Wie bei der Bekanntgabe des Nobelpreises für Physik am Vortag ist auch beim Chemie-Nobelpreis wieder ein Deutscher unter den Auserwählten. Warum es mit der Auszeichnung des Chemikers Benjamin List und dem in Schottland geborenen US-Forscher David W.C. MacMillan langsam Zeit wurde, erklärte Johan Åqvist vom zuständigen Nobelkomitee der Deutschen Presse-Agentur in Stockholm. Frage: Der Physik-Nobelpreis ging unter anderem an Klimamodellierer, womit er angesichts der Klimakrise topaktuell war. Inwiefern ist der diesjährige Nobelpreis in der Kategorie Chemie ebenfalls zeitgemäß? Antwort: Nun, ich weiß nicht, ob er so aktuell ist. Aber: Was ihn so großartig macht, ist, dass die diesjährigen Preisträger einen völlig neuen Weg zum Beschleunigen chemischer Reaktionen entdeckt haben. Wir haben damit nun einen dritten Eckpfeiler neben Enzymen - biologische Katalysatoren, die wir in unserem Körper haben - und metallbasierten Katalysatoren, die wir in unseren Autos haben. Das ist nun eine komplett neue dritte Kategorie, die auf kleinen, organischen Molekülen basiert, die verglichen mit den anderen sehr einfach sind. Fragen: Seit List und MacMillan ihre wissenschaftlichen Entdeckungen veröffentlicht haben, sind bereits einige Jahre vergangen. War es an der Zeit mit einer Auszeichnung der beiden? Antwort: Ja. Das Feld der Organokatalyse ist enorm gewachsen. Das Jahr 2000, als sie ihre Paper veröffentlichten, war dabei ein eindeutiger Wendepunkt. Es dauerte dann vermutlich ein paar Jahre, bevor die Leute realisierten, dass es sich um ein komplett neues Konzept handelte. Seitdem ist das Feld völlig explodiert. Deshalb ist es höchste Zeit dafür. Frage: Die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaft weist auch darauf hin, dass diese Erkenntnisse die Forschung an Arzneimitteln grüner gemacht haben. Inwiefern? Antwort: Da geht es hauptsächlich um den Vergleich zu Katalysatoren aus Metall. Diese basieren auf sehr teuren Metallen wie Platin und Palladium. Die sind ultrateuer, und die meisten Metalle sind nicht umweltfreundlich. Frage: Asymmetrische Organokatalyse ist nicht unbedingt ein Begriff, den jeder schon einmal gehört hat. Wofür ist sie rein praktisch gut? Antwort: Sie wird in der gesamten pharmazeutischen Forschung genutzt. Frage: Bei welchen Arzneimitteln zum Beispiel? Antwort: Zum Beispiel bei Oseltamivir, das zu den antiviralen Mitteln zählt, die gegen die Grippe oder jetzt gegen Covid und so weiter eingesetzt werden. ZUR PERSON: Johan Åqvist gehört dem für den Chemie-Nobelpreis zuständigen Nobelkomitee der Königlich-Schwedischen Akademie der Wissenschaften in Stockholm an. Er ist Professor am Institut für Zell- und Molekularbiologie an der Universität in Uppsala.
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Nobel-Experte: «Höchste Zeit» für Auszeichnungen
Asymmetrische Organokatalyse: Das klingt genauso kompliziert, wie es ist. Die diesjährigen Chemie-Nobelpreisträger haben damit jedoch einen Ansatz entwickelt, der von enormer Bedeutung ist.
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