17. Juli 2024 / Aus aller Welt

Studie: Wunsch und Wirklichkeit bei Kinderbetreuung zu zweit

Viele Eltern streben laut einer Untersuchung eine progressive Aufteilung von Arbeit und Kindererziehung an. Doch in der Realität fallen viele in alte Rollenmodelle zurück. Warum?

Viele Familien wünschen sich laut einer Studie eine gleichberechtigtere Aufteilung von Arbeit und Kinderbetreuung. (Illustration)
Veröffentlicht am 17. Juli 2024 um 10:32 Uhr von dpa

 

Wiesbaden/Berlin (dpa) - Bei der Aufteilung von Kinderbetreuung und Hausarbeit in Partnerschaften klaffen laut einer Studie Wunsch und Wirklichkeit teils weit auseinander. Das zeigt eine Untersuchung des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) in Berlin. Grundlage war das Familiendemografische Panel «FReDa» (2021) mit 30.000 Befragten in Deutschland im Alter zwischen 18 und 49 Jahren.

Demnach würden deutlich mehr Frauen und Männer ein Modell bevorzugen, bei dem beide Elternteile etwa 30 Stunden pro Woche arbeiten. Auch ein Modell, bei dem beide einen Vollzeitjob haben, «wird häufiger als ideal erachtet, als es gelebt wird», hieß es. Umgekehrt verhält es sich bei Aufteilungen, bei denen der Vater voll erwerbstätig ist und die Mutter gar nicht oder höchstens in Teilzeit. «Diese beiden Erwerbskonstellationen werden deutlich seltener als ideal angesehen, als sie in der Realität vorkommen», erklärte Mitautorin Elena Ziege. BiB-Direktorin C. Katharina Spieß ergänzte: «Die Einstellungen zur Arbeitsteilung bei Paaren mit Kindern weichen immer noch stark von der gelebten Wirklichkeit ab.»

Unterschiede zwischen Ost und West

Dabei gibt es laut Studie in Ostdeutschland mehr Zustimmung für gleich verteilte Arbeitszeiten. Vor allem eine Vollzeiterwerbstätigkeit beider Elternteile wird hier mit je nach Alter des Kindes bis zu 62 Prozent deutlich häufiger befürwortet als im Westen mit bis zu 38 Prozent. Zwar setzen erheblich weniger Eltern dieses Modell letztlich um, mit bis zu 43 Prozent in Ostdeutschland aber mehr als im Westen mit maximal 16 Prozent. 

Das Modell mit jeweils 30 wöchentlichen Arbeitsstunden von Vater und Mutter sehen im Osten der Studie zufolge bis zu 30 Prozent als ideal an - und im Westen bis zu 27 Prozent. In Wirklichkeit spielt es in beiden Landesteilen mit einem Anteil von höchstens sechs Prozent an allen Jobaufteilungen in Partnerschaften aber kaum eine Rolle.

Einfluss von Ehegattensplitting und Minijobs

Ein wichtiger Grund für die Abweichung von einer gleichberechtigten Aufteilung von Arbeit und Kinderbetreuung ist laut Katharina Wrohlich vom DIW das Zusammenspiel von steuerlichem Ehegattensplitting, Minijobs und beitragsfreien Mitversicherungen in der gesetzlichen Krankenversicherung. Hinzu komme der tendenzielle Verdienstunterschied zwischen Frauen und Männern. All das macht nach den Angaben ein «Zuverdienermodell», bei dem der Mann in Vollzeit arbeitet und die Frau einen Minijob hat, beim Nettoeinkommen pro Arbeitsstunde finanziell am attraktivsten. 

Neben einer Reform des derzeit in Politik wieder diskutierten Ehegattensplittings und einer weitgehenden Abschaffung von Minijobs müssten laut BiB-Direktorin Spieß vor allem mehr Kitaplätze geschaffen und der Ausbau der Ganztagsgrundschulen beschleunigt werden.


Bildnachweis: © Robert Michael/dpa
Copyright 2024, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Übersicht über aktuelle Baustellen im Stadtgebiet
Stadt Verl

Wann, wo und wie lange? Hier finden Sie Informationen über aktuelle Verkehrsbaustellen im Stadtgebiet. So können Sie...

weiterlesen...
Nächster Hobbymarkt am 10. Oktober
Stadt Verl

Der erste Samstag im Monat gehört traditionell dem Hobbymarkt. Im Oktober fällt dieser Termin allerdings auf einen...

weiterlesen...
Gartenabfallannahme: Zusätzliche Zeiten und kostenlose Laubabgabe
Stadt Verl

Herbstzeit ist Laubzeit: Wenn sich die Blätter in den Gärten und auf den Grundstücken sammeln, bietet die Stadt Verl...

weiterlesen...

Neueste Artikel

Feuer in Kalifornien zerstört Häuser - Tausende flüchten
Aus aller Welt

Brände in Südkalifornien schlagen Anwohner in die Flucht. Die Flammen greifen schnell um sich, dazu tragen auch starke Winde bei. Erinnerungen an verheerende Feuer im vergangenen Jahr werden wach.

weiterlesen...
Messerangriff im Seniorenheim: Verdächtiger saß im Rollstuhl
Aus aller Welt

Ein 72-jähriger Bewohner soll in einem Seniorenheim im Münsterland mehrere Frauen mit einem Messer angegriffen haben. Eine starb. Die Ermittler versuchen, Antworten zu finden.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Feuer in Kalifornien zerstört Häuser - Tausende flüchten
Aus aller Welt

Brände in Südkalifornien schlagen Anwohner in die Flucht. Die Flammen greifen schnell um sich, dazu tragen auch starke Winde bei. Erinnerungen an verheerende Feuer im vergangenen Jahr werden wach.

weiterlesen...
Messerangriff im Seniorenheim: Verdächtiger saß im Rollstuhl
Aus aller Welt

Ein 72-jähriger Bewohner soll in einem Seniorenheim im Münsterland mehrere Frauen mit einem Messer angegriffen haben. Eine starb. Die Ermittler versuchen, Antworten zu finden.

weiterlesen...