19. Juli 2024 / Kreis Gütersloh

Die Afrikanische Schweinepest und der Faktor Mensch

Gütersloh. Es kommt auf uns alle an. „Der Faktor Mensch spielt bei der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest...

Veröffentlicht am 19. Juli 2024 um 11:36 Uhr von Beate Behlert

Gütersloh. Es kommt auf uns alle an. „Der Faktor Mensch spielt bei der Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest eine nicht unerhebliche Rolle“, sagt Jakob Decker, Leiter der Abteilung Veterinärwesen und Lebensmittelüberwachung beim Kreis Gütersloh. Das Virus ist sehr widerstandsfähig gegenüber Umwelteinflüssen und bleibt sehr lange ansteckungsfähig (zum Beispiel vier Jahre im tiefgefrorenen Fleisch).

Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine virusbedingte, anzeigepflichtige Tierseuche, die Haus- und Wildschweine betrifft und für die infizierten Tiere meistens tödlich endet. Für andere Haus- und Nutztierarten sowie für den Menschen ist das ASP-Virus ungefährlich. Dessen Ausbreitung verursacht aber erhebliche Tierverluste und führt so zu finanziellen Einbußen. „Ist die Seuche erst da, so kommen mit Sicherheit  Handelsverbote und Keulungen auf uns zu. Diese Seuchenbekämpfungsmaßnahmen bringen eine wirtschaftliche Katastrophe für die Landwirtschaft und die Fleischverarbeitung mit sich“, weiß Decker. Und: „Einen Impfstoff gegen die ASP gibt es derzeit nicht!“

 

Die Seuche rückt näher | 43 Fälle in Hessen und Rheinland-Pfalz

Mitte Juni dieses Jahres wurde die Krankheit bei einem Wildschwein in Hessen und Anfang Juli in Rheinland-Pfalz festgestellt. Mittlerweile gibt es insgesamt (Stand 19. Juli) 43 bestätigte Fälle bei Wildschweinen. Ein kleiner Hausschweinbestand in Hessen wurde auch von der Krankheit erfasst und musste gekeult werden. Aktuell besteht ein Verdacht für einen Hausschwein-Bestand mit über 1.100 Tieren. In Rheinland-Pfalz sind zwei Kreise mit fünf bestätigten Fällen betroffen. In den jeweiligen Gebieten wurden entsprechende Restriktionszonen eingerichtet, in denen aktiv durch ausgebildetes Personal, auch mit Drohnen und speziell ausgebildeten Spürhunden, nach Wildschweinkadavern gesucht wird.

 

Pausenbrot als Krankheitsüberträger

Die Krankheit verbreitet sich vor allem durch direkten Kontakt mit infizierten Tieren oder Tierkadavern, aber auch indirekt beispielsweise über Fahrzeuge, Kleidung, Jagdausrüstung, Arbeitsgeräte, Futter und Speiseabfälle. Hier kommt der Mensch erneut ins Spiel: Durch den Transport von infiziertem Schweine- oder Wildschweinefleisch oder Fleischprodukten (wie Rohwurst oder Schinken) kann das Virus über große Entfernungen verbracht werden. Reisende, die aus ASP-Gebieten zurückkehren und Fleischprodukte mitbringen, können das Virus auch unbewusst mitbringen. Ein am Rastplatz unachtsam weggeworfenes Pausenbrot, zum Beispiel mit Rohwurstscheibe, kann ausreichen um die Infektion bei Wildschweinen auszulösen.

Jägerschaft ist besonders gefordert

Als Risikofaktor für die Verbreitung der Krankheit gilt neben Verbreitung durch den Menschen und Einbringung in die Mastbetriebe auch eine hohe Wildschweindichte. Deshalb rufen Kreisjägerschaft, Landwirtschaftskammer und Kreis Gütersloh seit Jahren dazu auf, die Jagd auf das Schwarzwild zu intensivieren. Die entsprechende Achtsamkeit ist auch bei der Jagdausübung auf Schwarzwild geboten: Trophäen und Produkte von Wildschweinen aus betroffenen Regionen können ein Risiko darstellen. Im Rahmen des bundesweit gültigen Monitorings sollen Blutproben von erlegten Wildschweinen entnommen und auf ASP (kostenneutral) untersucht werden. Bei Wildschweinen, die erkennbare krankhafte Auffälligkeiten zeigen, ist diese Untersuchung verpflichtend. Außerdem müssen alle Fallwildfunde von Schwarzwild ohne erkennbare Todesursache gemeldet und auf ASP untersucht werden.

