10. Juli 2020 / Aufklärung

Jeder zweite Wohnungsbrand entsteht in der Küche

Herkömmliche Rauchmelder reichen nicht aus

Küchenbrand

Den Küchenbrand mit zwei Verletzten Personen und einem unbewohnbaren Haus in Versmold nimmt der Fachbereichsleiter Brandschutzerziehung und -aufklärung des Kreisfeuerwehrverbands, Stefan Budde, zum Anlass, um auf die noch recht unbekannten Herdwächter hinzuweisen. Laut der aktuellen Brandschadenstatistik der Vereinigung zur Förderung des Deutschen Brandschutzes (vfdb) entstehen 48 Prozent aller Wohnungsbrände in der Küche, welche damit einen Risikoschwerpunkt darstellt.
 
Die Brandentstehungsquelle Nummer 1 ist dabei der Herd beziehungsweise der Ofen. Der Statistik zufolge gehen 78 Prozent der Küchenbrände von diesen Geräten selbst oder der fehlerhaften Anwendung dieser Geräte aus.
Ein Herdbrand kann beispielsweise entstehen, wenn das Essen auf dem Herd vergessen wird, Öl in einer Pfanne zu heiß wird oder eine Herdplatte nach dem Kochen nicht abgeschaltet wird.

Im Handumdrehen können Flammen auf die Dunstabzugshaube oder Küchenschränke übergreifen und sich auf die gesamte Küche ausbreiten. Nicht selten entstehen dann Kosten im vier- bis fünfstelligen Bereich, unbewohnbare Wohnungen, Personenschäden wie Rauchgasvergiftungen oder gar Todesfälle.
 
Obwohl jeder zweite Wohnungsbrand seinen Ursprung in der Küche nimmt, sind diese in Sachen Brandschutz meist unbewacht. Herkömmliche Rauchmelder eignen sich für Küchen aufgrund des erhöhten Fehlalarmrisikos durch Kochdämpfe nicht. Bis der Rauch, der bei einem Herdbrand entsteht, den nächstgelegenen Rauchwarnmelder erreicht, geht daher oft wertvolle Zeit verloren.

Um diese Sicherheitslücke zu schließen und vor Herdbränden zu schützen, wurden sogenannte Herdwächter entwickelt. Sie überwachen das Kochfeld mit einem Thermo- und Infrarotsensor und warnen bei Erreichen einer kritischen Temperatur oder bei zu starkem Temperaturanstieg innerhalb kurzer Zeit mit einem akustischen Alarmsignal. Zusätzlich wird bei Geräten, die nach der Norm EN50615 Kategorie B geprüft sind, die Stromzufuhr zum Herd automatisch unterbrochen und das Kochfeld damit abgeschaltet. So können Herdbrände ohne größeren Aufwand verhindert und größere Schäden vorgebeugt werden.
 
Derartige Geräte zur Herdüberwachung sind besonders im skandinavischen Raum bereits weit verbreitet. Norwegen zum Beispiel führte bereits im Jahr 2015 eine Pflicht zum Einbau von Herdwächtern in Neubauten ein. In Deutschland ist die Existenz solcher Lösungen derzeit allerdings noch weitestgehend unbekannt. Hier besteht dringender Handlungsbedarf, wie auch der Küchenbrand in Versmold zeigt. Das Phänomen vergessenes Essen oder auch falsche Herdplatte eingeschaltet tritt nicht nur, wie oft vermutet, bei älteren Menschen auf, sondern in allen Altersschichten. Aus diesem Grund sind Herdwächter für alle Haushalte empfehlenswert.
 
Bildzeile: Stefan Budde, Fachbereichsleiter Brandschutzerziehung und -aufklärung des Kreisfeuerwehrverbands.           
Foto: Kreisfeuerwehrverband

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