5. November 2022 / Aus aller Welt

Tafeln verzeichnen Anstieg um 50 Prozent

Immer mehr Menschen suchen bei Tafeln Hilfe. Nach Angaben des Dachverbands Tafel Deutschland verschärfen die steigenden Preise die Lage weiter. Sorgen macht der Winter.

Ein ehrenamtlicher Helfer arbeitet in der Tafel Cottbus.
Veröffentlicht am 5. November 2022 um 14:17 Uhr von dpa

Die Tafeln in Deutschland haben noch nie so vielen bedürftigen Menschen geholfen wie zurzeit. «Seit Jahresbeginn verzeichnen wir einen Anstieg der Kundinnen und Kunden von 50 Prozent», sagte der Vorsitzende des Dachverbands Tafel Deutschland, Jochen Brühl, der Düsseldorfer «Rheinischen Post» (Samstag). Insgesamt kämen etwa zwei Millionen Menschen.

Gleichzeitig seien die Lebensmittelspenden zurückgegangen. «Rund ein Drittel der Tafeln sind so überlastet, dass sie Aufnahmestopps verhängen mussten», sagte Brühl. Hilfesuchende Menschen wegzuschicken sei für Helfer aber psychisch enorm belastend.

Auffällig seien die Einzelschicksale, so Brühl: «Die Menschen haben große Existenzängste und Sorgen, wie sie Lebensmittel, Wohnen, Heizen zahlen können.» Die Tafeln könnten aber nicht auffangen, «was der Staat nicht schafft». Die staatlichen Hilfen seien «unzureichend» und kämen zu spät. «Menschen, die zu den Tafeln kommen, haben keine Reserven. Armutsbetroffene Menschen brauchen jetzt schnelle Hilfen.»

Geld reicht allein nicht mehr zum Leben

Die bundesweit rund 960 Tafeln verteilen an Bedürftige Lebensmittel, die nicht mehr verkauft werden können. Ende September hatte das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) die Zahl der Menschen, die im Jahr 2020 bei einer Tafel waren, auf knapp 1,1 Millionen Menschen beziffert und sich dabei auf eine Umfrage bezogen.

Neben ALGII-Empfängern und Rentnern nehmen seit Beginn des Ukraine-Krieges auch viele Geflüchtete die Hilfe der Tafeln wahr. Außerdem kommen mittlerweile immer mehr Menschen, die durch steigende Preise nicht länger von ihrem Einkommen allein leben können, wie Brühl sagte. Natürlich wirke sich auch die derzeit hohe Inflation auf die Zahl der Besucher aus, hatte DIW-Forscher Markus Grabka vor wenigen Wochen erklärt. Hohe Energie-Vorauszahlungen führten auch Menschen mit nicht ganz geringem Einkommen in die Einrichtungen.

Mit Blick auf den Winter rechnet Brühl mit einer weiteren Zuspitzung der Lage und appellierte auch an die Solidarität der Gesellschaft: «Wir sind ein reiches Land, wir können es schaffen, dass alle Menschen gut durch diesen Winter kommen.»


Bildnachweis: © Patrick Pleul/dpa
Copyright 2022, dpa (www.dpa.de). Alle Rechte vorbehalten

Meistgelesene Artikel

Übersicht über aktuelle Baustellen im Stadtgebiet
Stadt Verl

Wann, wo und wie lange? Hier finden Sie Informationen über aktuelle Verkehrsbaustellen im Stadtgebiet. So können Sie...

weiterlesen...
Verler Freibadsaison ist gestartet | Neue Regeln für mehr Sicherheit
Stadt Verl

Die Verler Freibad-Saison hat am 30. April begonnen. Alle Informationen zu Öffnungszeiten, Eintrittspreisen sowie...

weiterlesen...
Nächste Treffen des Rollator-Clubs am 5. und 26. Juni
Stadt Verl

Unter dem Motto „Bewegung ist die beste Medizin“ trifft sich regelmäßig an jedem 2. und 4. Freitag im Monat der...

weiterlesen...

Neueste Artikel

Umwelthilfe übt Müllkritik an Musikfestivals
Aus aller Welt

Weniger Einweg, mehr grüne Lösungen: Warum die DUH bei Großfestivals wie Rock am Ring auf konsequente Mülltrennung und nachhaltige Toiletten pocht.

weiterlesen...
Raus aus den Klamotten – FKK erlebt zögerliches Comeback
Aus aller Welt

Immer mehr Menschen entdecken die Freikörperkultur (FKK) in Deutschland neu. Auf Campingplätzen, Sportplätzen oder Wanderwegen wächst das Interesse, auch bei Jüngeren.

weiterlesen...

Weitere Artikel derselben Kategorie

Umwelthilfe übt Müllkritik an Musikfestivals
Aus aller Welt

Weniger Einweg, mehr grüne Lösungen: Warum die DUH bei Großfestivals wie Rock am Ring auf konsequente Mülltrennung und nachhaltige Toiletten pocht.

weiterlesen...
Raus aus den Klamotten – FKK erlebt zögerliches Comeback
Aus aller Welt

Immer mehr Menschen entdecken die Freikörperkultur (FKK) in Deutschland neu. Auf Campingplätzen, Sportplätzen oder Wanderwegen wächst das Interesse, auch bei Jüngeren.

weiterlesen...