8. Mai 2026 / Lokalnachrichten aus Verl

Tageshospiz in Verl von Deine Diakonie ab Herbst 2026 geplant

In Verl können schwerkranke Menschen künftig tagsüber professionell betreut werden

Tageshospiz in Verl von DeineDiakonie ab Herbst 2026 geplant
Veröffentlicht am 8. Mai 2026 um 09:28 Uhr von Galina Gleich

Eine innovative palliative Versorgungsform will Deine Diakonie ab Herbst 2026 in Verl etablieren. Dort eröffnet der diakonische Dienstgeber ein Tageshospiz. Nach dem Josef-Haus in Gronau wird es die zweite „solitäre“ Palliativ-Einrichtung in Nordrhein-Westfalen sein. Es gehört also nicht einem stationären Hospiz an, sondern arbeitet eigenständig. An dem geplanten Standort in Verls Schillerstraße 26 hatte bis September 2025 eine Pflege-WG der Diakonie ihren Sitz. Nun wird der Komplex umgebaut. Im barrierefrei gestalteten Erdgeschoss und dem angrenzenden Garten werden später bis zu zwölf Tagesgäste mit gravierenden Erkrankungen gleichzeitig palliativ versorgt. Außerdem entstehen in der oberen Etage vier seniorengerechte Wohnungen.

Was genau ein Tageshospiz ist, erläutert Nicole Karg, Bereichsleitung Pflege von DeineDiakonie: „Es handelt sich um eine teilstationäre Einrichtung für Menschen mit einer schweren, fortschreitenden Erkrankung, die trotz Pflegebedarf weiter zu Hause leben möchten. Ihnen bieten wir die Möglichkeit, aus der Isolation herauszukommen, die eine so schwere Krankheit häufig mit sich bringt. Bei uns können sie andere Menschen treffen, sich austauschen oder für sich sein - so, wie sie es in diesem Moment brauchen. Vor Ort werden sie gut gepflegt und professionell palliativ begleitet.“

Angehörige sollen durch das neue Angebot entlastet werden. Das gelinge nicht nur durch die konkrete Palliativ-Versorgung. „Wir stehen mit Rat und Tat zur Seite und begleiten“, so Nicole Karg.

Gäste im Tageshospiz in Verl können Menschen sein, die transportfähig sind, deren palliativer Versorgungsbedarf eine teilstationäre Betreuung notwendig macht und die in einer Gruppe betreut werden können. Voraussetzung für eine Aufnahme ist grundsätzlich eine ärztliche Verordnung gemäß § 39a SGB V und ein umfangreiches Aufnahmegespräch inklusiver „pflegefachlicher Einschätzung“.

Interessant sei das Angebot zum Beispiel auch nach einem Krankenhaus-Aufenthalt, quasi zur Überbrückung, um schrittweise in den Alltag daheim zurückzukehren.

Im Tageshospiz gibt es „alltägliche Rituale“, die dafür sorgen, dass die Gäste sich heimisch fühlen. Dazu zählen gemeinsame Mahlzeiten, vom Frühstück bis zum Kaffee am Nachmittag. Jede und jeder kann an kreativen und seelsorgerischen Angeboten teilnehmen, sich entspannen, im Garten spazieren gehen oder sich auf Wunsch auch einfach zurückziehen.

Mit dem Vorhaben schließt DeineDiakonie eine Lücke zwischen der ambulanten und der stationären Palliativversorgung im Kreis Gütersloh. Im Hintergrund soll ein bewährtes regionales Netzwerk wirken. Ein Kooperationsvertrag besteht bereits mit dem palliativmedizinischen Konsiliardienst (PKD), dessen Träger das Palliativnetz Gütersloh GbR ist. Dieses wurde nach eigenen Angaben „2009 von qualifizierten Palliativmedizinern gegründet, um die ambulante palliativmedizinische Versorgung im Kreis Gütersloh zu verbessern.“

Getragen wird das Angebot im Tageshospiz durch eine Kombination aus gesetzlicher Refinanzierung, diakonischen Mitteln und möglichst durch Unterstützung aus der Bürgerschaft. Dazu Diakonie-Vorstand Karsten Stüber: „Uns ist wichtig, dass die Gäste das Tageshospiz ohne finanzielle Hürden besuchen können. Gesetzlich sind fünf Prozent Spendenfinanzierung vorgesehen. Einiges leisten wir selbst, freuen uns aber sehr über Unterstützung von Unternehmen aus der Region.“

Montags bis freitags soll das Tageshospiz geöffnet sein, in der Regel von 8 bis 17 Uhr. DeineDiakonie wird in den nächsten Monaten regelmäßig über den Baufortschritt und weitere Entwicklungen informieren.

In Deutschland gibt es rund 25 Tageshospize und palliativmedizinische Tageskliniken. Der Deutsche Hospiz- und Palliativ-Verband DHPV begrüßt die Entwicklung solcher teilstationären Hospizangebote, denn: „Es bestehen hinsichtlich der sozialen Isolation und der gesellschaftlichen Reintegration von Palliativpatienten immer noch Defizite in der palliativmedizinischen Versorgung. Zusätzlich dürfen auch die Probleme der pflegenden Angehörigen nicht unberücksichtigt bleiben. Das in Deutschland noch recht junge Versorgungsmodell Tageshospize könnte diesen Problemen entgegenwirken …“.

Das erste „solitäre Tageshospiz“ in NRW in Gronau-Epe wurde im Dezember 2023 eröffnet. DeineDiakonie steht mit dem Josef-Haus in engem Austausch, um mit dem eigenen Tageshospiz in Verl optimal starten zu können.

Bildunterschrift: Nicole Karg vor dem Gebäude in der Schillerstraße 26 in Verl. Darin entsteht ein Tageshospiz. ©DeineDiakonie/U. Rettig

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