20. November 2023 / Aus aller Welt

UN warnt vor immer schnellerer Erderwärmung

Diese Rekorde will niemand: Einem UN-Bericht zufolge hat der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase in vergangenen Jahr einen Höchststand erreicht. Die Entwicklung gefährdet die Pariser Klimaziele.

UNEP-Chefin Inger Andersen: «Die Menschheit bricht alle falschen Rekorde.»
Veröffentlicht am 20. November 2023 um 18:00 Uhr von Eva Krafczyk, dpa

Der Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase hat 2022 einen Rekord erreicht. Einem am Montag veröffentlichten Bericht des UN-Umweltprogramms (UNEP) zufolge stiegen die weltweiten Treibhausgasemissionen von 2021 bis 2022 um 1,2 Prozent auf 57,4 Gigatonnen Kohlendioxidäquivalent.

Angesichts der Entwicklung reichen die bislang gemachten Zusagen zum Pariser Klimaabkommen dem Bericht zufolge nicht länger aus. Auch wenn sie eingehalten würden, steuere die Welt in diesem Jahrhundert auf einen Temperaturanstieg zwischen 2,5 bis 2,9 Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu, hieß es.

Klimaziele in Gefahr

Angesichts dieser Entwicklung forderte UNEP-Chefin Inger Andersen zwei Wochen vor der Weltklimakonferenz COP 28 größere Anstrengungen vor allem der Industriestaaten. «Die Menschheit bricht alle falschen Rekorde, wenn es um den Klimawandel geht», sagte Andersen bei der Vorstellung des UNEP-Berichts über die sogenannten Emissionslücken. Dabei geht es um die Differenz zwischen dem für die Klimaziele rechnerisch erlaubten und dem tatsächlichen Ausstoß von CO2 und anderen vergleichbaren Treibhausgasen.

Die Staatengemeinschaft hat 2015 im Pariser Klimaabkommen vereinbart, die Erderwärmung auf 1,5 oder 2 Grad Celsius zu beschränken, um die katastrophalsten Folgen des Klimawandels abzuwenden. Dafür darf nur noch eine begrenzte Menge klimaschädlicher Treibhausgase wie Kohlendioxid (CO2) in die Erdatmosphäre gelangen. Diese werden zum größten Teil bei der Verbrennung der Brennstoffe Öl, Erdgas und Kohle freigesetzt. Experten halten die bislang geplanten Maßnahmen der Staaten jedoch längst nicht für ambitioniert genug.

Die Möglichkeit, die Ziele des Pariser Abkommens doch noch zu erreichen, hänge wesentlich von verstärkten Maßnahmen noch in diesem Jahrzehnt ab, betonte die UNEP-Chefin. Die für 2030 prognostizierten Emissionen müssten um mindestens 28 bis 42 Prozent im Vergleich zu den derzeit geplanten Szenarien verringert werden, um die vereinbarten Ziele von 2 beziehungsweise 1,5 Grad zu erreichen.

UN-Generalsekretär will «Explosion der Ambitionen»

UN-Generalsekretär António Guterres sprach in New York angesichts des Berichts zur Erderwärmung von einem «Betrug an den verwundbaren Staaten». Insbesondere die Führungen der entwickelten Staaten müssten auf der bevorstehenden Klimakonferenz ihr Engagement gegen die Erderwärmung drastisch verstärken, mahnte er. Er forderte eine «Explosion der Ambitionen.»

Dies sei auch angesichts der bereits jetzt festgestellten Erderwärmung nötig. Im September diesen Jahres lagen die Temperaturen nach Angaben von UNEP-Chefin Andersen weltweit um durchschnittlich 1,8 Grad Celsius über denen der vorindustriellen Zeit. Es sei so gut wie sicher, dass das Jahr 2023 das wärmste bisher gemessene Jahr sein werde.

Erst vor wenigen Wochen hatte Andersen auf die Finanzierungslücken bei Anpassungsmaßnahmen an den Klimawandel vor allem im globalen Süden hingewiesen. Der neue Bericht mahnte einmal mehr die Verantwortung der Industrienationen an, die einen besonders hohen Anteil bei dem Anstieg der Emissionen haben.

