Angesichts stark steigender Corona-Infektionszahlen warnt die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) vor einer baldigen Überlastung von Intensivstationen. Es sei «nur eine Frage von Wochen, bis die Intensivstationen so stark ausgelastet sind und das Personal physisch und psychisch überlastet», teilte der Sprecher für Pflege in der DGIIN, Carsten Hermes, mit. Die Zahl täglich gemeldeter Neuinfektionen in Deutschland erreichte einen neuen Höchststand. Die Gesundheitsämter in Deutschland meldeten dem Robert Koch-Institut (RKI) binnen eines Tages 33.949 Corona-Neuinfektionen und damit 172 mehr als am 18. Dezember. Das geht aus Zahlen hervor, die den Stand des RKI-Dashboards von Donnerstag 03.50 Uhr wiedergeben. Vor einer Woche hatte der Wert bei 28.037 Ansteckungen gelegen. Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz lag demnach bei 154,5. Am Vortag hatte der Wert bei 146,6 gelegen, vor einer Woche bei 130,2. Deutschlandweit wurden den neuen Angaben zufolge binnen 24 Stunden 165 Todesfälle verzeichnet. Vor einer Woche waren es 126 Todesfälle. Das RKI zählte seit Beginn der Pandemie 4.672.368 nachgewiesene Infektionen mit Sars-CoV-2. Die tatsächliche Gesamtzahl dürfte deutlich höher liegen, da viele Infektionen nicht erkannt werden. Die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Corona-Patienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen - den für eine mögliche Verschärfung der Corona-Beschränkungen wichtigsten Parameter - gab das RKI am Mittwoch mit 3,62 an (Dienstag: 3,29). Bei dem Indikator muss berücksichtigt werden, dass Krankenhausaufnahmen teils mit Verzug gemeldet werden. Ein bundesweiter Schwellenwert, ab wann die Lage kritisch zu sehen ist, ist für die Hospitalisierungs-Inzidenz unter anderem wegen großer regionaler Unterschiede nicht vorgesehen. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit bei rund 15,5. Nach Einschätzung der Intensivmediziner wird die Zahl von stationär behandelten Covid-19-Patienten vermehrt unter jüngeren Menschen und insbesondere bei Ungeimpften zunehmen. Die entscheidende Kennzahl werde in den kommenden Wochen und Monaten weder die Sieben-Tage-Inzidenz noch die Zahl der Intensivbetten sein, «sondern die Gesamtauslastung der Kliniken und die verfügbaren Pflegefachkräfte», teilte DGIIN-Sprecher Tobias Ochmann mit. Schon vor Beginn der Pandemie sei das Personal auf den Intensivstationen laut DGIIN knapp berechnet und ein Pflegepersonalmangel absehbar gewesen. Den Angaben zufolge denkt etwa ein Drittel der Beschäftigten darüber nach, ihren Beruf in den kommenden zwölf Monaten aufzugeben. Die DGIIN befürchtet eine weitere Verschärfung des Problems, welche das gesamte Gesundheitssystem an seine Belastungsgrenze bringen werde: «Absehbar wird die kritische Personalstärke zur Aufrechterhaltung eines Regelbetriebs dauerhaft unterschritten werden.» Um dem entgegenzuwirken fordert die DGIIN unter anderem mehr Personal und verbesserte Arbeitsbedingungen. Gleichzeitig richten die Intensivmediziner einen Appell an die Bevölkerung: «Alle Infektionsrisiken müssen maximal minimiert und damit die Belegung der Intensivbetten geschont werden.» Dazu benötige es auch «schnelle Unterstützung und verbindliche Lösungen von Seiten der Politik». Nicht nur in Deutschland rasen die Zahlen in die Höhe. Europaweit befindet sich laut des zuständigen Regionalbüros der Weltgesundheitsorganisation WHO erneut im Zentrum der weltweiten Pandemie. "Wir befinden uns an einem weiteren kritischen Punkt des Wiederauflebens der Pandemie", sagte der Regionaldirektor der WHO Europa, Hans Kluge, auf einer online übertragenen Pressekonferenz. Das derzeitige Tempo der Virus-Übertragungen in den 53 Ländern der WHO-Region Europa sei sehr besorgniserregend. Es sei nicht die Zeit für Selbstgefälligkeit. Im Laufe der vergangenen vier Wochen habe Europa einen Anstieg der Neuinfektionszahlen um mehr als 55 Prozent gesehen, sagte Kluge. In der vergangenen Woche seien 59 Prozent aller weltweit nachgewiesenen Corona-Fälle und 48 Prozent aller damit in Verbindung stehenden Todesfälle auf die Region entfallen. Für die Zunahme gebe es zwei Gründe: unzureichende Impfzahlen sowie die Lockerung von Corona-Beschränkungen.165 Todesfälle binnen 24 Stunden
Mangel an Pflegepersonal
Schnelle Ausbreitung in Europa
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Gesundheitssystem: Intensivmediziner befürchten Überlastung
33.949 Corona-Neuinfektionen: Laut RKI erreicht Deutschland einen traurigen Höchststand. Eine Überlastung des Gesundheitssystems sei «nur eine Frage von Wochen», warnen nun Intensivmediziner.
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