2. August 2022 / Aus aller Welt

Knochenfunde belegen vielfältige Ernährung der Neandertaler

Neandertaler sind schon vielfach unterschätzt worden. Dass sie wegen ihres mangenden Intellekts und eingeschränkter Jagd-Fähigkeiten nicht überlebt haben, widerlegen nun neue Knochenfunde.

In einer Vitrine im Urgeschichtlichen Museum in Blaubeuren liegt der Knochen eines Schneehuhns unter einer Lupe. Neue Knochenfunde geben Einblick in den Speiseplan der Neandertaler vor rund ...
Veröffentlicht am 2. August 2022 um 14:11 Uhr von dpa

Neandertaler haben sich vielfältiger ernährt als lange angenommen. Zu ihrem Speiseplan zählten Forschern zufolge auch kleine Tiere wie Schneehühner und Hasen. Dies untermauern neue Knochenfunde aus der Höhle «Hohle Fels» auf der Schwäbischen Alb, die am Dienstag im Urgeschichtlichen Museum (Urmu) Blaubeuren vorgestellt wurden. Das seien die besten Belege für solche Jagdweisen für das mittlere Europa, wie das Museum und die Universität Tübingen am Dienstag mitteilten.

Bislang ging man davon aus, dass Neandertaler vor allem Großwild wie Rentiere, Wildpferde oder Wollnasshörner jagten, erklärte der wissenschaftliche Direktor des Museums im Alb-Donau-Kreis, Nicholas Conard. Die aufwendigere Jagd von kleinen und flinkeren Tiere wie Vögeln und Hasen traute man ihnen dagegen lange nicht zu.

Die nun vorgestellten Ausgrabungen sind den Angaben nach rund 65.000 Jahre alt und zeigen Schlachtspuren auf Vogelknochen, die von Neandertalern stammen müssen. «Die meisten Spuren sprechen dafür, dass Gelenke auseinandergebrochen und Fleisch vom Knochen gelöst wurde», sagte der Archäologe von der Abteilung Ältere Urgeschichte und Quartärökologie der Universität Tübingen.

Neandertaler nicht an Mangelernährung ausgestorben

Durch die Funde sei die These des Aussterbens der Neandertaler aufgrund ihrer Ernährung zumindest schwächer geworden, befand Conard. Die genauen Gründe für ihr Aussterben sind bis heute nicht gänzlich geklärt. Eine These besagt, dass die Vorfahren des modernen Menschen aufgrund ihrer mangelnden geistigen Fähigkeiten und ihres eingeschränkten Ernährungsplans ausgestorben seien. Diese Annahme müsse nun revidiert werden, sagte die Direktorin des Urmu, Stefanie Kölbl.

Den Forschern war es mithilfe neuer Grabungsmethoden erstmals gelungen, winzig kleine Vogelknochen aus den jahrtausendealten Bodenschichten in der Höhle bei Schelklingen freizulegen. Die Höhle «Hohle Fels» gehört zum Unesco-Biosphärengebiet Schwäbische Alb. Zu den bedeutendsten Funden aus der Höhle zählt die «Venus vom Hohle Fels» - eine der ältesten Darstellungen eines menschlichen Körpers.

Die Knochen aus der Zeit der Vorfahren des modernen Menschen sind als «Fund des Jahres» noch bis zum 12. September im Urmu in Blaubeuren zu sehen.


Bildnachweis: © Stefan Puchner/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Übersicht über aktuelle Baustellen im Stadtgebiet
Stadt Verl

Wann, wo und wie lange? Hier finden Sie Informationen über aktuelle Verkehrsbaustellen im Stadtgebiet. So können Sie...

weiterlesen...
Nächster Hobbymarkt am 5. September
Stadt Verl

Am Samstag, 5. September, ist in Kaunitz von 6 bis 14 Uhr wieder Hobbymarkt. Neben Zier- und Wirtschaftsgeflügel sind...

weiterlesen...
Auf die Pfoten, fertig, los: Hundeschwimmen am 20. September
Stadt Verl

Die Freibadsaison in Verl neigt sich langsam dem Ende zu: Noch bis Sonntag, 13. September, können Besucherinnen und...

weiterlesen...

Neueste Artikel

Zwei Anwohner des Frankfurter Flughafens an Malaria erkrankt
Aus aller Welt

Erneut erkranken Menschen in Frankfurt an Malaria. Das Gesundheitsamt geht davon aus, dass dies mit einer Mücke vom Flughafen zusammen hängt. Erst vor wenigen Wochen hatte es dort Fälle gegeben.

weiterlesen...
Sabotage legt Bahnverkehr in Teilen der Niederlande lahm
Aus aller Welt

Tausende von Bahnreisenden erleben in den Niederlanden eine böse Morgenüberraschung. Etliche Züge fallen aus. Unbekannte haben Rohre über Gleise gelegt. Der Regierungschef: Das war «lebensgefährlich».

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Zwei Anwohner des Frankfurter Flughafens an Malaria erkrankt
Aus aller Welt

Erneut erkranken Menschen in Frankfurt an Malaria. Das Gesundheitsamt geht davon aus, dass dies mit einer Mücke vom Flughafen zusammen hängt. Erst vor wenigen Wochen hatte es dort Fälle gegeben.

weiterlesen...
Sabotage legt Bahnverkehr in Teilen der Niederlande lahm
Aus aller Welt

Tausende von Bahnreisenden erleben in den Niederlanden eine böse Morgenüberraschung. Etliche Züge fallen aus. Unbekannte haben Rohre über Gleise gelegt. Der Regierungschef: Das war «lebensgefährlich».

weiterlesen...