Die meisten Menschen wollen in den eigenen vier Wänden alt werden. Im Kreis Gütersloh wird das für viele schwierig. Von knapp 173.000 Wohnungen sind nur rund 14.900 so gebaut, dass ältere Menschen darin wirklich gut klarkommen, gerade wenn sie auf Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind. Das sind nur 9 Prozent. Das zeigt eine neue Untersuchung des Pestel-Instituts.
„Damit bieten nur rund 9 Prozent aller Wohnungen im Kreis Gütersloh den Standard, der nötig ist, um mit körperlichen Einschränkungen oder auch als Pflegefall darin alt zu werden", sagt Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts. Seine Wissenschaftler haben den regionalen Wohnungsmarkt im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) analysiert.
Warum das gerade jetzt zählt
Der Zeitpunkt macht das Thema brisant. In den nächsten zehn Jahren gehen im Kreis Gütersloh rund 58.800 Menschen in Rente, die Babyboomer. „Auf Dauer ist jede altersgerechte Sanierung günstiger als ein Umzug ins Heim", sagt BDB-Präsidentin Katharina Metzger. Schon volkswirtschaftlich habe der Staat ein Interesse daran, mehr Seniorenwohnungen zu schaffen. „Vor allem aber geht es um den Wunsch der Menschen selbst: Die meisten wollen, solange es geht, zu Hause bleiben."
Das Problem fängt oft schon an der Haustür an
Damit das klappt, müssen vor allem Altbauten umgebaut werden. Entscheidend sind wenige Barrieren: möglichst keine Schwellen, Stufen oder Treppen, dazu breite Türen und genug Platz für Rollator oder Rollstuhl. Genau daran hapert es im Kreis oft schon am Eingang.
„25 Prozent aller Hausflure im Kreis Gütersloh sind nicht breit genug, um mit dem Rollstuhl wirklich gut durchzukommen. Das betrifft immerhin rund 49.300 Wohnungen", sagt Günther. Häufig seien sogar die Haustüren zu schmal.
In der Wohnung selbst spitzt sich die Lage in Küche und Bad zu. In rund 49.100 Küchen können Menschen im Rollstuhl nicht wenden. Bei den Bädern sind 71.600 und damit 41 Prozent zu klein.
Eine Sache entscheidet besonders: die bodengleiche Dusche
Beim Bad zählt am Ende weniger die Größe als ein Detail: eine begehbare, also bodengleiche Dusche. Die gibt es aktuell nur in rund 54.300 Wohnungen im Kreis Gütersloh. Heißt: In fast 120.000 Wohnungen fehlt sie. Damit erfüllen nur 31 Prozent das, was Günther das „A-und-O-Kriterium, um in der eigenen Wohnung alt werden zu können" nennt.
Gerade bei Häusern aus den 50er-Jahren wird der Umbau teuer. Dort ist die Decke oft zu dünn, um eine bodengleiche Dusche einzubauen.
Die Forderung: „Boomer-Zuschüsse" aus Berlin
Für den Kreis Gütersloh sieht das Pestel-Institut einen „enormen Nachholbedarf". Die Lösung liege nicht im Neubau, sondern im Umbau der Wohnungen, in denen die Boomer heute schon leben. Nötig sei eine „Senioren-Umbau-Offensive".
Dafür brauchen Mieter und Eigentümer nach Ansicht der Fachleute Rückenwind aus Berlin. Gefordert werden „Boomer-Zuschüsse", mit denen der Bund einen Großteil der Umbaukosten übernimmt. Die heute übliche staatliche Unterstützung von 10 Prozent beim Bad-Umbau sei dagegen ein „Placebo-Zuschuss", so Günther. Auch der bestehende Mix aus Fördertöpfen von KfW, Krankenkassen und Pflegeversicherung helfe kaum. „Durch das Förder-Dickicht muss man sich erst einmal durchkämpfen", kritisiert Metzger. Der Bund müsse das altersgerechte Umbauen zum Schwerpunkt seiner Wohnungsbaupolitik machen und einen milliardenschweren Zuschuss bereitstellen.

