16. Juni 2021 / Aus aller Welt

Grubenunglück von Soma: Gericht verhängt Haftstrafen

In einem Braunkohlebergwerk im türkischen Soma gab es 2014 ein fatales Unglück, 301 Menschen starben. Jetzt sind erneut Mitarbeiter der Mine verurteilt worden.

Trauernde beten an den Gräbern der bei einer Explosion in der Kohlegrube im türkischen Soma getöteten Bergleute.
Veröffentlicht am 16. Juni 2021 um 12:58 Uhr von dpa

Mehr als sieben Jahre nach dem schweren Grubenunglück im westtürkischen Soma mit Hunderten Toten hat ein Gericht erneut Urteile gegen Angeklagte gesprochen.

Ein Vorstandsvorsitzender der Mine sei zu 20 Jahren, zwei Ingenieure zu 12 Jahren und 6 Monaten Haft verurteilt worden, berichtete die regierungsnahe Nachrichtenagentur Demirören Haber Ajansi am Mittwoch. Sie seien unter anderem wegen des Vorwurfs der fahrlässigen Tötung verurteilt worden. Ein Vorstandsvorsitzender wurde freigesprochen. Angehörige kritisierten, die Entscheidung sei eine «Belohnung» statt einer «Strafe», wie das Online-Portal «Gazete Duvar» berichtete. Die Opferanwälte kündigten demnach an, in Berufung zu gehen.

Das Unglück vom Mai 2014 in einem Braunkohlebergwerk hatte 301 Tote zur Folge. Die Ursache ist bis heute nicht vollständig geklärt. Die meisten der Opfer erstickten, unter anderem weil es laut Medienberichten an Entlüftungsanlagen und Schutzräumen fehlte. Hunderte Grubenarbeiter wurden verletzt. Es war das schwerste Grubenunglück in der Geschichte der Türkei.

Ein Istanbuler Gericht hatte Urteile aus einem ersten Prozess, der bis 2018 lief, aufgehoben und eine Neuverhandlung angeordnet. Der nun beendete Prozess begann im April. Der ursprüngliche Prozess hatte mit der Verurteilung von 14 der damals 51 Angeklagten zu mehrjährigen Haftstrafen geendet. Die Entscheidung des Gerichts war jedoch heftig kritisiert worden - unter anderem, weil das Strafmaß zwischen 6 und 22 Jahren Haft deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben war. Der nun verurteilte Vorstandsvorsitzende war auch im ersten Prozess zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilt, aber 2019 freigelassen worden, wie türkische Medien berichteten.


Bildnachweis: © Tolga Bozoglu/EPA/dpa
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