25. Februar 2022 / Aus aller Welt

Zahl der Verkehrstoten sinkt in Pandemie auf Tiefstand

Weniger Verkehr auf den Straßen - weniger schwere Unfälle: Das verzeichnet auch die Statistik für 2021. Beim Thema Verkehrssicherheit bleibe dennoch viel zu tun, mahnen Experten.

Gedenken an ein Opfer eines Verkehrsunfalls an einer Landstraße im Landkreis Hildesheim.

Als eine positive Folge der Corona-Pandemie sind im vergangenen Jahr in Deutschland so wenige Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.

Nach vorläufigen Zahlen gab es 2569 Todesopfer, sechs Prozent weniger als im Vorjahr, wie das Statistische Bundesamt am Freitag in Wiesbaden mitteilte. Hauptgrund war der wegen Lockdowns sowie Homeoffice und Homeschooling zurückgegangene Verkehr.

Verkehrsteilnahme nicht sicherer

Schon 2020 war deshalb mit 2719 Toten ein Tiefstand erreicht worden. Der Rückgang von 2021 zu 2019, dem Jahr vor Corona, beträgt den Angaben zufolge 16 Prozent. Damals gab es noch 3046 Tote. Experten befürchten, dass dieser Stand bei einem Abflauen der Pandemie wieder erreicht wird, da die Verkehrsteilnahme nicht sicherer geworden sei. Das Jahr 2021 war im Gegensatz zum Vorjahr ganz von der Corona-Pandemie geprägt, dies erklärt den erneuten Rückgang der Zahlen.

2021 gab es auf den Straßen auch zwei Prozent weniger Verletzte. Hier sank die Gesamtzahl auf rund 321.000 Personen. Insgesamt nahm die Polizei rund 2,3 Millionen Unfälle auf, drei Prozent mehr als 2020. Bei 2,1 Millionen davon blieb es bei Sachschäden (plus vier Prozent). Die Zahl der Unfälle, bei denen Menschen verletzt oder getötet wurden, ging dagegen um zwei Prozent auf rund 258.000 zurück.

Fast alle Verkehrsarten profitierten, wie detaillierte Ergebnisse von Januar bis November zeigen. Den größten Rückgang gab es mit 18 Prozent bei Fahrradfahrerinnen und Fahrradfahrern, die ohne Hilfsmotor unterwegs sind. Es folgen Fußgänger mit 14 Prozent. Auch die Zahl getöteter Pedelec-Fahrerinnen und -Fahrer nahm im Gegensatz zum Vorjahr ab, und zwar um neun Prozent. Bei den Autoinsassen verzeichnet die Statistik sechs Prozent weniger Todesopfer. Einen Anstieg um 18 Prozent gab es dagegen bei getöteten Insassen von Güterkraftfahrzeugen wie Lastwagen und Sattelzugmaschinen.

Effekt der Pandemie

Die zurückgegangenen Zahlen seien ausschließlich ein Effekt der Pandemie, sagte Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer. Dass es weniger Todesopfer unter Radfahrern und Fußgängern gab, liege daran, dass weniger Autos unterwegs gewesen seien - die Hauptunfallgegner. Zudem habe es vor allem im ersten Halbjahr 2021 praktisch keine Urlaubsfahrten mit dem Auto gegeben. Lastwagen dagegen seien weiter unterwegs gewesen.

«Sobald der Corona-Effekt nachlässt, kommen wir auch wieder zu den alten Unfallzahlen», sagte Brockmann. Was die Ampel-Koalition dagegen unternehmen wolle, sei größtenteils unklar. Neue Probleme sieht der Experte bei einer Cannabis-Freigabe. Hier seien die Folgen für die Verkehrssicherheit noch ungeklärt.

Keine Entwarnung für Radverkehr

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) sieht ebenfalls keinen Grund zur Entwarnung. «Bei der Verkehrssicherheit für Radfahrende hat sich 2021 nichts Gravierendes verbessert», erklärte Bundesgeschäftsführerin Ann-Kathrin Schneider. Schlechte, nicht durchgängige Radwege, gefährliche Kreuzungen ohne getrennte Ampelschaltungen, Einmündungen ohne Sichtachsen und der oft zu schnelle Autoverkehr stellten erhebliche Gefahren dar.

Der ADFC forderte Druck beim Ausbau der Radwegenetze, Tempo 30 als Standard innerorts und eine große Reform des Straßenverkehrsgesetzes, um tödliche Unfälle ganz zu verhindern. Es dürfe nicht gefährlich sein, das klimafreundlichste Verkehrsmittel zu benutzen.

«Um eine Rückkehr zum Unfallniveau vor Corona zu verhindern und die Zahl der Verkehrstoten auf null zu senken, bedarf es nachhaltiger Maßnahmen», forderte auch der TÜV-Verband. Schwächere Verkehrsteilnehmer wie Fußgänger und Radfahrer seien nach wie vor stark gefährdet und müssten sowohl in städtischen als auch in ländlichen Gebieten besser geschützt werden.


Bildnachweis: © Julian Stratenschulte/dpa
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