26. Dezember 2021 / Aus aller Welt

Zukunftsforscher: Die Deutschen wollen Optimisten bleiben

Bald zwei Jahre Pandemie, doch mehr als die Hälfte der Deutschen bleibt laut einer Umfrage optimistisch. Statt «Wir schaffen das» sagten sich die Menschen: «Wir wollen es», analysiert Zukunftsforscher Opaschowski.

Horst Opaschowski - trotz aller Sorgen, der Optimismus überwiegt.
Veröffentlicht am 26. Dezember 2021 um 18:45 Uhr von dpa

Auch in der andauernden Corona-Pandemie wollen sich die Deutschen ihren Optimismus bewahren.

So interpretiert der Hamburger Zukunftsforscher Horst Opaschowski (80) die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage, wonach 53 Prozent der Befragten dem kommenden Jahr mit großer Zuversicht entgegensehen. Vor einem Jahr hatten sich 56 Prozent mit Blick auf 2021 so geäußert.

Ost-West-Unterschiede

Unter den Ostdeutschen ist der Optimismus geringer verbreitet. Nur 50 Prozent erwarten bessere Zeiten, gegen 54 Prozent bei den Westdeutschen. Und nicht alle Ostdeutschen trauen ihrem eigenen Optimismus: Lediglich 43 Prozent von ihnen stimmten der Aussage zu, dass das kommende Jahr besser als das zu Ende gehende werde. Bei den Westdeutschen teilen 57 Prozent diese Ansicht.

Auch hinsichtlich der neuen Bundesregierung sind die Erwartungen der Ostdeutschen deutlich geringer als die der Westdeutschen. «Ich setze große Hoffnungen auf die neue Regierung» - dieser Aussage wollten nur 39 Prozent der Menschen in den östlichen Bundesländern zustimmen. Im Westen Deutschland sehen 55 Prozent die neue Regierung unter Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hoffnungsfroh. Die Umfrage führte Opaschowski Mitte November in Kooperation mit dem Meinungsforschungsinstitut Ipsos durch.

Zuversicht in der «Generation Mitte»

Erst Anfang Dezember hatte das Institut für Demoskopie Allensbach eine Studie vorgestellt, nach der die «Generation Mitte» ihre Zuversicht langsam wieder zurückgewonnen habe. 37 Prozent der befragten 30- bis 59-Jährigen gaben in der Umfrage im Auftrag des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) an, wieder mit Optimismus in die Zukunft zu schauen. Das sei zwar weit entfernt vom Niveau vor der Corona-Pandemie, aber doch deutlich mehr als im vergangenen Jahr mit 22 Prozent, hieß es.

«Im Unterschied zum Merkel-Ausspruch 'Wir schaffen das' ist im Moment die Einstellung der Deutschen: 'Wir wollen das'», sagte Opaschowski. Diese Lebenshaltung verdränge den Pessimismus. Gleichwohl blickten die Menschen nicht ohne Sorgen in die Zukunft. Die Kluft zwischen Arm und Reich werde größer, befürchten 85 Prozent. 2019, vor der Corona-Pandemie, hatten sich nur 60 Prozent der Befragten so geäußert. 80 Prozent glauben, dass es immer weniger bezahlbaren Wohnraum geben werde. 2019 meinten das nur 46 Prozent.

Immer wenn sich die Augen auf die Gesamtgesellschaft richteten, sähen die Menschen Probleme. Die meisten hätten diese Sorgen, wahrscheinlich ohne davon selbst betroffen zu sein, vermutete Opaschowski.

Ein neuer Generationenvertrag

Eine deutliche Mehrheit von 70 Prozent ist laut der Umfrage bereit, vorübergehend Einschränkungen hinzunehmen, wenn dadurch die Zukunft der kommenden Generation sicherer wird. Es werde ein neuer Generationenvertrag gewünscht, sagte Opaschowski zur Interpretation dieses Umfragewerts. Er bedeute: «Wir wollen mehr zusammenhalten, und wir sind auch bereit, dafür Opfer zu bringen.»

Bei der Bekämpfung des Klimawandels sollte die Regierung die Bürger beim Wort nehmen. Es dürfe aber nicht nebulös etwas in den Raum geworfen werden, sondern die Regierung müsse einen konkreten Stufenplan vorlegen. Die Mittel zur Erreichung des Ziels müssten verhältnismäßig sein. So könne die Mobilität nicht auf Dauer eingeschränkt werden. Sie sei ein menschliches Grundbedürfnis und ein Grundrecht. «Die Reiselust ist die populärste Form von Glück», meinte Opaschowski.


Bildnachweis: © Daniel Bockwoldt/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Übersicht über aktuelle Baustellen im Stadtgebiet
Stadt Verl

Wann, wo und wie lange? Hier finden Sie Informationen über aktuelle Verkehrsbaustellen im Stadtgebiet. So können Sie...

weiterlesen...
Nächster Hobbymarkt am 10. Oktober
Stadt Verl

Der erste Samstag im Monat gehört traditionell dem Hobbymarkt. Im Oktober fällt dieser Termin allerdings auf einen...

weiterlesen...
Gartenabfallannahme: Zusätzliche Zeiten und kostenlose Laubabgabe
Stadt Verl

Herbstzeit ist Laubzeit: Wenn sich die Blätter in den Gärten und auf den Grundstücken sammeln, bietet die Stadt Verl...

weiterlesen...

Neueste Artikel

Feuer in Kalifornien zerstört Häuser - Tausende flüchten
Aus aller Welt

Brände in Südkalifornien schlagen Anwohner in die Flucht. Die Flammen greifen schnell um sich, dazu tragen auch starke Winde bei. Erinnerungen an verheerende Feuer im vergangenen Jahr werden wach.

weiterlesen...
Messerangriff im Seniorenheim: Verdächtiger saß im Rollstuhl
Aus aller Welt

Ein 72-jähriger Bewohner soll in einem Seniorenheim im Münsterland mehrere Frauen mit einem Messer angegriffen haben. Eine starb. Die Ermittler versuchen, Antworten zu finden.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Feuer in Kalifornien zerstört Häuser - Tausende flüchten
Aus aller Welt

Brände in Südkalifornien schlagen Anwohner in die Flucht. Die Flammen greifen schnell um sich, dazu tragen auch starke Winde bei. Erinnerungen an verheerende Feuer im vergangenen Jahr werden wach.

weiterlesen...
Messerangriff im Seniorenheim: Verdächtiger saß im Rollstuhl
Aus aller Welt

Ein 72-jähriger Bewohner soll in einem Seniorenheim im Münsterland mehrere Frauen mit einem Messer angegriffen haben. Eine starb. Die Ermittler versuchen, Antworten zu finden.

weiterlesen...