15. Juli 2021 / Aus aller Welt

Eifel-Ort: «Es gibt Tote, es gibt Vermisste»

«Es gibt Tote, es gibt Vermisste, es gibt viele, die noch in Gefahr sind»: Die Schilderungen von Dreyer sind dramatisch. Überflutungen haben ganze Orte im Westen Deutschlands verwüstet und zerstört.

Schuld mit etwa 700 Einwohnern liegt in einer Schleife an der Ahr, die normalerweise ein kleiner Fluss ist. Nun hat sich die Ahr in ein reißendes Gewässer verwandelt.

Die Wassermassen fressen sich regelrecht durch die Straßen, ganze Orte versinken in braunen Fluten. Es sind unfassbare Bilder und Szenen, die sich in der Eifel und in Teilen von Nordrhein-Westfalen abspielen.

Das, was die meisten Menschen in Deutschland bislang nur aus weiter Ferne kannten, ist plötzlich ganz nah.

Mehr als 55 Menschen sterben nach Überflutungen und Dauerregen. In Rheinland-Pfalz werden auch am Nachmittag noch Dutzende Menschen vermisst. Mehrere Häuser sind eingestürzt, viele instabil. Menschen fliehen in Not auf ihre Hausdächer und warten auf Rettung.

Dreyer im Landtag: «Es ist wirklich verheerend»

Als die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) zu Beginn der Landtagsplenarsitzung in Mainz das Wort ergreift, wird deutlich, welche Katastrophe sich gerade ereignet hat - und noch ereignet. «Es gibt Tote, es gibt Vermisste, es gibt viele, die noch in Gefahr sind», sagt Dreyer. «Es ist wirklich verheerend.» Ganze Orte seien überflutet, Häuser einfach weggeschwommen.

Polizeihubschrauber sind unterwegs, um Menschen von Hausdächern zu retten. Es gebe sehr viele Vermisste, sagt Dreyer. Noch sei unklar, ob sie sich selbst hatten retten können. Sie zu erreichen sei schwierig, da das Mobilfunknetz zum Teil ausgefallen sei.

Acht Tote im Kreis Euskirchen

Auch in Nordrhein-Westfalen bleiben nach der Katastrophe Zerstörung und Verwüstung. Mindestens 30 Menschen sterben im Zusammenhang mit dem Hochwasser, allein im Kreis Euskirchen im Süden des Landes kommen nach Behördenangaben 15 Menschen ums Leben. In Solingen retteten Einsatzkräfte etwa 130 Menschen aus akuter Not vor den Fluten. «Wir haben die Menschen über Drehleitern, Boote, Bojen herausgeholt», sagte ein Feuerwehrsprecher. Es sind Bilder, mitten aus Deutschland, die hilflos machen.

Teilweise bestehe kein Zugang zu den Orten. Im Kreisgebiet sei die Kommunikation weitgehend ausgefallen. Auch der Feuerwehr-Notruf 112 und die Kreisverwaltung seien nicht zu erreichen. Die Altstadt von Bad Münstereifel wurde völlig verwüstet. Am Mittag stehen die Menschen fassungslos zwischen den Trümmern.

Kleiner Ort Schuld besonders betroffen

In Rheinland-Pfalz traf es den kleinen Eifel-Ort Schuld besonders schwer. Das Dorf mit etwa 700 Einwohnern - nahe der Landesgrenze zu NRW - liegt in einer Schleife an der Ahr, die normalerweise ein kleiner Fluss ist. Nun hat sich die Ahr in ein reißendes Gewässer verwandelt.

Nur wenige Details sind anfangs bekannt. Die Fluten rissen mehrere Häuser weg. Es lief ein dramatischer Rettungseinsatz, weil sich Dutzende Menschen auf den Dächern in Sicherheit gebracht haben. Viele weitere Häuser gelten nun als einsturzgefährdet.

19 Menschen starben nach ersten Erkenntnissen im Raum Bad Neuenahr-Ahrweiler. Auf Bildern zeigt sich die Gewalt, mit der das Wasser die Dörfer und Orte überflutet hat: Autos, Bäume, ganze Häuser sind einfach weggerissen, Trümmer stapeln sich im schmutzigen Wasser, Brücken sind zusammengestürzt.

Luftaufnahmen lassen das Ausmaß besonders erahnen: Schuld ist völlig verwüstet, auch Altenburg, ein Ortsteil von Altenahr, versinkt regelrecht in den gefährlichen Fluten. In Bad Neuenahr-Ahrweiler erzählt eine Anwohnerin, in einer Kellerwohnung seien mindestens drei Menschen ertrunken. Offizielle Informationen gibt es dazu zunächst nicht.

An einigen Talsperren wird das Wasser kontrolliert abgelassen, einige anliegende Ortschaften werden evakuiert. Mehrere Tausend Einwohner sind betroffen. An der Steinbachtalsperre nahe der Grenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz veranlasst das falsche Gerücht eines Dammbruchs Dutzende Bewohner von Heimersheim zur Flucht auf höhergelegenes Terrain. «Wir haben gehört, die Flutwelle kommt», rufen sie, Panikstimmung macht sich breit. Die Kreisverwaltung Ahrweiler stellt klar, dass von einem Dammbruch keine Rede sein könne. Ein Sachverständiger stuft die Talsperre aber als «sehr instabil» ein. Vielerorts bleiben zunächst die Sorge und die Ungewissheit.


Bildnachweis: © Thomas Frey/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

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