6. Dezember 2023 / Aus aller Welt

Explosion im Modegeschäft - Vater und Sohn vor Gericht

Neun Monate ist die verheerende Explosion in einem Modegeschäft in Eschweiler her. Vier Menschen, darunter ein Baby, wurden schwer verletzt. In Aachen hat der Prozess gegen zwei Männer begonnen.

Die Angeklagten werden von Justizbeamten in den Gerichtssaal geführt.
Veröffentlicht am 6. Dezember 2023 um 15:11 Uhr von Ulrike Hofsähs, dpa

«Postapokalyptisch» habe die Straße ausgesehen, zwei Menschen hätten in Lebensgefahr geschwebt. Es sei reiner Zufall, dass nichts Schlimmeres passierte, sagt die Staatsanwältin. Neun Monate nach der verheerenden Explosion in einem Modegeschäft im nordrhein-westfälischen Eschweiler mit vielen Verletzten und einem Millionenschaden hat der Prozess gegen die beiden Betreiber des Ladens begonnen.

Vor dem Landgericht Aachen stehen ein 56 Jahre alter Mann und sein 22-jähriger Sohn. Ihnen wird unter anderem versuchter 13-facher Mord vorgeworfen. Sie sollen die Explosion geplant und ausgelöst haben, um von der Versicherung Geld zu kassieren. Der Sohn habe drei Tage vor der Explosion eine fällige Rate bezahlt. «Während andere Verbindlichkeiten nicht bedient wurden», heißt es in der Anklage.

Der 22-Jährige soll am 30. März in dem Laden großflächig Benzin und Diesel verteilt und dann ein oder zwei Kleidungsstücke angezündet haben. Um 21.18 Uhr gab es eine massive Explosion und einen kilometerweit zu hörenden Knall. Das Schaufenster des Ladens wurde auf die Straße gesprengt. In dem vierstöckigen Wohn- und Geschäftshaus stürzten Wände und Teile der Decke ein, ein Brand brach aus. Vier Menschen, darunter ein sechs Wochen altes Baby, wurden schwer verletzt.

Vater: «Ich bin unschuldig»

Am ersten Prozesstag hielten Vater und Sohn Abstand. Der 22-Jährige in der ersten Reihe der Anklagebank erklärte über seine Anwälte, er wolle sich schweigend verteidigen. Der Deutsche hörte mit zusammengekniffenen Lippen zu. Sein Vater dagegen redete. Mit der Explosion habe er nichts zu tun, erklärte der Mann mit deutscher und irakischer Staatsangehörigkeit über den Dolmetscher. «Ich bin unschuldig.»

Seinen Sohn habe ein Problem mit Drogen, sagte der 56-Jährige aus. «Er ist ein Zocker». Weil der Vermieter es so wollte, habe er den Mietvertrag für den Laden geschlossen. Einen Schlüssel habe er aber nicht gehabt, wohl aber Banküberweisungen für den Sohn getätigt und im Laden geholfen. «Ich hatte Langeweile», sagte der Vater.

Das Geschäft in einer Seitenstraße der Fußgängerzone sei ein Erfolg gewesen, beteuerte der Mann mehrfach. Er sagte aber auch, es habe auch mal drei Wochen keinen Strom gegeben, bis die Rechnung bezahlt gewesen sei. Nach der Explosion war der Verdacht rasch auf die Betreiber des laut Anklage ertraglosen Geschäfts gefallen. Sie kamen kurz darauf in Untersuchungshaft.

Im Treppenhaus gefangen

In der Brandnacht versuchte eine Familie aus dem oberen Stock mit ihrem sechs Wochen alten Baby zu flüchten, konnte die Türen aber nicht öffnen und war im Treppenhaus gefangen. Das Baby erlitt Verbrennungen an Gesicht und Händen. Drei weitere Menschen wurden durch Verbrennungen schwer verletzt und lagen teils dreienhalb Monate im Krankenhaus. Einer Frau mussten Finger der rechten Hand teilweise amputiert werden.

In dem Prozess, der bis Anfang Januar dauert, sollen mehr als 50 Zeugen gehört werden. Darunter sind Polizisten, Feuerwehrleute, Nachbarn und Sachverständige.


Bildnachweis: © Oliver Berg/dpa
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