 

Nur durch die Kombination der zahlreichen Maßnahmen zur Verhinderung der ASP- Ausbreitung und Zusammenarbeit aller beteiligten Akteure kann die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest effektiv verhindert werden.

 

Oberstes Gebot: Biosicherheit

In der Landwirtschaft gilt: Strikte Einhaltung der Biosicherheitsmaßnahmen in schweinehaltenden Betrieben ist ein wesentlicher Aspekt in der Prävention. Auch bei Freilandhaltungen gilt es, den möglichen Kontakt von Hausschweinen mit Wildschweinen zu verhindern. Decker gibt einen Tipp: „Auf der Internetseite des Friedrich-Loeffler Instituts (FLI) kann jeder Schweinehalter mit Hilfe der ASP-Risikoampel das Risiko für einen Eintrag von ASP- Virus selbst ermitteln.“

Das Damoklesschwert der ASP schwebt schon einige Jahre über NRW – spätestens seit die ersten Fälle 2020 in den östlichen Bundesländern auftraten. Der Kreis Gütersloh hat frühzeitig gemeinsam mit allen Akteuren Konzepte für den Ausbruchsfall und die erforderliche Bekämpfung der ASP erarbeitet.

 

Mehr zum Thema Biosicherheit bei der Schweinehaltung:

Risikoampel Universität Vechta
Niedersächsische Tierseuchenkasse

 

Quelle: Kreis Gütersloh - hier Original öffnen (www.kreis-guetersloh.de)


Bildnachweis/Bildinformationen: Besorgter Blick wegen der Afrikanischen Schweinepest: Jakob Decker mahnt zur besonnenen Vorsicht. Foto: Kreis Gütersloh

Meistgelesene Artikel

Übersicht über aktuelle Baustellen im Stadtgebiet
Stadt Verl

Wann, wo und wie lange? Hier finden Sie Informationen über aktuelle Verkehrsbaustellen im Stadtgebiet. So können Sie...

weiterlesen...
Nächster Hobbymarkt am 10. Oktober
Stadt Verl

Der erste Samstag im Monat gehört traditionell dem Hobbymarkt. Im Oktober fällt dieser Termin allerdings auf einen...

weiterlesen...
Gartenabfallannahme: Zusätzliche Zeiten und kostenlose Laubabgabe
Stadt Verl

Herbstzeit ist Laubzeit: Wenn sich die Blätter in den Gärten und auf den Grundstücken sammeln, bietet die Stadt Verl...

weiterlesen...

Neueste Artikel

USA: Vier Tote und etliche ohne Strom durch Sturm «Isaias»
Aus aller Welt

In mehreren Bundesstaaten im Süden der USA herrscht nach Ankunft von Sturm «Isaias» Ausnahmezustand. Mehrere Menschen kommen ums Leben. In den Metropolen an der Ostküste dürfte es sehr nass werden.

weiterlesen...
Elf Tote und viele Verletzte bei Busunfall in der Türkei
Aus aller Welt

Bei einem Zusammenstoß zwischen einem Reisebus und einem Abschleppwagen in der Türkei sind elf Menschen gestorben, 27 weitere wurden verletzt. Die Unfallursache ist unklar.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Vielfältiges Programm im Kreis Gütersloh geplant
Kreis Gütersloh

Gütersloh. Ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen setzen, für das Thema sensibilisieren und auf Hilfsangebote aufmerksam...

weiterlesen...
Mobile Retter erhalten tragbare Defibrillatoren
Kreis Gütersloh

Gütersloh. Im Rahmen einer Studie werden bis zu 250 Mobile Retter aus dem Kreis Gütersloh mit einem tragbaren...

weiterlesen...