1. Juli 2026 / Aus aller Welt

Behörden bringen nach Ausbruch bei Leipzig sechs Tiger weg

Im Mai brach ein Tiger aus einer privaten Haltung in Sachsen aus und wurde von der Polizei erschossen. Jetzt haben die Behörden sechs Tiere abtransportieren lassen. Was aus den Tigern wird.

Die Behörden transportierten sechs der acht Tiger ab.
Veröffentlicht am 1. Juli 2026 um 16:18 Uhr von dpa

Anderthalb Monate nach dem Ausbruch eines Tigers aus einer privaten Haltung bei Leipzig haben die Behörden sechs Tiere abtransportieren lassen. Sie wurden an eine Tierschutzorganisation übergeben und sollen in eine Auffangstation nach Spanien gebracht werden, wie das zuständige Landratsamt Nordsachsen mitteilte. Hintergrund seien Tierschutzbelange: Das Areal im Schkeuditzer Ortsteil Dölzig bei Leipzig sei für die Anzahl der Tiger zu klein gewesen.

Die Polizei und das nordsächsische Veterinäramt rückten am Morgen zu einem größeren Einsatz an. 25 Polizeikräfte sicherten das Gelände weiträumig ab, um eine Gefährdung der Bevölkerung auszuschließen. Vor Ort war zu sehen, dass mit einem Gabelstapler Transportboxen in verschiedene Fahrzeuge und Anhänger geladen wurden. 

Die Anlage in einem Gewerbegebiet nahe der Autobahn 9 gehört einer ehemaligen Zirkusartistin. Mitte Mai war dort ein ausgewachsener männlicher Tiger ausgebrochen. Ein 72 Jahre alter Helfer wurde dabei schwer verletzt. Das Tier wurde von der Polizei in der Nähe einer Kleingartenanlage erschossen.

Seit Jahren Streit um Haltungsbedingungen

Das Landratsamt lag bereits seit 2024 mit der Dompteurin im Streit. Sie sei wiederholt angewiesen worden, die Haltungsbedingungen zu verbessern. «Die komplexe Rechtslage, die gleichzeitig Aspekte des Tierwohls, des Artenschutzes und des Eigentums berührt, machte die Durchsetzung der Forderungen jedoch zu einem langwierigen Prozess», teilte das Landratsamt mit. Am 17. Mai kam es schließlich zu dem Ausbruch.

Die Behörden hatten von der Halterin verlangt, die Vorgaben eines sogenannten Säugetiergutachtens zu erfüllen. Demnach muss für ein bis zwei Tiger ein Außengehege von mindestens 200 Quadratmetern Fläche zur Verfügung stehen, für jedes weitere ausgewachsene Tier müssen es je 100 Quadratmeter mehr sein. Nach dem Abschuss des Tigers lebten in der Anlage nach Behördenangaben noch acht Tiere.

Zwei Tiger bleiben übrig

Ende Juni sei die Frist zur Umsetzung der Vorgaben ausgelaufen. Weil «die Anlage weiterhin nur einen angemessenen Platz für zwei Tiger bietet, wurden aus Gründen des Tierschutzes nun sechs der acht Tiere fortgenommen», teilte das Landratsamt mit. Die Tiger seien sediert und von mehreren Tierärzten untersucht worden, unter anderem um zu klären, dass sie transportfähig seien. 

Die Tiger seien an die Tierschutzorganisation Animal Advocacy and Protection (AAP) übergeben worden. Ein Tierarzt begleite die Fahrt nach Spanien. Tierschützer hatten die Artistin in der Vergangenheit immer wieder kritisiert.

Die Tiger-Halterin hatte nach dem Ausbruch erklärt, dass es ihr großes Ziel sei, die Tiere nicht zu verlieren. Die Staatsanwaltschaft ermittelt in dem Fall wegen fahrlässiger Körperverletzung durch Unterlassen.


Bildnachweis: © Heiko Rebsch/dpa
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