Er soll seine eigene Tochter schon als Kind missbraucht, sie als Erwachsene immer wieder vergewaltigt und sogar ein Kind mit ihr gezeugt haben. In München hat am Montag ein Prozess begonnen, der ein wenig an den des Österreichers Josef Fritzl erinnert. Ein 75 Jahre alter Mann steht wegen 288-facher Vergewaltigung seiner eigenen Tochter vor Gericht. Und das ist womöglich nur die Spitze des Eisberges. Angeklagt sind nur Fälle, die noch nicht verjährt sind und für die die deutsche Justiz überhaupt zuständig ist. Denn die italienische Familie lebte viele Jahre auf Sizilien. Was sich dort womöglich zugetragen hat, würde in den Zuständigkeitsbereich der italienischen Behörden fallen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der Sizilianer schon begonnen haben, sich an seiner Tochter zu vergehen, als die noch ein kleines Kind und erst sieben Jahre alt war. Ende der 1990er Jahre soll die Frau, die laut Staatsanwaltschaft heute Mitte 50 ist, sogar ein Kind von ihrem eigenen Vater bekommen haben. Der alte Mann bestreitet die Vorwürfe: «Stimmt nicht, alles nicht», erklärt er zum Prozessauftakt am Montag vor dem Landgericht München I. «Ich möchte sagen, dass das alles Lügen sind.» Seine Tochter bezeichnet er als Stieftochter. Dass er Sex mit ihr hatte, bestreitet er nicht. «Ich habe sie gefragt, ob sie Lust hat», sagt er. «Niemals habe ich sie vergewaltigt.» Alles sei «freiwillig» gewesen. Und wenn es in ihrer Kindheit zu sexuellen Handlungen gekommen sei, dann seien die von seiner Tochter ausgegangen, während sie zwischen ihm und seiner Frau im Ehebett lag. Die Tochter sei über Jahrzehnte bis zur Festnahme des Mannes im November 2020 «regelmäßigen sexuellen und körperlichen Übergriffen ihres Vaters ausgesetzt» gewesen, heißt es dagegen in der Anklage, die dem Mann Vergewaltigung in 288 Fällen zur Last legt. Der Fall erinnert ein wenig an den des Österreichers Josef Fritzl, der seine eigene Tochter über Jahrzehnte immer wieder vergewaltigt, in einer unterirdischen Wohnung eingesperrt und mehrere Kinder mit ihr gezeugt hatte. Anders als Fritzl brauchte der Angeklagte in München nach Angaben der Staatsanwaltschaft aber kein Verlies für seine Taten. Der Vater habe die Tochter nicht nur immer wieder geschlagen und vergewaltigt, sondern «jeden ihrer Lebensbereiche nahezu lückenlos kontrolliert». Er habe dafür gesorgt, «die Geschädigte bereits im Kindesalter systematisch von ihrem Umfeld zu isolieren, so dass diese nicht in der Lage war, längerfristige soziale Bindungen zu anderen Personen als dem Angeschuldigten aufzubauen». Wenn sie Kontakt zu Mitschülern oder Arbeitskollegen aufnahm, soll ihr Vater sie immer wieder geschlagen haben. Er soll sie zur Arbeit gefahren und bis zu ihrem Feierabend dort vor der Tür gewartet haben. All ihre Pausen verbrachte er laut Anklage mit ihr, fotografierte sie während der Arbeit durch das Schaufenster, überprüfte ihr Handy und ihre E-Mails. Der Staatsanwalt spricht von einem «über Jahrzehnte hinweg aufrechterhaltenen Klima der Gewalt und Ausweglosigkeit». Zum Schluss war es die Familie der Frau, die das mutmaßliche Martyrium beendete und die Polizei einschaltete. Das Landgericht München I hat vier Verhandlungstage für den Prozess angesetzt. Das Urteil könnte demnach am 26. Januar fallen.Erinnerungen an den Fall Fritzl
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Mann soll eigene Tochter über Jahrzehnte vergewaltigt haben
Der Fall erinnert ein wenig an den von Josef Fritzl: In München steht ein Mann vor Gericht, der seine eigene Tochter jahrzehntelang vergewaltigt haben soll und sogar ein Kind mit ihr zeugte.
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