10.06.2024 - 14.06.2024 / 10:00

Aktionswoche: Schuldner- und Insolvenzberatung

Information,  Beratung

 „Finanzielle Allgemeinbildung von klein auf!“, fordern die Schuldnerberaterinnen und -berater des Diakonie Gütersloh e.V. »In einer auf Konsum ausgerichteten Welt muss der Umgang mit Geld, Handy und speziell Online-Käufen gelernt werden«, so Christa Birkner, Schuldnerberaterin bei der Diakonie Gütersloh. Das Stichwort lautet Prävention. So könne verhindert werden, dass aus „Buy Now, Pay Later“ schon in jungen Jahren ein unübersichtlicher Schuldenberg wird.

Die diesjährige Aktionswoche der Arbeitsgemeinschaft Schuldnerberatung der Verbände (AG SBV) nimmt vor allem „Buy Now, Pay Later“-Angebote ins Visier. „Buy now – Inkasso später“ lautet daher das Motto vom 10. bis 14. Juni. Martin Hain, Leitung der Schuldner- und Insolvenzberatung der Diakonie im Kreis Gütersloh, sagt: »Viele, auch junge Menschen, unterschätzen das Risiko, das von Angeboten ausgeht, jetzt etwas im Internet zu bestellen und es später zu bezahlen. Da kann man schon schnell den Überblick über Ausgaben und Zahlungsziele verlieren.«

Für betroffene Haushalte – darunter seien auch viele junge Menschen – sei es wichtig, wieder Klarheit über die finanzielle Situation zu bekommen und eine gute Budgetplanung zu erstellen. »Das ist kein einfacher Weg. Und in vielen Fällen muss es erst gar nicht so weit kommen, wenn wir auf Prävention in den Schulen setzen«, ist sich Hain sicher.

Prävention und Transparenz gefordert
Christa Birkner und ihr Kollege Martin Hain fordern neben Präventionsmaßnahmen mehr Transparenz bei „Buy Now, Pay Later“-Angeboten. Mit den vielen verschiedenen Finanzierungs- und Zahlungsmöglichkeiten der Anbieter verschwimme für die Käuferinnen und Käufer die Grenze zwischen Rechnungskauf und Ratenfinanzierung. Die Zahlung laufe dann häufig über Drittanbieter, bei denen mit dem Kauf unter Umständen sogar ein Kredit abgeschlossen werde. »Das wird im Kaufprozess nicht klar kommuniziert«, so der Hauptkritikpunkt der Schuldnerberaterin. Auch Angaben zu anfallenden Zinsen und Gebühren gebe es häufig nicht. Transparenz bei Zinsen und Kosten im Zusammenhang mit solchen Geschäften dürften nicht im Kleingedruckten stehen, sie müssten für alle verständlich unmittelbar vor dem Bezahlprozess erfolgen. »Da muss der Gesetzgeber tätig werden«, ergänzt Martin Hain.

Und wenn – unter anderem durch „Buy Now, Pay Later“-Angebote – Menschen in die Verschuldung geraten seien, müssten sie einen Zugang zur Schuldnerberatung haben. Dieser sei deutschlandweit sehr uneinheitlich. »Daher fordern wir einen Rechtsanspruch auf Schuldnerberatung für alle«, so Hain weiter. Zudem müsse es eine dauerhaft institutionell abgesicherte primäre Präventionsarbeit geben. »Vorbeugen ist hier besser als heilen, es erspart vielen Menschen die drohende Armut. Und wenn Menschen in diese Situation kommen, muss vor allem Soziale Schuldnerberatung gestärkt werden. Sie verfolgt einen ganzheitlichen Beratungsansatz und unterstützt Überschuldete bei ihrer wirtschaftlichen und psychosozialen Stabilisierung. Ein auch volkswirtschaftlich messbarer Mehrwert«, betont Hain.

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