3. Mai 2022 / Aus aller Welt

Cyberbande soll Anleger um 42 Millionen geprellt haben

Tausende Anleger weltweit haben über betrügerische Machenschaften einer Bande beim Online-Trading zig Millionen verloren. Im Prozess in Saarbrücken geht es um die Anleger aus Deutschland und Österreich.

Der Angeklagte (r) neben seinem Verteidiger im Landgericht Saarbrücken.
von dpa

Vor dem Landgericht Saarbrücken hat einer der laut Staatsanwaltschaft bundesweit größten Online-Betrugsprozesse begonnen.

Es geht um eine Bande von Internetbetrügern, die mit falschen Versprechungen mehr als 1100 Anleger um fast 42 Millionen Euro geprellt haben soll. Als mutmaßliches Bandenmitglied steht seit Dienstag ein 29-Jähriger vor Gericht: Er soll im Kosovo ein Call-Center für mehrere betrügerische Online-Trading-Plattformen betrieben haben.

Dort seien Anlegern bei der Investition in Finanzprodukte Gewinne versprochen worden, obwohl es gar keinen Handel mit Finanzprodukten gegeben habe - und die Gelder in die Tasche der Betrüger geflossen seien. Die Anleger seien «Opfer eines großangelegten Betrugs» geworden, sagte Staatsanwältin Victoria Hänel bei der Anklageverlesung.

Unter der Anleitung von vermeintlichen Brokern führten Anleger über die Portale bei manipulierten Simulationen Geschäftsabschlüsse durch - die Einlagen reichten von 250 Euro bis 5,5 Millionen Euro.

Die Online-Plattformen mit den Namen wie «Option888», «Zoomtrader» oder «XMarkets» seien dabei «reine betrügerische Fassade» gewesen. Zu keinem Zeitpunkt im Tatzeitraum zwischen Mai 2016 und Anfang 2019 seien Gelder investiert oder Optionen platziert worden, sagte Hänel.

Die Anklage gegen den 29-Jährigen lautet auf gewerbsmäßigen Bandenbetrug. Ihm sei als «formeller und faktischer Geschäftsführer» der das Call-Center betreibenden Firmen «eine wesentliche Rolle» zugekommen, sagte die Staatsanwältin. Er habe gewusst, dass Zweck der Plattformen war, Anleger zu immer weiteren Einzahlungen zu bewegen. Er schulte und führte laut Anklage die Agenten des Call-Centers die Anleger regelmäßig kontaktierten.

Wenn es zu Auszahlungen geringer Beträge kam, sei dies nur geschehen, um die Geschädigten zu noch größeren Einzahlungen zu bewegen. Die ausgezahlten Gelder seien stets aus dem Topf anderer Anleger genommen worden, sagte Hänel. Der 29-Jährige war nach seiner Festnahme in Albanien in 2019 zunächst dort in Auslieferungshaft. Seit August 2020 ist er in Untersuchungshaft in Deutschland.

Am Dienstag wurde auch die Anklage gegen zwei weitere Mitglieder des Netzwerks verlesen, die aber nicht in Deutschland sind. Einer sei im Ausland, der andere untergetaucht, sagte Verteidiger Walter Teusch. Der mutmaßliche Kopf der Bande war im Sommer 2020 im Gefängnis gestorben. Er hatte laut Anklage die Kontrolle über alle Bereiche gehabt: von den Plattformen bis zum Geldwäschenetzwerk.

Im Prozess habe man sich aus «aus verfahrensökonomischen Gründen» nur auf die geprellten Anleger aus Deutschland und aus Österreich konzentriert, sagte Hänel. Insgesamt seien in der Datenbank der Betrüger mehr als 200 000 geschädigte Anleger registriert - man gehe von einer gesamten Schadenssumme von 122 Millionen Dollar aus. Der Anwalt des Angeklagten kündigte für nächste Woche eine Einlassung seines Mandanten an, «die in wesentlichen Teilen von einem Geständnis getragen sein wird».

Eine Vorbesprechung zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidigung über eine verfahrensabkürzende Absprache sei ohne Erfolg geblieben, berichtete der Vorsitzende Richter Heiner Schmidt. Der Prozess ist bis zunächst bis in den August terminiert.


Bildnachweis: © Birgit Reichert/dpa
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