6. Juli 2021 / Aus aller Welt

Busfahrer will Streit schlichten und wird tödlich verletzt

Eine polnische Reisegruppe macht eine Raucherpause in Bayern. Dabei kommt es zum Streit mit einem Deutschen. Der Busfahrer geht dazwischen - und wird erstochen.

Bushaltestelle in Hof. In der Nähe wurde in der Nacht zum 06.07. ein Busfahrer tödlich verletzt.
Veröffentlicht am 6. Juli 2021 um 17:36 Uhr von dpa

Während einer Pause im bayerischen Hof ist der Busfahrer einer polnischen Reisegruppe von einem Angreifer erstochen worden. Der 63 Jahre alte Fahrer war nach ersten Erkenntnissen dazwischengegangen, als ein 43-jähriger Deutscher bei einem Streit einen Fahrgast aus der Reisegruppe angegriffen und leicht verletzt hatte.

«Dabei fügte der Tatverdächtige dem Fahrer aus Polen mit einem Taschenmesser tödliche Verletzungen zu», teilten Polizei und Staatsanwaltschaft mit. Der Grund für die Attacke blieb zunächst unklar.

Täter bestreitet Tötungsabsicht

Der Verdächtige kam in Untersuchungshaft. Er habe die Tat eingeräumt, hieß es. Allerdings habe er eine Tötungsabsicht bestritten. Da der Beschuldigte psychisch auffällig sei, soll er nun im Gefängnis von einem Sachverständigen untersucht werden.

Die Kriminalpolizei befragte mit Hilfe von Dolmetschern Fahrgäste, die Zeugen des Angriffs geworden waren. Der mutmaßliche Täter aus Sachsen wurde vernommen. Zudem sollte die Leiche des Opfers obduziert werden.

«Dass Gäste in unserer Stadt, die auf der Durchreise waren, angegangen und angegriffen und ein Mensch auch getötet wurde, macht uns fassungslos», sagte die Hofer Oberbürgermeisterin Eva Döhla (SPD). Sie sei erschüttert und traurig über die brutale Tat - und erleichtert, dass der mutmaßliche Täter zur Rechenschaft gezogen werde.

Grund für den Streit ist unklar

Zunächst blieb unklar, warum es zu dem Streit zwischen dem Deutschen und den Reisenden gekommen war. Nach derzeitigem Stand habe die Tat keinerlei fremdenfeindlichen oder politisch motivierten Hintergrund, so die Ermittler.

Die beiden Busse der Gruppe hatten sich zum Umsteigen am Bahnhof in Hof getroffen; der eine sollte nach Südpolen, der andere nach Nordpolen weiterfahren. Kurz nach Mitternacht machten einige der Fahrgäste auf dem Gehsteig neben den Bussen noch eine Raucherpause. Dabei gerieten sie mit dem 43-Jährigen in Streit, der sich in der Nähe aufhielt.

Dieser griff den vorläufigen Erkenntnissen zufolge dann zunächst unbewaffnet einen 52 Jahre alten Fahrgast an, bevor er auf den Busfahrer einstach. Der 52-Jährige wurde durch einen Faustschlag leicht verletzt. Nach dem Angriff floh der 43-Jährige zu Fuß. Eine Streife konnte ihn aber noch in der Nähe des Tatorts fassen.

Jede Hilfe kommt zu spät

Die Reisenden setzten direkt nach der Attacke einen Notruf ab und leisteten Erste Hilfe. Ein Notarzt konnte dem 63-Jährigen aber nicht mehr helfen - er starb noch am Tatort. Dort fanden Beamte auch die mutmaßliche Tatwaffe, ein klappbares Taschenmesser mit einer etwa acht Zentimeter langen Klinge.

Die Beamten sperrten den Bereich weiträumig ab. Spezialisten der Kriminalpolizei sicherten Spuren. Ein Bus konnte nach Angaben der Polizei seine Reise bereits fortsetzen. Die Insassen des zweiten Busses durften nach den Befragungen ebenfalls weiterfahren, benötigten aber zunächst noch einen Ersatzfahrer.


Bildnachweis: © Stephan Fricke/NEWS5/dpa
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