16. November 2021 / Aus aller Welt

Anklage nach Tankstellen-Mord noch dieses Jahr

Am Donnerstag ist es zwei Monate her, dass ein Tankstellen-Kassierer erschossen wurde. Er hatte zuvor auf die Maskenpflicht hingewiesen. Die Ermittlungen sind inzwischen auf der Zielgeraden.

Auf einer Mauer ist ein Graffiti
von dpa

Im Fall des vor zwei Monaten erschossenen Tankstellen-Kassierers in Idar-Oberstein will die Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach noch vor Jahresende Anklage erheben.

Man sei zuversichtlich, dass die Ermittlungen bis dahin abgeschlossen sein könnten, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Gerd Deutschler in Bad Kreuznach der Deutschen Presse-Agentur.

Am 18. September war ein Schüler (20), der als Aushilfe in der Tankstelle jobbte, von einem Kunden mit einem Kopfschuss getötet worden. Zuvor hatte er ihn mehrfach auf die coronabedingte Maskenpflicht hingewiesen, da der Kunde ohne Maske Bier kaufen wollte.

Als mutmaßlicher Täter sitzt ein 49-Jähriger wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft. Nach seiner Festnahme sagte der Mann, dass er die Corona-Maßnahmen ablehne und ihm die Pandemie zugesetzt habe. Die Tat löste bundesweit Entsetzen und Anteilnahme aus. Der zuvor nicht polizeibekannte Deutsche hatte den Todesschuss gestanden.

Bei der bisherigen Auswertung der sichergestellten Datenträger des Beschuldigten habe sich gezeigt, «dass er der Mehrheitsgesellschaft und dem Staat ablehnend distanziert gegenüber» gestanden habe, sagte Deutschler. Und dies gelte nicht nur für das Thema Corona. Der 49-Jährige habe gesagt, er informiere sich «nicht in etablierten, sondern nur in den freien Medien» - und habe damit unter anderem Gruppen des Messengers Telegram gemeint.

Mit den Theorien der Corona-Leugner habe sich der Beschuldigte «relativ verstärkt befasst». Er sei aber nicht in einer Gruppe oder Organisation aktiv gewesen, sagte der Oberstaatsanwalt. «Das war eher passiv.» Auch als Demonstrationsteilnehmer sei er nie in Erscheinung getreten. «Er war völlig unauffällig.» Zudem habe er «relativ zurückgezogen» gelebt: «Er war zwar in einer Beziehung, hat aber selbst größere Außenkontakte nur wenige gepflegt.»

Die Auswertung der elektronischen Medien dauere an, sagte Deutschler. «Da ist relativ viel.» Das liege auch daran, dass der 49-Jährige selbstständiger freiberuflicher Softwareentwickler war - und daher über viele Speichermedien, Festplatten und gemieteten «Webspace bei Dritten» verfüge. Viele Inhalte seien beruflicher Art, man müsse aber alles auswerten.

Insgesamt haben die Ermittler laut Deutschler rund 20 Zeugen vernommen. Darunter seien auch drei Augenzeugen gewesen, die bei der Tat vor Ort in der Tankstelle waren. Ein Mann sei ein Kollege des Getöteten gewesen, hinzu kamen zwei junge Frauen. Wann der Prozess gegen den 49-Jährige in 2022 vor dem Landgericht Bad Kreuznach beginnen wird, sei noch offen.


Bildnachweis: © Oliver Dietze/dpa
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