Lange Warteschlangen vor Supermärkten, auch die Polizei muss ausrücken: Es geht wieder los mit dem Verkauf von Raketen und Böllern für den Jahreswechsel. Auch Onlineshops dürfen seit Montag vorab bestellte Böllerware an den letzten drei Werktagen des Jahres an die Haustüren liefern lassen. Die Diskussion über ein Böllerverbot geht indes weiter. Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) rechnet gegenüber dem Vorjahr mit 10 bis 15 Prozent mehr Ware im Handel. 2024 verzeichnete die Branche nach eigenen Angaben einen Umsatz von 197 Millionen Euro (2023: 180 Millionen). Sie hofft, diesen Wert leicht zu steigern. Vielerorts standen Kunden schon vor Ladenöffnung Schlange, um Pyrotechnik für den Jahreswechsel zu kaufen. Andrang gab es zum Beispiel in Hamburg-Harburg: «Wir hatten um 5.30 Uhr eine Schlange von 100 bis 130 Leuten und das bricht nicht ab und nimmt eher zurzeit zu», sagte Feuerwerkshändler und Pyrotechniker Oliver Graetzer der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Einen größeren Ansturm verzeichneten auch zwei Discounter in Kehl an der deutsch-französischen Grenze. Die Beamten waren bereits vorsorglich vor Ort. Demnach wurden sie unter anderem von einem Unbekannten während des Einsatzes mit einer Feuerwerksbatterie beworfen. In Thüringen hielten Anwohner zwei Wartende vor einem Supermarkt für Einbrecher. Aus diesem Grund wurde die Polizei nach Friedrichroda bei Gotha gerufen. Wie sich herausstellte, kampierten die beiden jungen Männer mit Teekannen und Decken vor dem Laden und warteten auf die Öffnung, um Silvesterfeuerwerk kaufen zu können, wie die Polizei mitteilte. Gut jeder fünfte Bundesbürger (22 Prozent) will laut einer neuen Umfrage des Tüv-Verbands zum Jahreswechsel privates Feuerwerk zünden. Dagegen wollen drei Viertel (74 Prozent) zu Silvester auf pyrotechnische Artikel wie Raketen, Fontänen oder Böller verzichten. «Es ist eine Minderheit, die zu Silvester privat böllert, Raketen abschießt oder andere Feuerwerkskörper zündet», betont Joachim Bühler, Geschäftsführer des Tüv-Verbands. Laut der repräsentativen Umfrage sind es vor allem jüngere Menschen, die an Silvester Feuerwerk abbrennen: 43 Prozent der 18- bis 29-Jährigen und 39 Prozent im Alter von 30 bis 39 Jahren. Weiter hat das Meinungsforschungsinstitut Civey ermittelt: In der Altersgruppe 40 bis 49 Jahre böllern 29 Prozent, unter den 50- bis 64-Jährigen 21 Prozent und in der Generation 65plus nur noch 10 Prozent. Ärztevertreter, Polizisten, das Deutsche Kinderhilfswerk, Umwelt- und Tierschützer sowie weitere Organisationen fordern ein generelles Anwendungsverbot für Böller und Raketen. Unter anderem verwies der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, auf schwere Verletzungen, die zahlreiche Menschen jedes Jahr durch explodierende Feuerwerkskörper erlitten, und volle Notaufnahmen in den Krankenhäusern. Laut einer Auswertung der Krankenkasse AOK lag die Anzahl der Krankenhaus-Aufnahmen wegen typischer Feuerwerksverletzungen an Neujahr in den vergangenen zehn Jahren mit durchschnittlich rund 530 Fällen etwa 2,6-mal höher als an normalen Wochentagen und sogar etwa 4,4-mal höher als an durchschnittlichen Wochenenden. Die Innenminister von Bund und Ländern konnten sich zuletzt aber nicht auf ein Verbot von privatem Feuerwerk einigen. