3. Januar 2024 / Aus aller Welt

Biene, Hase, Regenwurm: Wie geht es Tieren im Hochwasser?

Das Hochwasser ist nicht nur für Menschen und die Landwirtschaft eine Gefahr. Es hat auch Auswirkungen auf Wildtiere, insbesondere auf deren Nachwuchs. Ein Tier kommt jedoch besonders gut damit zurecht.

Ein Reh stakst über eine überflutete Wiese.
von dpa

Die Brut vieler Wildbienen stirbt bei Hochwasser. Maulwürfe können sich retten, wenn sie schnell genug reagieren. Füchse klettern schonmal auf Deiche, wenn dort nicht gerade Touristen stehen. Wie das Hochwasser auf Wildtiere wirkt:

Maulwürfe

Maulwürfe können gut schwimmen, meiden aber Kontakt zu Wasser. «Wenn das Hochwasser zu schnell kommt, kommen viele Maulwürfe auch nicht rechtzeitig aus ihrem Bau heraus», sagt Jenifer Calvi von der Deutschen Wildtier Stiftung. Bei einem langsamen Anstieg schafften es manche der Tiere noch umzuziehen, und zwar über die Erde. Maulwürfe bauen auf Feuchtwiesen oft sogenannte Sumpfburgen. Die Hügel können rund einen Meter hoch sein und einen Durchmesser von bis zu 1,5 Metern haben.

Hasen, Rehe und Co.

Viele Tiere sind laut Wildtier Stiftung Überschwemmungen gewohnt: Rehe, Hirsche, Wildschweine und Füchse ziehen sich dann an halbwegs trockene Orte im Wald zurück - zumindest in Gebieten, wo das möglich ist.

«Feldhasen haben es schwer bei Feuchtigkeit. Sie sind ursprünglich Steppenbewohner, die mögen es warm und trocken», sagt Calvi. Insbesondere Jungtiere könnten bei andauernder Nässe krank werden und verenden.

Hase, Reh und Fuchs müssten bei Hochwasser oft aber auch auf Deiche steigen, um sich zu retten, betont Calvi. Wenn da zu viele Schaulustige seien, könne es sein, dass sie zurück ins Wasser laufen und ertrinken. «Jeder Mensch, der nichts auf den Deichen zu suchen hat, sollte sie daher meiden.»

Vögel

Hochwasser sei für die meisten Vögel außerhalb der Brutzeit kein Problem, wohl aber Dauerregen, sagt Vogelexperte Martin Rümmler vom Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Sie könnten sich zwar lange an geschützten Stellen aufhalten, müssten diese zur Nahrungssuche aber auch bei Dauerregen verlassen. «Je kleiner der Vogel ist, desto leichter kühlt er aus, wenn sein Gefieder durchnässt ist. Meisen sind gefährdeter als Tauben.» Dauerregen sei nicht unbedingt bestandsgefährdend, jedoch gefährlich oder ungünstig für einzelne Tiere.

Wer einen kranken, unterkühlten Vogel finde, sollte sich laut Rümmler vorsichtig nähern und ihn in eine trockene, auf einer Seite offene Box setzen. Diese sollte draußen an einen möglichst warmen Ort gestellt werden. In Innenräumen sei für Vögel die Verletzungsgefahr zu hoch, wenn sie wieder losfliegen.

Insekten

Auch Insekten sind laut Calvi durch Überschwemmungen gefährdet: Eier vieler Wildbienen, Larven mancher Käfer und zahlreiche junge Hummelköniginnen überwintern im Boden - sie alle seien bei Hochwasser verloren.

Regenwürmer

Regenwürmer könnten Überschwemmungen erstaunlich gut überdauern, sagt Johann Zaller von der Universität für Bodenkultur Wien. «Es gibt Berichte, dass Regenwürmer Überschwemmungen mehrere Wochen, ja sogar mehrere Monate überleben können.» Es gebe dabei zwar Unterschiede zwischen den fast 50 verschiedene Regenwurmarten in Deutschland. Sie könnten aber über die Hautatmung Sauerstoff bis zu einem gewissen Umfang auch direkt aus dem Wasser aufnehmen.

«Es wird angenommen, dass sie bei Regen nicht an die Oberfläche kommen, weil es im Boden an Sauerstoff mangelt. Sondern weil die Bedingungen bei Regen - hohe Luftfeuchtigkeit, keine Sonne - für sie günstig sind, um ihren Lebensraum zu erweitern», sagt Zaller. «Außerdem können sich Regenwürmer nur an der Oberfläche paaren, und die Bedingungen sind bei Regen günstig, weil bei Sonne die Gefahr besteht, dass sie während des mehrstündigen Paarungsakts austrocknen.» Es könne schon sein, dass einige Regenwürmer durch das aktuelle Hochwasser von der Oberfläche weggeschwemmt worden seien. «Einige ziehen sich aber nach der Paarung auch bei Regen wieder in den Boden zurück.»

«Zu dieser Jahreszeit verbleibt wohl ein großer Teil der Populationen im Kokonstadium ohnehin unbeweglich im Boden», sagt Zaller. Diese Kokons könnten sehr lange überdauern.

Regenwürmer sorgten für eine gute Bodendurchlüftung, erhöhten die Wasserinfiltration und verbessern den Humusaufbau im Boden. Das helfe gegen Überschwemmungen, «da das Wasser in regenwurmreichen Böden schneller versickert und ein höherer Humusgehalt wie ein Schwamm wirkt, der das Wasser besser halten kann».


Bildnachweis: © Boris Roessler/dpa
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