24. April 2023 / Aus aller Welt

17 Jahre Haft: Neffe von Parkhaus-Millionärin frei

Justizopfer oder zu Recht verurteilt? Diese Frage begleitet den Fall der ermordeten Münchner Parkhaus-Millionärin noch immer. 17 Jahre saß ihre Neffe im Knast - nun tut sich einiges.

Der Angeklagte sitzt 2008 im Schwurgericht München - seine Haft hat nun ein Ende.
von dpa

Nach fast 17 Jahren im Gefängnis ist ein wegen Mordes an einer Münchner Parkhaus-Millionärin verurteilter Mann nun wieder in Freiheit. Er sei am Montag entlassen worden, teilte die Staatsanwaltschaft München I mit. Zuvor hatte die «Süddeutsche Zeitung» darüber berichtet.

Die reiche Witwe war im Mai 2006 in ihrer Wohnung erschlagen worden. Wenig später wurde ihr Neffe festgenommen und 2008 verurteilt. Der damals 33-Jährige hatte seine Schuld stets bestritten und sich als Justizopfer gesehen. Sein dritter Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens liegt gerade bei der Augsburger Staatsanwaltschaft.

Der Fall hatte in den vergangenen Jahren immer wieder für Aufsehen gesorgt, auch weil Familie und Freunde versuchten, die Unschuld des Verurteilten zu beweisen. Nun soll die Geschichte verfilmt werden. Die Dokumentation «Der Parkhausmord» im True-Crime-Format werde gerade gedreht, teilten der Bezahlsender Sky und die Produktionsfirma Bavaria Fiction mit.

Es sei einer der spektakulärsten Kriminalfälle Deutschlands und halte bis heute mit den zahlreichen ungeklärten Fragen Justiz und Medien in Atem. Die Ausstrahlung auf Sky und beim Streamingdienst Wow ist im kommenden Jahr geplant.

Schuldig oder nicht?

15 Monate hatte der langwierige Indizienprozess gedauert. Das Landgericht München I lastete dem früheren Lieblingsneffen der Getöteten Mord aus Habgier und Heimtücke an und stellte die besondere Schwere der Schuld fest. Nach Ansicht des Schwurgerichts hatte er Angst, von seiner Tante enterbt zu werden, da sein Jurastudium gescheitert war.

Der damalige Angeklagte beteuerte stets seine Unschuld und trat während des Prozesses sogar in einen Hungerstreik. «Das ist falsch, jeder Satz ist falsch», kommentierte er die Urteilsverkündung im August 2008. Protestrufe kamen auch aus dem Publikum, in dem Freunde und Familie saßen, die von seiner Unschuld überzeugt waren. Der Bundesgerichtshof verwarf jedoch seine Revision 2009 als unbegründet.

Die Zukunft des Münchners

Eigentlich wäre der Münchner erst am 17. Mai freigekommen. Durch seine Arbeitstätigkeit fielen nach Angaben der Staatsanwaltschaft aber so genannte Freistellungstage an, so dass die Entlassung vorverlegt werden konnte.

Gutachter hätten ihm auch eine positive Sozialprognose attestiert. An dem Antrag auf Wiederaufnahme will der Mann nach Angaben seines Anwalts dennoch festhalten. «Das Ziel bleibt, das Urteil zu Fall zu bringen, unverändert», sagte er.

Nach Angaben des Radiosenders Gong 96.3 will der Münchner seine neu gewonnene Freiheit nutzen, um seine Familie zu unterstützen, auch geschäftlich. «Urlaub? Nein. Ich habe jetzt lange genug gesandelt», sagte er dem Münchner Radiosender.

Zudem will er an der juristischen Aufarbeitung dranbleiben: «Ich kann jetzt noch nicht aufatmen. Für mich ist der Fall noch lange nicht erledigt. Für mich geht’s jetzt erst richtig los.»


Bildnachweis: © Tobias Hase/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Übersicht über aktuelle Baustellen im Stadtgebiet
Stadt Verl

Wann, wo und wie lange? Hier finden Sie Informationen über aktuelle Verkehrsbaustellen im Stadtgebiet. So können Sie...

weiterlesen...
Nächster Hobbymarkt am 3. Januar - ohne Geflügel
Stadt Verl

Am Samstag, 3. Januar, ist in Kaunitz von 6 bis 14 Uhr wieder Hobbymarkt. Aufgrund der Geflügelpest darf auch diesmal...

weiterlesen...
Sprechstunde des Bürgermeisters am 8. Januar
Stadt Verl

Zu seiner ersten Bürgersprechstunde im neuen Jahr lädt Bürgermeister Robin Rieksneuwöhner am Donnerstag, 8. ...

weiterlesen...

Neueste Artikel

Zwölfjähriger stirbt bei Lawinenunglück in Österreich
Aus aller Welt

Die Schneelage in den Alpen ist brisant. Der Neuschnee hat kaum eine Verbindung zum Altschnee. Derzeit lösen sich oft Lawinen. Ein Junge wagte die Abfahrt abseits der Piste - mit tödlichen Folgen.

weiterlesen...
Frau von Crans-Montana-Barbetreiber muss Pass abgeben
Aus aller Welt

Nach dem Feuer in Crans-Montana: Die Frau des Barbetreibers muss sich nun täglich bei der Polizei melden und darf die Schweiz nicht verlassen. Welche Auflagen das Gericht noch verhängt hat.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Zwölfjähriger stirbt bei Lawinenunglück in Österreich
Aus aller Welt

Die Schneelage in den Alpen ist brisant. Der Neuschnee hat kaum eine Verbindung zum Altschnee. Derzeit lösen sich oft Lawinen. Ein Junge wagte die Abfahrt abseits der Piste - mit tödlichen Folgen.

weiterlesen...
Frau von Crans-Montana-Barbetreiber muss Pass abgeben
Aus aller Welt

Nach dem Feuer in Crans-Montana: Die Frau des Barbetreibers muss sich nun täglich bei der Polizei melden und darf die Schweiz nicht verlassen. Welche Auflagen das Gericht noch verhängt hat.

weiterlesen...