28. Februar 2022 / Aus aller Welt

Eine Viertelmillion Menschen gegen den Krieg in Köln

«Mir sin alle nur Mensche» - Wir sind alle nur Menschen: Dort wo normalerweise an Rosenmontag die Karnevalswagen durch Köln rollen, zieht diesmal eine riesige Friedensdemo durch die Stadt. Ein prominenter Kölner ist besonders stolz.

Der Rosenmontag in Köln war in diesem Jahr eine Riesendemo für den Frieden.
Veröffentlicht am 28. Februar 2022 um 16:43 Uhr von dpa

Mehr als eine Viertelmillion Menschen haben am Rosenmontag in Köln für Frieden und Demokratie demonstriert. Sowohl die Polizei als auch das Festkomitee Kölner Karneval gaben die Teilnehmerzahl mit über 250 000 an.

Trotz der Menschenmassen sei der Demonstrationszug ohne Zwischenfälle verlaufen. «Das ist, glaube ich, der wichtigste Rosenmontagszug, seit ich auf der Welt bin», sagte der bekannte Musiker Peter Brings (57) im WDR-Fernsehen.

In Reden solidarisierten sich Karnevalspräsident Christoph Kuckelkorn und Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) sowohl mit der Ukraine als auch mit den Antikriegs-Demonstranten in Russland. «Herr Putin, stoppen Sie den Wahnsinn! Stoppen Sie den Krieg!», rief Kuckelkorn. Reker betonte: «Ich empfinde grenzenlose Bewunderung für all die mutigen Russinnen und Russen, die bereits seit Freitag auf die Straßen ihres Landes gehen.» Minutenlanger donnernder Applaus der Zuhörerinnen und Zuhörer war die Reaktion darauf.

Kostümierte und Nichtkostümierte marschierten gemeinsam durch die Straßen. Viele trugen Transparente mit Aufschriften wie «Putin Go Home» und «Dear Russian people, be Russians not Putinians» («Liebes russisches Volk, seid Russen, keine Putinianer»). Dazu wurden Lieder gespielt wie «Alle Menschen werden Brüder» und «Mir sin alle nur Mensche» (Wir sind alle nur Menschen) von Brings. Vor dem Start des Marsches ließ das Festkomitee Kölner Karneval weiße Friedenstauben aufsteigen.

Teilnehmer beschrieben eine gedämpfte, überwiegend ernsthafte Atmosphäre. Die Kölner Karnevalisten hatten sich am Tag des Kriegsbeginns entschieden, eine Friedensdemo zu veranstalten. Der normale Rosenmontagszug durch die Stadt war zuvor schon wegen Corona abgesagt worden. Als Ersatz sollte der Zug durchs Fußballstadion rollen, doch das wurde nun ebenfalls gecancelt.

Am Nachmittag zog Kuckelkorn Bilanz: «Die Kölner und der Karneval haben heute gezeigt, dass alle zusammenstehen, wenn es darauf ankommt», sagte er. «Heute ging es nicht ums ausgelassene Feiern, sondern um lauten und bunten Protest gegen den Krieg in der Ukraine.» Der Zug wurde angeführt von einem Karnevalswagen, der eine von einer russischen Flagge aufgespießte Friedenstaube zeigte.

«Da bin ich sehr stolz auf meine Stadt», sagte BAP-Sänger Wolfgang Niedecken im WDR Fernsehen. Der «höchste Kölner Feiertag», der Rosenmontag, sei zu einer Solidaritätskundgebung für Frieden und Demokratie umfunktioniert worden. Alle Teilnehmer verhielten sich verantwortlich: «Ich sehe keinen einzigen ohne Maske.»

Auch der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst ging in der Demo mit. «Das ist heute die beste Art, auf den Beinen zu sein, nämlich für Frieden und Freiheit in Europa zu demonstrieren», sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur.

In Düsseldorf war der Rosenmontagszug schon vor Wochen wegen Corona auf Ende Mai verlegt worden. Allerdings rollte dort ein einzelner Wagen von Jacques Tilly zum Ukraine-Krieg durch die Stadt. Die überlebensgroße Karikatur aus Drahtgeflecht und Pappmaché zeigte Wladimir Putin, der sich die Ukraine in den Rachen steckt, und den Spruch «Erstick dran!!!».


Bildnachweis: © Oliver Berg/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Rollator-Club trifft sich am 14. und 28. August
Stadt Verl

Unter dem Motto „Bewegung ist die beste Medizin“ trifft sich regelmäßig an jedem 2. und 4. Freitag im Monat der...

weiterlesen...
Gesprächskreis „Vergissmeinnicht“ am 18. August
Stadt Verl

Der offene Gesprächskreis „Vergissmeinnicht“ für pflegende Angehörige von Menschen mit Demenz trifft sich das...

weiterlesen...
Monatliche Sprechstunde für Angehörige von Demenzkranken
Stadt Verl

An jedem 4. Dienstag im Monat findet in der Zeit von 10 bis 12 Uhr in Verl eine Sprechstunde des Diakonie...

weiterlesen...

Neueste Artikel

50 Cent für Klogang - 27-Jährige verklagt Stadt Wien
Aus aller Welt

Sie muss die Klo-Kabine bezahlen, ihr Begleiter darf gratis das Pissoir benutzen. Das empfindet eine Frau aus Wien ungerecht. Sie verklagt die Stadt - und hofft auf ein Antidiskriminierungssignal.

weiterlesen...
Vandalismusschäden von über 30 Millionen Euro bei der Bahn
Aus aller Welt

Graffitis an Bahnhofswänden, Kabeldiebstahl, zerkratzte Scheiben in Zügen - die Deutsche Bahn ist ständig mit Vandalismus konfrontiert. Die Höhe des Schadens ist beträchtlich.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

50 Cent für Klogang - 27-Jährige verklagt Stadt Wien
Aus aller Welt

Sie muss die Klo-Kabine bezahlen, ihr Begleiter darf gratis das Pissoir benutzen. Das empfindet eine Frau aus Wien ungerecht. Sie verklagt die Stadt - und hofft auf ein Antidiskriminierungssignal.

weiterlesen...
Vandalismusschäden von über 30 Millionen Euro bei der Bahn
Aus aller Welt

Graffitis an Bahnhofswänden, Kabeldiebstahl, zerkratzte Scheiben in Zügen - die Deutsche Bahn ist ständig mit Vandalismus konfrontiert. Die Höhe des Schadens ist beträchtlich.

weiterlesen...