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies lehnt ein landesweites Böllerverbot zu Silvester ab und setzt stattdessen auf Entscheidungen vor Ort. «Es gibt ganz viele Kommunen, die Bereiche festlegen, wo nicht geböllert werden darf. Das halte ich für den richtigen Weg», sagte der SPD-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnte vor zu wenig Einsatzkräften an Silvester und forderte mehr Böllerverbote und Schutzzonen in Städten. Einsatzkräfte befürchten, dass Kollegen im Dienst erneut mit Böllern angegriffen werden könnten. Der GdP-Chef für den Bereich Bundespolizei, Andreas Roßkopf, warnte mögliche Krawallmacher: «Wir sind gut vorbereitet und werden durchgreifen», sagte Roßkopf der «Rheinischen Post». Immer wieder verletzen sich Menschen beim Umgang mit Pyrotechnik schwer - teils sogar tödlich. Leichtsinn mit Feuerwerk kostete in der vergangenen Silvesternacht in Deutschland fünf Männer das Leben. Das Abbrennen von Feuerwerk ist grundsätzlich nur an Silvester und Neujahr erlaubt. In vielen Städten gilt zusätzlich die zeitliche Einschränkung, dass an Silvester erst ab 18.00 Uhr bis zum Neujahrsmorgen um 7.00 Uhr geböllert werden darf. Laut Sprengstoffgesetz ist das Abbrennen von Feuerwerk in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheimen sowie besonders brandempfindlichen Gebäuden generell verboten. Die Experten des Tüv empfehlen u.a., nur altersgerechte Produkte zu verwenden und Kinder nie unbeaufsichtigt böllern zu lassen, auf Handschuhe beim Zünden zu verzichten, lange Streichhölzer zu verwenden, Feuerwerk nie in der Hand zu zünden und niemals auf Menschen oder Tiere zu zielen. Der Präsident der Generalzolldirektion, Armin Rolfink, warnt vor der Verwendung illegalen Feuerwerks: «Die Einfuhr nicht zugelassener Feuerwerkskörper aus dem Ausland ist verboten und führt zur Einleitung eines Strafverfahrens gegen die verantwortliche Person», sagte Rolfink dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. 2024 stellte der Zoll nach eigenen Angaben mehr als sieben Tonnen nicht zugelassener Pyrotechnik sicher. In der dänischen Region Nordjütland wurde ein 35-jähriger Mann wegen illegaler Pyrotechnik angeklagt. Wie die Polizei laut einer Meldung der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau mitteilte, waren zuvor mehr als 800 Kilogramm Feuerwerkskörper in einer Wohnung nahe der Stadt Aalborg gefunden und beschlagnahmt worden.«Ist eine Minderheit, die böllert»
Was Böller-Gegner sagen
Debatte über Böller-Verbot
Was erlaubt ist
Was Experten raten
Bildnachweis: © Christian Charisius/dpa
Copyright 2025, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten
Kurz vor Silvester: Ansturm auf Böller und Raketen
Nur jeder Fünfte will privat böllern, gleichzeitig berichtet der Handel von mehr Pyro-Ware in den Läden. Und die Debatte über das Thema wird kontrovers geführt.
Meistgelesene Artikel
- 3. Februar 2026
Hobbymarkt am 7. Februar wieder mit kleinem Geflügel-Angebot
Am Samstag, 7. Februar, ist in Kaunitz von 6 bis 14 Uhr wieder Hobbymarkt. Nach der langen Pause aufgrund der...
- 21. Januar 2026
Geflügelpest: Ab 22. Januar keine Stallpflicht mehr
Mit Wirkung zum 22. Januar, 0 Uhr, hebt der Kreis Gütersloh die allgemeine kreisweite Stallpflicht von Geflügel auf....
- 15. Januar 2026
Sekt, Stimmung, Schunkeln: Weiberfastnacht im Ratssaal
An Weiberfastnacht wird’s im Ratssaal wieder bunt: Am Donnerstag, 12. Februar, lädt die Stadt Verl auch in diesem...
Neueste Artikel
- 11. Februar 2026
ADAC-Rettungshubschrauber fliegen knapp 49.000 Einsätze
Ob schwerer Unfall oder Herzinfarkt: Die Rettungshubschrauber des ADAC sind bei medizinischen Notfällen im Dauereinsatz.
- 10. Februar 2026
Zwei Jungen an Londoner Schule niedergestochen
Nach einer Messerattacke an einer Londoner Schule werden zwei Jungen notfallmäßig behandelt. Vieles ist noch unklar, die Anti-Terror-Polizei ermittelt.
Weitere Artikel derselben Kategorie
- 11. Februar 2026
ADAC-Rettungshubschrauber fliegen knapp 49.000 Einsätze
Ob schwerer Unfall oder Herzinfarkt: Die Rettungshubschrauber des ADAC sind bei medizinischen Notfällen im Dauereinsatz.
- 10. Februar 2026
Zwei Jungen an Londoner Schule niedergestochen
Nach einer Messerattacke an einer Londoner Schule werden zwei Jungen notfallmäßig behandelt. Vieles ist noch unklar, die Anti-Terror-Polizei ermittelt.