Globale Zusammenarbeit gefordert

«Wir sind beim Superlativ der Dringlichkeit angekommen», kommentierte WWF-Klimachefin Viviane Raddatz den UN-Bericht. Spätestens auf der Klimakonferenz in Dubai müssten die Warnungen sich endlich in Ergebnissen niederschlagen. «Die Staatengemeinschaft scheint vor lauter Warnschildern die Warnung nicht mehr zu sehen: Ohne schnelle Emissionsminderung - auch über den Ausstieg aus allen Fossilen - wird es nicht gelingen, die Erderhitzung auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen.»

«Kein Staat allein kann die Klimakrise lösen, sie zwingt zu globaler Zusammenarbeit», betonte die Welthungerhilfe. Dazu zähle auch, dass die Industriestaaten ihre bereits 2015 versprochenen 100 Milliarden Dollar an jährlicher Klimafinanzierung bis 2025 bereitstellten.

Der Anteil der Reichen an der Erderwärmung

Ein ebenfalls am Montag vorgestellter Bericht der Entwicklungsorganisation Oxfam verdeutlicht zusätzlich die Ungleichheit bei der Verursachung der Erderwärmung: Das reichste Prozent der Weltbevölkerung verursachte 2019 so viele klimaschädliche Treibhausgase wie die fünf Milliarden Menschen, die die ärmeren zwei Drittel ausmachen, hieß es in dem Bericht. Der Treibhausgasausstoß der Menschen mit dem privaten Einkommen und Vermögen steige. Ursache seien unter anderem häufigere Flugreisen, größere Häuser sowie insgesamt mehr klimaschädlicher Konsum - im Extremfall in Form von Luxusvillen, Megajachten und Privatjets.

Die reichsten zehn Prozent der Weltbevölkerung waren dem Bericht zufolge 2019 für rund die Hälfte der weltweiten Treibhausgasemissionen verantwortlich. Zu diesen zehn Prozent gehören rund 53 Prozent der Deutschen.


Bildnachweis: © James Wakibia/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Übersicht über aktuelle Baustellen im Stadtgebiet
Stadt Verl

Wann, wo und wie lange? Hier finden Sie Informationen über aktuelle Verkehrsbaustellen im Stadtgebiet. So können Sie...

weiterlesen...
Nächster Hobbymarkt am 4. Juli
Stadt Verl

Am Samstag, 4. Juli, ist in Kaunitz von 6 bis 14 Uhr wieder Hobbymarkt. Neben Zier- und Wirtschaftsgeflügel sind...

weiterlesen...
Informationen und Neuigkeiten zum Verler Freibad
Stadt Verl

Die Verler Freibad-Saison hat am 30. April begonnen. Alle Informationen zu Öffnungszeiten, Eintrittspreisen sowie...

weiterlesen...

Neueste Artikel

JD und Usha Vance verkünden die Geburt ihres vierten Kindes
Aus aller Welt

Drei Kinder hatte das Ehepaar Vance schon, nun begrüßt die Familie ihr jüngstes Mitglied.

weiterlesen...
Unbekannter attackiert Festbesucher – acht Verletzte
Aus aller Welt

Blutige Nacht bei einem Dorffest: Ein Unbekannter verletzt mehrere Menschen, darunter einen 16-Jährigen. Der Täter kann in der Menge verschwinden - die Fahndung läuft.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

JD und Usha Vance verkünden die Geburt ihres vierten Kindes
Aus aller Welt

Drei Kinder hatte das Ehepaar Vance schon, nun begrüßt die Familie ihr jüngstes Mitglied.

weiterlesen...
Unbekannter attackiert Festbesucher – acht Verletzte
Aus aller Welt

Blutige Nacht bei einem Dorffest: Ein Unbekannter verletzt mehrere Menschen, darunter einen 16-Jährigen. Der Täter kann in der Menge verschwinden - die Fahndung läuft.

weiterlesen...