28. Oktober 2022 / Aus aller Welt

Sommer im Herbst - Oktober endet mit milden Sonnentagen

Bis zu 27 Grad - und das Ende Oktober. Dafür sorgt in diesem Jahr ein seltenes, aber nicht unbekanntes Wetter-Phänomen.

Mit dem Kajak über den Trepliner See in Brandenburg: Am Ufer leuchtet der Wald in den schönsten Herbstfarben.

Das letzte Oktoberwochenende beschert Deutschland noch einmal richtig sommerliche Temperaturen. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Offenbach kennt die Hintergründe dieses ungewöhnlichen Wetter-Phänomens.

Wie warm wird es denn überhaupt in den kommenden Tagen noch?

Der DWD rechnet mit Temperaturen von bis zu 27 Grad. Die höchsten Werte werden in Baden-Württemberg, am Alpenrand und am Nordrand der Mittelgebirge erwartet. Nur in den Flusstälern halten sich Nebel- und Hochnebelfelder teilweise bis zum Mittag. Dort liegen die Temperaturen dann unter 20 Grad.

27 Grad - sind das dann «echte» Sommertage im Herbst?

Ja, zumindest für Meteorologen. Denn die Wissenschaftler sprechen von einem Sommertag, sobald die Temperaturen die 25-Grad-Marke übersteigen.

Wie kommt es denn zu dem aktuellen Wetter-Phänomen?

Ursache sind das Hochdruckgebiet «Zacharias» über Osteuropa und das Tiefdruckgebiet «Iris» über dem Nordatlantik. Sie sorgen derzeit dafür, dass eine für die Jahreszeit ungewöhnlich warme Luftmasse über Spanien und Frankreich nach Deutschland zieht.

Wie oft kommt so eine Konstellation vor?

«Das gibt es immer wieder», sagt DWD-Meteorologe Marcel Schmid. Allerdings liege Deutschland dieses Mal exakt in der Mitte dieses Zustroms warmer Luft und bekomme damit die meiste ab.

Ist das eine Folge des Klimawandels?

«Man kann ein einzelnes Ereignis nie mit dem Klimawandel begründen. Was wir gerade erleben, ist vordergründig das Ergebnis der Großwetterlage», sagt DWD-Pressesprecher Andreas Friedrich. Es gebe allerdings eine auffällige Häufung: Die wärmsten Oktober seit 1881 fallen zumeist alle in das 21. Jahrhundert und damit in die letzten Jahrzehnte. «Das ist dann ganz eindeutig das Ergebnis der Klimaerwärmung», sagt Friedrich.

Wird der Temperatur-Rekord für den Oktober noch geknackt?

«Dieser Wert wird aller Voraussicht nach dann doch verfehlt», sagt Schmid. Denn: Die höchste in Deutschland im letzten Drittel des Oktobers je gemessene Temperatur liegt bei 28,6 Grad. Sie wurde am 26. Oktober 2006 in Emmendingen-Mundingen (Baden-Württemberg) erreicht. Im Jahr 2009 wurden in Müllheim in Baden sogar schon einmal 30,9 Grad gemessen - das war allerdings an einem 7. Oktober und damit zum Monatsanfang.

In diesem Jahr gab es im Oktober schon einige sonnige Tage. Wo war es bislang am wärmsten?

In Bernburg an der Saale am 17. Oktober mit 26,8 Grad Celsius (Stand: 27. Oktober). Die ausführliche Monatsbilanz veröffentlicht der DWD am Montag.

Wie geht es ab nächster Woche weiter?

Bis zum Sonntag erwarten die Meteorologen «landesweit ideales Wetter für einen Nachmittag im Biergarten oder einen Grillabend mit Freunden». Ab Montag ändert sich das dann etwas. Dann gehen die Höchstwerte ein wenig zurück. «Mit Temperaturen von 16 bis 21 Grad ist es allerdings weiterhin deutlich zu mild für die Jahreszeit», sagt Schmid.

Und langfristig? Wie wird der November? Und vor allem: Wie wird der Winter?

Die Vier-Wochen-Prognose deutet laut Friedrich darauf hin, dass es auch im November zunächst weiter deutlich zu warm bleibt. Zur Monatsmitte wird es dann allerdings etwas kühler - auch, weil die Nächte immer länger werden. Der Jahreszeitentrend des DWD sagt im Vergleich zu den vergangenen 30 Jahren dann einen 0,5 bis 1 Grad wärmeren Winter voraus. Allerdings sind solche Langzeitprognosen mit einer Trefferquote von 60 bis 65 Prozent vergleichsweise unsicher. Für Energieversorger oder auch die Getränke-Industrie sind sie allerdings eine wichtige Entscheidungshilfe.

Hat der milde Oktober wirtschaftliche Auswirkungen?

Deutschlands Haushalte und kleinere Firmen haben in der vergangenen Woche deutlich weniger Erdgas verbraucht als in den Vorjahren. In der Kalenderwoche 42 betrug der durchschnittliche Gasverbrauch pro Tag nach Angaben der Bundesnetzagentur in Bonn 549 Gigawattstunden (GWh). Das sind gut 41 Prozent weniger als der Tagesdurchschnitt in den gleichen Kalenderwochen der Jahre 2018 bis 2021 (935 GWh).


Bildnachweis: © Patrick Pleul/dpa
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