Die Entführung der kleinen Cleo Smith in Australien hatte 2021 weltweit Schlagzeilen gemacht - nun ist das Urteil gegen den Angeklagten gefallen: 13 Jahre und sechs Monate Haft, verkündete das zuständige Gericht in Perth. Dem 37-Jährigen, der sich schuldig bekannt hatte, drohten wegen des Vorwurfs des Kindesraubes bis zu 20 Jahre Haft. Jedoch habe Richterin Julie Wager seine schwierige Kindheit und sein frühes Schuldeingeständnis als mildernde Umstände anerkannt, berichtete der australische «Guardian». Die Entführung habe aber «unermessliche Angst und Not» verursacht, sagte Wager. Die Auswirkungen der Tat auf das Kind und seine Eltern seien dauerhaft. «18 Tage ohne Kontakt oder Erklärung und dabei stundenlang völlig allein und ohne Zugang zur Außenwelt zu sein, das ist für ein Kind sehr traumatisch.» Im Gericht waren auch Mutter Ellie Smith und Cleos Stiefvater. Ein Rückblick: Die damals vierjährige Cleo ist mit ihrer Familie bei einem Campingausflug in Point Quobba, etwa 75 Kilometer nördlich ihres Heimatortes Carnarvon. Es ist der 16. Oktober 2021, als die Mutter im Familienzelt aufwacht und feststellt, dass Cleo nicht mehr da ist. Auch ihr Schlafsack ist verschwunden. Der Schrecken wächst, als klar wird: Der Reißverschluss des Eingangs ist so weit hochgezogen, dass das Kind ihn nicht selber geöffnet haben kann. Die Polizei richtet eine 100-köpfige Sonderkommission ein. Derweil gehen die verzweifelten Eltern immer wieder mit dramatischen Aufrufen an die Öffentlichkeit. Die Regierung des Bundesstaates Western Australia setzt sogar eine Belohnung von einer Million australischen Dollar (rund 614.000 Euro) für Hinweise aus, die zum Auffinden des Mädchens führen - aber alle angeblichen Sichtungen verlaufen zunächst im Nichts. Nach 18 Tagen schließlich die erlösende Nachricht: Cleo wird wohlbehalten in einem Haus entdeckt - überraschenderweise in ihrem Heimatort. Auf einem ersten Foto ist sie wenig später winkend im Krankenhausbett zu sehen, eingehüllt in eine weiße Decke. Der Besitzer des Hauses wird in der Nähe auf einer Straße festgenommen. Seither waren viele Fragen zum Motiv und zu Cleos Gefangenschaft offen - Fragen, auf die Richterin Wager nun Antworten gab. Der Angeklagte leidet demnach an einer «schweren und komplexen Persönlichkeitsstörung» und stand in der Nacht der Tat unter Drogen. Bereits im Mutterleib sei er Drogen und Alkohol ausgesetzt gewesen, die Kindheit sei von Gewalt geprägt gewesen. «Ich akzeptiere voll und ganz, dass Ihre Persönlichkeitsstörung durch die Umgebung verursacht wurde, in der Sie aufgewachsen sind, und durch die Entbehrungen, die Sie als Kind erlitten haben», sagte Wager. Es gebe keine wirklich vergleichbaren Fälle. Vom Gericht beauftragte Psychiater erklärten, der Mann habe sich immer eine eigene Familie gewünscht. Richterin Wager sagte, obwohl er ein isoliertes Leben lebte, habe er sich eine «Fantasie-Familie» erschaffen und Profile in sozialen Netzwerken angelegt, in denen er vortäuschte, Kinder zu haben. Die große Puppensammlung, die in seinem Haus gefunden wurde, passe zu diesem Wunschdenken. Cleo habe er in einem Schlafzimmer eingesperrt, in dem sie die meiste Zeit allein gewesen sei. Teilweise habe er das Radio laut aufgedreht, damit sie nicht zu hören war. «Sie hat darum gefleht, zu ihren Eltern zu dürfen», sagte die Richterin. «Ihre Eltern wussten nicht, ob sie lebte oder tot war. Sie wussten nicht, was mit ihr passiert war oder ob sie jemals zurückkehren würde.» Der Polizeichef von Westaustralien sprach von einem «abscheulichen Verbrechen». Was die Familie durchgemacht habe, sei der «Alptraum aller Eltern». Der Verurteilte kann vorzeitige Entlassung auf Bewährung beantragen. Dem Sender 9News zufolge könnte er frühestens 2033 freikommen.Traumatisches Erlebnis
Keine Spur von Cleo
Drogen, Alkohol, Gewalt
Bildnachweis: © Aaron Bunch/AAP/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Fall Cleo Smith: Kidnapper muss lange ins Gefängnis
Vor eineinhalb Jahren hält die Entführung eines kleinen Mädchens in Australien die halbe Welt in Atem. Bei der Urteilsverkündung gibt es erstmals Antworten auf viele offene Fragen.
Meistgelesene Artikel
- 15. Juli 2026
Übersicht über aktuelle Baustellen im Stadtgebiet
Wann, wo und wie lange? Hier finden Sie Informationen über aktuelle Verkehrsbaustellen im Stadtgebiet. So können Sie...
- 13. August 2026
Rollator-Club trifft sich am 14. und 28. August
Unter dem Motto „Bewegung ist die beste Medizin“ trifft sich regelmäßig an jedem 2. und 4. Freitag im Monat der...
- 16. Juli 2026
Bürgerservice in den Sommerferien samstags geschlossen
Der Bürgerservice der Stadt Verl bleibt in den Sommerferien samstags geschlossen. Der letzte geöffnete Samstag vor den...
Neueste Artikel
- 13. August 2026
Toter Buckelwal im Greifswalder Bodden
Ist es der Wal, der zuletzt vor der polnischen Küste gesichtet wurde? Experten des Deutschen Meeresmuseums wollen ihn obduzieren.
- 13. August 2026
Nach Sonnenfinsternis: Patienten beklagen Augenschmerzen
Schwindel, Brennen und Flecken: Nach der Sonnenfinsternis suchen einige Menschen mit Beschwerden die Augenkliniken auf. Was die Ärzte dazu sagen und was passiert, wenn Warnungen ignoriert werden.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 13. August 2026
Toter Buckelwal im Greifswalder Bodden
Ist es der Wal, der zuletzt vor der polnischen Küste gesichtet wurde? Experten des Deutschen Meeresmuseums wollen ihn obduzieren.
- 13. August 2026
Nach Sonnenfinsternis: Patienten beklagen Augenschmerzen
Schwindel, Brennen und Flecken: Nach der Sonnenfinsternis suchen einige Menschen mit Beschwerden die Augenkliniken auf. Was die Ärzte dazu sagen und was passiert, wenn Warnungen ignoriert werden.

