Die Tischler-Innung Bielefeld und die Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld trauern um Tischlermeister Dietrich Rickert, der am 4. August 2026 im Alter von 101 Jahren verstorben ist.
Mit Dietrich Rickert verliert das Bielefelder Handwerk eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Mehr als sieben Jahrzehnte war er dem Tischlerhandwerk verbunden – als Meister, Ausbilder, Prüfer, Gestalter und als engagiertes Mitglied seiner Innung.
1945 begann Dietrich Rickert seine Tischlerlehre in Bethel. Nach Stationen in München, unter anderem bei der traditionsreichen Hofmöbelfabrik Pössenbacher, und dem Besuch der Werkkunstschule in Bielefeld legte er 1953 seine Meisterprüfung ab und machte sich noch im selben Jahr selbstständig. Zwölf Lehrlinge bildete er in seinem Betrieb aus.
Sein Engagement reichte weit über die eigene Werkstatt hinaus. Viele Jahre gehörte er dem Prüfungsausschuss der Handwerkskammer OWL an und begleitete damit Generationen von Tischlern auf ihrem beruflichen Weg. In der Tischler-Innung Bielefeld war er Beauftragter für Formgebung. Vor allem aber war er über Jahrzehnte ein fester Bestandteil des Innungslebens.
„Er war jahrzehntelang auf allen Innungsversammlungen“, erinnert sich Frank Wulfmeyer, Obermeister der Tischler-Innung Bielefeld und Kreishandwerksmeister. „Dietrich Rickert hat unsere Innung nicht nur begleitet. Er hat sie mit seiner Persönlichkeit, seiner Erfahrung und seiner großen Verbundenheit zum Tischlerhandwerk geprägt.“
Wie lange Dietrich Rickert das Bielefelder Tischlerhandwerk begleitete, zeigt auch eine persönliche Verbindung zur Familie des heutigen Kreishandwerksmeisters: „Dietrich Rickert hat schon die Meisterprüfung meines Vaters Klaus Wulfmeyer mit abgenommen. Das zeigt, über wie viele Generationen hinweg er unser Tischlerhandwerk begleitet und geprägt hat“, sagt Frank Wulfmeyer. In diesem Jahr feiert Klaus Wulfmeyer selbst sein 70-jähriges Meisterjubiläum.
Eine besondere Leidenschaft galt Dietrich Rickert dem Kunsthandwerk. Über viele Jahre engagierte er sich im Arbeitskreis Kunsthandwerk und im Umfeld des Vereins Angewandte Kunst OWL. Bei den jährlichen Ausstellungen „Handzeichen“, unter anderem in der Ravensberger Spinnerei, zeigte er seine kunstvollen Intarsien und reich verzierten Holzschatullen. Selbst im hohen Alter blieb er schöpferisch tätig und stellte seine Arbeiten noch mit über 90 Jahren öffentlich aus.
„Dietrich Rickert hat gezeigt, was unser Handwerk ausmacht: Können, Haltung, Neugier und die Bereitschaft, Wissen an die nächste Generation weiterzugeben. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren“, sagt Frank Wulfmeyer.
Unsere Anteilnahme gilt seiner Familie und allen, die ihm nahestanden.
Quelle: Kreishandwerkerschaft Gütersloh-Bielefeld (kh-gt-bi.de.de)

