die weltweit verfolgt wurde

Das Tauchboot war im Juni 2023 verschollen, nachdem es zu einer Erkundungstour zum «Titanic»-Wrack aufgebrochen war. Die US-Küstenwache hatte mit Hilfe vor allem kanadischer Kräfte rund 700 Kilometer südlich von Neufundland eine großangelegte Suche gestartet, die Menschen weltweit verfolgten. Tage nach dem Verschwinden entdeckte ein Tauchroboter dann knapp 500 Meter vom «Titanic»-Wrack entfernt die Trümmer des implodierten Bootes.

«Das auslösende Ereignis für diesen Unfall war der Verlust der strukturellen Integrität», schreibt die US-Küstenwache. «Dieser Verlust der strukturellen Integrität führte zur katastrophalen Implosion des Rumpfes.» Nach der Implosion seien die fünf an Bord befindlichen Personen einem Wasserdruck von etwa 340 Bar ausgesetzt gewesen, «was zum sofortigen Tod aller fünf Insassen führte».

Familie der Opfer: «katastrophales Versagen» 

An Bord der «Titan» waren neben «Oceangate»-Chef Rush (61) der französische Wissenschaftler Paul-Henri Nargeolet (77), der britische Abenteurer Hamish Harding (58), der britisch-pakistanische Unternehmensberater Shahzada Dawood (48) und dessen 19-jähriger Sohn Suleman.

«Kein Bericht kann das herzzerreißende Ergebnis ändern oder die unermessliche Lücke füllen, die zwei geliebte Mitglieder unserer Familie hinterlassen haben», zitiert die BBC aus einer Stellungnahme der Familie Dawood. Ein «solch katastrophales Versagen» müsse Konsequenzen nach sich ziehen. Die Familie hoffe, dass die Tragödie als Wendepunkt diene, um «sinnvolle Reformen, strenge Sicherheitsstandards und eine wirksame Aufsicht» in der Tauchbootindustrie zu erreichen.

In ihrem Bericht listet die US-Küstenwache 14 Empfehlungen auf - unter anderem, dass von den Eigentümern von Tauchbooten verlangt werden sollte, vor der Durchführung von Operationen, Tauch- und Notfallpläne zu übermitteln.


Bildnachweis: © Paul Daly/The Canadian Press/AP/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Neuer Seniorenwegweiser für das erste Halbjahr 2026
Stadt Verl

Neues Format, modernes Design und noch mehr Inhalte: Rundum erneuert präsentiert sich der Verler Seniorenwegweiser...

weiterlesen...
Sekt, Stimmung, Schunkeln: Weiberfastnacht im Ratssaal
Stadt Verl

An Weiberfastnacht wird’s im Ratssaal wieder bunt: Am Donnerstag, 12. Februar, lädt die Stadt Verl auch in diesem...

weiterlesen...
Geflügelpest: Ab Donnerstag keine Stallpflicht mehr
Stadt Verl

Mit Wirkung zu Donnerstag, 22. Januar, 0 Uhr, hebt der Kreis Gütersloh die allgemeine kreisweite Stallpflicht von...

weiterlesen...

Neueste Artikel

Wieder Zugunglück in Spanien - Banges Warten auf Gewissheit
Aus aller Welt

Nach zwei tödlichen Bahnunglücken in kurzer Folge geht in Spanien die Angst vor dem Zugfahren um. Angehörige von Vermissten warten derweil verzweifelt auf die Identifizierung der Todesopfer.

weiterlesen...
Sieg für Bushido im Millionen-Streit gegen Ex-Partner
Aus aller Welt

Die Zeiten, in denen sie Seite an Seite im Rampenlicht standen, sind lange vorbei. Seit Jahren streiten Bushido und sein Ex-Geschäftspartner. In dieser Runde geht der Punkt an den Rapper.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Wieder Zugunglück in Spanien - Banges Warten auf Gewissheit
Aus aller Welt

Nach zwei tödlichen Bahnunglücken in kurzer Folge geht in Spanien die Angst vor dem Zugfahren um. Angehörige von Vermissten warten derweil verzweifelt auf die Identifizierung der Todesopfer.

weiterlesen...
Sieg für Bushido im Millionen-Streit gegen Ex-Partner
Aus aller Welt

Die Zeiten, in denen sie Seite an Seite im Rampenlicht standen, sind lange vorbei. Seit Jahren streiten Bushido und sein Ex-Geschäftspartner. In dieser Runde geht der Punkt an den Rapper.

weiterlesen...