Im Fall der zwei getöteten Polizisten in Rheinland-Pfalz haben Ermittler im Auto und in Objekten der beiden Tatverdächtigen große Mengen an Wildfleisch entdeckt. Im Wagen seien 22 Damhirsche gefunden worden, teilte die Staatsanwaltschaft Kaiserslautern mit. Zudem seien im Saarland in einer Wurstküche eines Tatverdächtigen Tierabfälle und anderenorts 20 ausgeweidete Wildtier-Kadaver sowie Tierabfälle entdeckt worden. Vor der Tür habe dort ein Kühlanhänger mit verkaufsfertig verpacktem Fleisch im Wert von mehreren tausend Euro gestanden. Die beiden Tatverdächtigen sitzen wegen des Vorwurfs des gemeinschaftlichen Mordes und der gewerbsmäßigen Jagdwilderei in Untersuchungshaft. Die 32 und 38 Jahre alten Saarländer sollen am frühen Montagmorgen bei einer Verkehrskontrolle bei Kusel (Pfalz) eine Polizeianwärterin und einen Oberkommissar erschossen haben. Die Ermittler vermuten, dass die Männer Jagdwilderei vertuschen wollten. Die Anklagebehörde in Rheinland-Pfalz betonte, dass die Ergebnisse der Durchsuchungen noch nicht völlig ausgewertet seien. Bei einer ökumenischen Gedenkfeier gedachten am Abend in Kusel zahlreiche Menschen der beiden Opfer. «Wir als Kirche haben gemerkt, dass es ein großes Bedürfnis innerhalb der Bevölkerung gibt, der Trauer Ausdruck zu verleihen», sagte Dekan Lars Stetzenbach vor dem Gottesdienst in der protestantischen Stadtkirche. Der Ton der Gedenkfeier wurde nach draußen übertragen, wo viele Menschen standen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft im Saarland war einer der beiden Männer vom Landgericht Saarbrücken 2006 wegen fahrlässiger Körperverletzung im Zusammenhang mit einem Jagdunfall zu einer Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu jeweils 50 Euro verurteilt worden. Der heute 38-Jährige hatte demnach damals einen Jagdkollegen mit einem Schuss im Hals- und Brustbereich sowie insbesondere im Bereich eines Auges erheblich verletzt. Der zweite Tatverdächtige sei seit 2018 dreimal verurteilt worden, unter anderem wegen Verkehrsdelikten. Das Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz richtete unterdessen eine Ermittlungsgruppe gegen Hasskommentare im Internet ein. Die 14 Beamten sollen die Verfasser von Beifallsbekundungen für die Täter von Kusel ausfindig machen. Auch eine Zusammenarbeit mit dem Bundeskriminalamt (BKA) ist geplant. Die rheinland-pfälzische Landeschefin der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Sabrina Kunz, teilte mit, sie gehe davon aus, dass die Ermittlungsgruppe und die Staatsanwaltschaft unter Hochdruck daran arbeiten, Täter solcher Hass- und Hetzkommentare zu ermitteln. Kunz rief dazu auf, solche Taten nicht hinzunehmen. «Ich frage mich ernsthaft, was bei diesen Menschen falsch läuft, dass sie diesen tiefgründigen Hass öffentlich zum Ausdruck bringen.» Rheinland-Pfalz gedenkt am morgigen Freitag bei einer bundesweiten Schweigeminute und einer nicht öffentlichen Trauerfeier mit Angehörigen und Kollegen in Kusel der Getöteten. Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Innenminister Roger Lewentz (beide SPD) werden erwartet. Eine offizielle Trauerfeier ist für einen späteren Zeitpunkt geplant. Der rheinland-pfälzische Landtag will der beiden Polizisten im Rahmen der Plenarsitzung am 16./17. Februar gedenken. Im Saarland legte Ministerpräsident Tobias Hans (CDU) in der Staatskanzlei ein Kondolenzbuch aus. Bundesinnenministerin Nancy Faeser forderte derweil mehr Anerkennung und bessere Arbeitsbedingungen für die Polizei. Dazu gehörten unter anderem bessere Trainingsplätze, eine angemessene Unterbringung der Dienststellen an Flughäfen und Bahnhöfen sowie mehr finanzielle Anerkennung auch nach der Pensionierung, sagte die SPD-Politikerin. Faeser nimmt am Freitag im Hauptbahnhof Frankfurt/Main an einer Gedenkminute der Bundespolizei für die getöteten Polizisten teil.Schwere Vorwürfe an Tatverdächtige
Land gedenkt mit Schweigeminute
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