22. Juli 2021 / Aus aller Welt

DWD-Klimaforscher: Unwetter war «Jahrhundertereignis»

Die Unwetterkatastrophe war aus der Sicht von Klimaforschern ein extremes Ereignis. Wie sehr der Klimawandel die Häufigkeit solcher Katastrophen begünstigt, soll noch erforscht werden.

Viel Wasser - binnen kurzer Zeit: Die Hochwasserkatastrophe im Westen Deutschlands war aus Sicht von Klimaforschern ein extremes Ereignis.

Die extremen Starkregenfälle, die in der vergangenen Woche in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen die Hochwasserkatastrophe auslösten, sind nach Einschätzung von Klimaforschern «mindestens als Jahrhundertereignis» einzustufen.

In der heute veröffentlichten klimatologischen Einordnung des Deutschen Wetterdienstes hieß es, an einer ungewöhnlich großen Zahl von Stationen im Westen von Deutschland seien bisherige Rekorde weit übertroffen wurden.

Innerhalb weniger Stunden oder Tage sei im Mittel über ganze Flusseinzugsgebiete das 1,5 bis zweifache des mittleren Niederschlages im Juli erreicht worden - bezogen auf die Referenzperiode 1991-2020.

Die Extremniederschläge stehen zudem in einer Serie von Starkregen-Ereignissen seit Mai, so die DWD-Klimafachleute. Bereits jetzt rangiere das Jahr 2021 unter den Top fünf der Jahre mit den meisten aufgetretenen Einzelereignissen seit 2001.

DWD rechnet mit weiteren Starkniederschlägen

Grund zur Entwarnung gebe es nicht. Denn die meisten und intensivsten Starkniederschläge treten den Angaben zufolge in Deutschland in der Regel zwischen Mai und September auf. «Es ist also davon auszugehen, dass noch weitere Ereignisse in 2021 hinzukommen werden», hieß es.

Grundsätzlich könne Starkniederschlag an jedem Ort in Deutschland auftreten. «Es gibt jedoch eine Tendenz, dass Extremereignisse mit steigender Dauerstufe vermehrt in den Mittel- und Hochgebirgsregionen auftreten.»

Hinzu komme die Frage nach den Auswirkungen des regionalen Klimawandels auf die Häufigkeit und Intensität von Starkregen, hieß es. Analysen der vergangenen 70 Jahre zeigten, dass die Intensität und die Häufigkeit von Starkniederschlagstagen mit mehr als 20 Liter Niederschlag pro Quadratmeter geringfügig zugenommen habe - vor allem im Winter. Für den Sommer hingegen ergebe sich noch kein einheitliches Bild.

Schätzungen zufolge werden die Niederschlagsmengen an Starkniederschlagstagen im Sommer wahrscheinlich weiter steigen. Ein Grund dafür liegt den Angaben zufolge darin, dass Luft mit steigenden Temperaturen mehr Wasserdampf aufnehmen kann, der dann später wieder zu Niederschlag werden kann. Zudem verdunste über wärmeren Meeresoberflächen mehr Wasser. Daraus ergebe sich wiederum ein Potenzial für zusätzliche Feuchtigkeit, die von der Luft aufgenommen werden kann.

Auch Extremereignisse sind nach Angaben der Klimawissenschaftler als Einzelereignis zunächst kein direkter Beleg für den Klimawandel. «Nur langjährige Beobachtungen können zeigen, ob die Häufigkeit bestimmter Ereignisse zugenommen hat oder nicht.» Gerade bei extremen Ereignissen, die nur selten vorkommen, sei es besonders wichtig, einen sehr langen Zeitraum zur betrachten.

Eine kürzlich veröffentlichte Studie zeige aber, dass die Intensivierung von Starkniederschlägen, zum Beispiel in Mitteleuropa, zumindest teilweise durch den menschengemachten Klimawandel verstärkt worden sei. Derzeit werde eine sogenannte Attributionsstudie zum Unwetter der vergangenen Woche vorbereitet. Mit diesen Studien lässt sich grundsätzlich abschätzen, inwieweit der vom Menschen verursachte Klimawandel für das Auftreten individueller Wetter- oder Klimaextreme verantwortlich ist.


Bildnachweis: © Roberto Pfeil/dpa
Copyright 2021, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Tote bei Gewalttaten im Umfeld von Hochschulen in den USA
Aus aller Welt

Zwei Schauplätze, Tausende Kilometer voneinander entfernt: In den USA sind mehrere Menschen Gewalttaten auf oder nahe dem Campus von Universitäten zum Opfer gefallen.

weiterlesen...
Journalist und Sprachkritiker Wolf Schneider gestorben
Aus aller Welt

Was ist gutes Deutsch? Wolf Schneider hatte in seinen Büchern die Antwort parat. Er zählte zu den bekanntesten Journalisten des Landes, bildete Generationen von Medienschaffenden aus. Nun ist er gestorben.

weiterlesen...

Neueste Artikel

Wermelskirchener Babysitter nennt seine Taten «abscheulich»
Aus aller Welt

Der 45-jährige Mann, der über Jahre Kinder sexuell missbraucht haben soll, hat sich erstmals vor Gericht geäußert. Mehr als 120 Taten werden ihm vorgeworfen.

weiterlesen...
«Frieden mit Natur» - Start von Weltnaturgipfel in Kanada
Aus aller Welt

30 Prozent der Land- und Meeresflächen sollen bis 2030 unter Schutz gestellt werden. Das Ziel ist ambitioniert - UN-Chef Guterres warnt, die Menschheit werde zur «Massenvernichtungswaffe».

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Wermelskirchener Babysitter nennt seine Taten «abscheulich»
Aus aller Welt

Der 45-jährige Mann, der über Jahre Kinder sexuell missbraucht haben soll, hat sich erstmals vor Gericht geäußert. Mehr als 120 Taten werden ihm vorgeworfen.

weiterlesen...
«Frieden mit Natur» - Start von Weltnaturgipfel in Kanada
Aus aller Welt

30 Prozent der Land- und Meeresflächen sollen bis 2030 unter Schutz gestellt werden. Das Ziel ist ambitioniert - UN-Chef Guterres warnt, die Menschheit werde zur «Massenvernichtungswaffe».

weiterlesen...