10. Februar 2022 / Aus aller Welt

EU-Agentur: Umweltfolgen von Textilien verringern

Fast Fashion ist ein großes Problem im Kampf gegen die Klimakrise. Ein Umdenken hin zu mehr Nachhaltigkeit ist der EU-Umweltagentur zufolge unerlässlich, um die hohen Umweltfolgen zu verringern.

Ein Mann läuft mit Einkaufstaschen durch die Innenstadt von Hannover. Jeder Einwohner der Europäischen Union konsumiert pro Jahr im Durchschnitt knapp 15 Kilogramm an Bekleidung und weiter...

Maßnehmen im Kleiderschrank: Jeder EU-Bürger legt sich jährlich im Durchschnitt knapp 15 Kilogramm an Bekleidung und weiteren Textilien zu.

Dieser Verbrauch erfordere pro Person 391 Kilogramm Rohstoffe, 9 Kubikmeter Wasser sowie 400 Quadratmeter Landfläche und verursache einen CO2-Abdruck von rund 270 Kilogramm, teilte die EU-Umweltagentur EEA am Donnerstag in Kopenhagen mit. Vor der geplanten Vorstellung einer entsprechenden EU-Strategie im März mahnte sie an, es sei angesichts der hohen Umwelt- und Klimabelastung durch die Herstellung und den Konsum von Textilien unerlässlich, den Sektor auf zirkuläre Geschäftsmodelle umzustellen und stärker auf langlebige, zeitlose Designs zu setzen.

Reichere Staaten besonders in der Schuld

Trotz eines recht deutlichen Rückgangs beim Konsum von Textilwaren aufgrund der Corona-Pandemie belief sich der Pro-Kopf-Verbrauch der EU-Bürgerinnen und -Bürger im Jahr 2020 noch auf schätzungsweise 14,8 Kilogramm. Darunter entfielen 6,1 Kilogramm auf Kleidungsstücke von der Jacke bis zu den Socken, 6,0 Kilogramm auf Haushaltstextilien wie zum Beispiel Bettwäsche und Teppiche und 2,7 Kilogramm auf Schuhe. Da diese Produkte vor allem in Asien hergestellt werden, fällt dort auch der Großteil des Ressourcenverbrauchs und der Emissionen an. Von den 270 Kilogramm CO2-Äquivalenten entfielen nur 27 Prozent auf die EU.

Auf die 27 einzelnen EU-Länder hat die EEA die Verbrauchswerte nicht heruntergerechnet. Grundsätzlich lasse sich sagen, dass die Menschen in reicheren Staaten einen höheren Verbrauch hätten, sagte der EEA-Experte Lars Mortensen. Hinzu kämen einige kulturell bedingte Variationen etwa in Italien, Frankreich und Skandinavien.

Die Umweltagentur wies darauf hin, dass solche Schätzzahlen mit Unsicherheiten behaftet seien und von Studie zu Studie variierten. Das jährliche Mittel ist im vergangenen Jahrzehnt jedoch relativ konstant geblieben. Für 2021 rechne man mit ähnlichen Werten wie 2020, 2022 dürften sie dann zunehmen, sagte Mortensen.

Der Verbrauch von Textilien hat nach EEA-Angaben im EU-Durchschnitt die viertgrößten Auswirkungen auf Umwelt und Klima nach dem Verzehr von Lebensmitteln, Wohnen und Mobilität. Die EU-Kommission hat angekündigt, Ende März eine Strategie zu nachhaltigen Textilien und Kreislaufwirtschaften vorstellen zu wollen.

Zirkuläre Geschäftsmodelle gefragt

Die Textilindustrie gehört zu den weltgrößten Wirtschaftszweigen. Die Vereinten Nationen schätzen ihren Jahresumfang auf 2,4 Billionen Dollar (rund 2,1 Billionen Euro), weltweit sind demnach mehr als 75 Millionen Menschen in dieser Industrie beschäftigt. In der EU machte der Textil- und Bekleidungssektor laut EEA 2019 einen Umsatz von 162 Milliarden Euro aus, in dem Sektor waren demnach über 1,5 Millionen Menschen angestellt. Die 27 EU-Staaten importieren ihre Textilien hauptsächlich aus China, Bangladesch und der Türkei und exportieren vor allem nach Großbritannien, in die Schweiz und die USA.

Wie die EEA unterstrich, müssen die Umwelt- und Klimafolgen vor allem mit einer Verlagerung hin zu zirkulären Geschäftsmodellen und langlebigen Designs verringert werden - das bedeutet unter anderem, dass der Einsatz von Ressourcen ebenso minimiert wird wie der anfallende Abfall. Mit anderen Worten: Der Wegwerfgesellschaft muss ein Ende gesetzt werden. Ein Problem: Einen echten Kreislauf, in dem Altkleider zu neuen Textilien werden, gibt es bislang noch nicht.

Der Umweltagentur zufolge können die negativen Auswirkungen auf Klima und Umwelt reduziert werden, indem der Wert von Textilien erhalten bleibt, ihre Lebenszyklen verlängert werden und häufiger recycelte Materialien verwendet werden. Dies erfordere neben technischen, sozialen und wirtschaftlichen Innovationen auch Verhaltensänderungen bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie politische Rückendeckung.

Beim Design gehe es unter anderem darum, langlebige und umweltfreundliche Materialien auszuwählen. Durch eine bessere Haltbarkeit könne Kleidung länger getragen und wiederverwendet werden. Zudem sei es wichtig, den Fokus der Verbraucher auf zeitlose Designs - sogenannte Slow Fashion - zu legen, um schnell wechselnden Modetrends entgegenzuwirken. Auch die negativen Folgen von Mikroplastik aus Textilien für Ökosysteme, Tiere und Menschen müssten angegangen werden, etwa durch nachhaltiges Design und alternative Herstellungsprozesse.


Bildnachweis: © Julian Stratenschulte/dpa
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