7. August 2023 / Aus aller Welt

Einleitung von Fukushima-Kühlwasser ins Meer rückt näher

Der Countdown beginnt: Gut zwölf Jahre nach dem Super-GAU in Fukushima will Japan in Kürze mit der Ableitung aufbereiteten Kühlwassers aus der Atomruine ins Meer beginnen. Trotz Kritik.

Der Betreiberkonzern will das Wasser aus der Atomruine Fukushima verdünnen.
Veröffentlicht am 7. August 2023 um 07:12 Uhr von dpa

Japan will Medienberichten zufolge schon bald mit der umstrittenen Einleitung aufbereiteten Kühlwassers aus der Atomruine Fukushima ins Meer beginnen.

Wie die auflagenstärkste Zeitung des Landes, «Yomiuri Shimbun», und andere Medien unter Berufung auf informierte Kreise berichteten, wird Regierungschef Fumio Kishida im Anschluss an einen Besuch in den USA am 20. August mit zuständigen Ministern des Kabinetts zusammenkommen und den genauen Zeitpunkt der Wassereinleitung ins Meer entscheiden. Den Berichten zufolge soll die Verklappung voraussichtlich zwischen Ende dieses Monats und Anfang nächsten Monats beginnen.

Kishida will demnach zunächst US-Präsident Joe Biden und den südkoreanischen Präsidenten Yoon Suk Yeol über den Plan zur Verklappung der riesigen Mengen belasteten Wassers informieren. Sie werden sich am 18. August zu einem Gipfel in Camp David im US-Bundesstaat Maryland nahe der Hauptstadt Washington treffen.

Im AKW Fukushima Daiichi war es 2011 in Folge eines Erdbebens und Tsunamis zu Kernschmelzen gekommen. Die zerstörten Reaktoren müssen weiterhin mit Wasser gekühlt werden, das in Tanks gelagert wird. Dort lagern inzwischen mehr als 1,3 Millionen Tonnen.

Das sind die Gründe für die Einleitung

Laut dem Betreiberkonzern Tepco geht nun der Platz für weitere Tanks auf dem Gelände aus. Zudem drohe eine langfristige Lagerung auf dem Gelände die Stilllegungsarbeiten an der Atomruine zu behindern. Auch bestehe das Risiko von Lecks. Daher beschloss die Regierung, dass das belastete Wasser über einen in den Pazifischen Ozean gebauten ein Kilometer langen Tunnel ins Meer geleitet wird. Die Verklappung wird schätzungsweise rund 30 Jahre in Anspruch nehmen. Vor der Verklappung wird das Wasser zunächst behandelt. Das Filtersystem kann 62 Radionuklide herausfiltern - bis auf das radioaktive Isotop Tritium.

Tepco will das Wasser daher so weit verdünnen, dass die Tritiumkonzentration auf rund 1500 Becquerel pro Liter sinkt, was weniger als einem Vierzigstel der nationalen Sicherheitsnorm entspreche. Japans Atomaufsichtsbehörde hatte kürzlich grünes Licht gegeben. Zuvor hatte auch die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) den Verklappungsplänen zugestimmt. Japan erfülle die internationalen Sicherheitsstandards. Die Auswirkungen auf Mensch und Umwelt seien «vernachlässigbar», befand die Atomenergiebehörde.

Fachleute verweisen darauf, dass Atomkraftwerke in aller Welt schon seit Jahrzehnten routinemäßig belastetes Kühlwasser ins Meer ableiten. Örtliche Fischer sind dennoch weiter gegen das Vorhaben der eigenen Regierung. Sie befürchten Reputationsschäden und Umsatzeinbußen. Auch China lehnt den Plan ab und verschärft Importkontrollen für japanische Lebensmittel.


Bildnachweis: © Hiro Komae/AP/dpa
Copyright 2023, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Übersicht über aktuelle Baustellen im Stadtgebiet
Stadt Verl

Wann, wo und wie lange? Hier finden Sie Informationen über aktuelle Verkehrsbaustellen im Stadtgebiet. So können Sie...

weiterlesen...
Nächster Hobbymarkt am 4. Juli
Stadt Verl

Am Samstag, 4. Juli, ist in Kaunitz von 6 bis 14 Uhr wieder Hobbymarkt. Neben Zier- und Wirtschaftsgeflügel sind...

weiterlesen...
Informationen und Neuigkeiten zum Verler Freibad
Stadt Verl

Die Verler Freibad-Saison hat am 30. April begonnen. Alle Informationen zu Öffnungszeiten, Eintrittspreisen sowie...

weiterlesen...

Neueste Artikel

Thailand prüft nach Pub-Feuer Regeln für Vergnügungsstätten
Aus aller Welt

Blockierte Notausgänge, fehlender Brandschutz: Nach dem Pub-Feuer mit 30 Toten in Bangkok soll es Konsequenzen geben. Im Fokus stehen nicht nur Gesetze, sondern auch das Verhalten der Clubbetreiber.

weiterlesen...
Kokain und Pistole bei Razzien wegen JVA Rheinbach gefunden
Aus aller Welt

Bei Razzien zu mutmaßlichem Drogenschmuggel in die JVA Rheinbach wurden in Wohnungen Kokain, Amphetamine und eine Pistole gefunden. Acht Bedienstete sind suspendiert.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Thailand prüft nach Pub-Feuer Regeln für Vergnügungsstätten
Aus aller Welt

Blockierte Notausgänge, fehlender Brandschutz: Nach dem Pub-Feuer mit 30 Toten in Bangkok soll es Konsequenzen geben. Im Fokus stehen nicht nur Gesetze, sondern auch das Verhalten der Clubbetreiber.

weiterlesen...
Kokain und Pistole bei Razzien wegen JVA Rheinbach gefunden
Aus aller Welt

Bei Razzien zu mutmaßlichem Drogenschmuggel in die JVA Rheinbach wurden in Wohnungen Kokain, Amphetamine und eine Pistole gefunden. Acht Bedienstete sind suspendiert.

weiterlesen...