17. August 2021 / Aus aller Welt

Durch Corona: Lange Wartezeiten bei Fahrprüfungen

Der Weg zur praktischen Fahrprüfung ist für Anfänger nicht selten mit hohen Kosten und Stress gepflastert. Einige von ihnen müssen derzeit auch noch ungewöhnlich lange auf ihre Prüfungstermine warten.

Die Corona-Krise hat Folgen für die Termine für Fahrprüfungen.

Fahranfänger, die ihre praktische Führerscheinprüfung ablegen wollen, müssen derzeit mit ungewöhnlich langen Wartezeiten für einen Termin rechnen. Durchschnittlich müsse von einer Wartezeit zwischen drei und fünf Wochen ausgegangen werden, sagte der Geschäftsführer des Tüv-Verbands, Joachim Bühler.

Er führt die Verzögerungen vor allem auf die Einschränkungen in der Corona-Pandemie zurück. Je nach Region könnten kürzere oder längere Wartezeiten auftreten. «Läuft der Prüfungsbetrieb wie im Moment weiter, rechnen wir damit, dass wir die hohe Nachfrage nach Fahrerlaubnisprüfungen je nach Region im Zeitraum vom vierten Quartal 2021 bis zum Ende des ersten Quartals 2022 abgearbeitet haben.»

Nach Angaben Bühlers brachten die Einschränkungen in der Corona-Pandemie den Ausbildungs- und Prüfungsbetrieb zeitweise zum Erliegen. Gleichzeitig seien der Theorieunterricht und die theoretischen Prüfungen in den meisten Ländern weitergelaufen. «Das Ergebnis: Nach Ende der Lockdowns ist die Nachfrage nach Terminen für die praktische Prüfung in die Höhe geschossen. Das gab es in der Form noch nie», sagte Bühler. Hinzu kam demnach, dass Prüfer an Corona erkrankten oder in Quarantäne gehen mussten. «Auch bei Bewerbern und Fahrlehrern kam es vermehrt zu krankheitsbedingten Terminabsagen.»

Für Fahrschüler wird's teurer

Die Verzögerungen im Prüfbetrieb bekommen Anfänger wohl auch finanziell zu spüren. «Wegen der Wartezeiten nehmen die Fahrschüler vor der Prüfung noch mal Stunden, um nicht aus der Übung zu kommen», sagte Fahrlehrer Peter Hörnle aus Ochsenhausen in Baden-Württemberg. Zwei bis vier Stunden seien das durchschnittlich. Dadurch werde der Führerschein teurer. «Es braucht mehr Prüfer oder der Tüv muss sein Monopol bei den Fahrprüfungen verlieren», forderte der 57-Jährige.

Müssen die Prüflinge also die Terminvergabe-Probleme des Tüv ausbaden? «So grundsätzlich kann man das nicht sagen», erklärte der Vorsitzende der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände, Jürgen Kopp. «Natürlich fallen unter Umständen mehr Fahrstunden an, wenn man sich auf die erwartete Prüfungszuteilung nicht vollumfänglich verlassen kann. Das hat sicher zu erheblichen Anpassungsproblemen geführt. Andererseits können auch die Fahrschulen nicht immer die Wünsche der Schüler erfüllen, weil die Auslastung der Ausbildungskapazität an Grenzen stößt.»

Um das Problem in den Griff zu bekommen, setzt der Tüv gemeinsam mit den Fahrlehrerverbänden auf Maßnahmen, die vor allem das Personal betreffen. «Die Fahrprüfer leisten Mehrarbeit und verschieben in Absprache mit dem Betriebsrat ihren Urlaub. Soweit möglich, werden amtlich anerkannte Sachverständige aus anderen Arbeitsgebieten ausgeliehen, zum Beispiel aus der Hauptuntersuchung von Fahrzeugen», so Bühler. Einige Prüfer würden sogar aus dem Ruhestand zurückgeholt.

Für die Verärgerung einiger Prüflinge über die langen Wartezeiten hat Bühler Verständnis, wie er sagt. Die Monopol-Stellung des Tüv sieht er aber nicht als Ursache des Problems: «Wenn die Alleinbeauftragung fällt, gibt es nicht automatisch mehr Prüfkapazitäten. Auch dort, wo es eine freie Wahl der Prüforganisation gibt, gab es Verzögerungen. Das zeigt, dass wir uns mit den konkreten Herausforderungen und nicht mit Systemfragen beschäftigen sollten.»


Bildnachweis: © Swen Pförtner/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Sommer im Herbst - Oktober endet mit milden Sonnentagen
Aus aller Welt

Bis zu 27 Grad - und das Ende Oktober. Dafür sorgt in diesem Jahr ein seltenes, aber nicht unbekanntes Wetter-Phänomen.

weiterlesen...
Umwelthilfe fordert Böllerverbot zu Silvester
Aus aller Welt

Wegen der Pandemie fiel die große Böllerei in den vergangenen beiden Jahren vielerorts aus. Das dürfte diesmal anders sein. Umweltschützer appellieren deshalb an Bundesinnenministerin Faeser.

weiterlesen...
Forscher wollen Tasmanischen Tiger zum Leben erwecken
Aus aller Welt

Der letzte Tasmanische Tiger starb 1936. Nun wollen Wissenschaftler den australischen Raubbeutler mittels Gentechnologie wieder zurückbringen. Sogar prominente Investoren unterstützen das Projekt.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Aufräumarbeiten auf Insel Ischia werden fortgesetzt
Aus aller Welt

Eine «bomba d'acqua» - ein Platzregen wie er auf Italienisch heißt - verwüstet nachts den Norden von Ischia. Am Tag fehlt von vielen Menschen ein Lebenszeichen - Rettungskräfte machen sich auf die Suche.

weiterlesen...
E-Scooter-Verleiher in Paris verschärfen ihre Regeln
Aus aller Welt

Kreuz und quer sind Touristen wie Bewohner in Paris mit E-Scootern unterwegs - auf der Straße werden Regeln oft missachtet, Roller liegen auf Gehwegen herum. Die Stadt denkt nun über ein Verbot nach.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Aufräumarbeiten auf Insel Ischia werden fortgesetzt
Aus aller Welt

Eine «bomba d'acqua» - ein Platzregen wie er auf Italienisch heißt - verwüstet nachts den Norden von Ischia. Am Tag fehlt von vielen Menschen ein Lebenszeichen - Rettungskräfte machen sich auf die Suche.

weiterlesen...
E-Scooter-Verleiher in Paris verschärfen ihre Regeln
Aus aller Welt

Kreuz und quer sind Touristen wie Bewohner in Paris mit E-Scootern unterwegs - auf der Straße werden Regeln oft missachtet, Roller liegen auf Gehwegen herum. Die Stadt denkt nun über ein Verbot nach.

weiterlesen...