1. Januar 2024 / Aus aller Welt

Königin Margrethe tritt ab: Große Erwartungen an Frederik

Mehr als ein halbes Jahrhundert lang saß Königin Margrethe auf dem dänischen Thron. Sie nutzte ihre Regentschaft, um die Monarchie in Dänemark zu festigen. Nun will sie abtreten - und zwar bald.

Kronprinz Frederik (l) soll den Thron von Königin Margrethe II. erben.
von Christoph Meyer, dpa

Royaler Kracher zu Silvester: Völlig überraschend hat die dänische Königin Margrethe II. nach 52 Jahren auf dem Thron ihren Rücktritt angekündigt. Thronfolger Kronprinz Frederik muss sich damit großen Erwartungen stellen. Der 55-Jährige, der schon in zwei Wochen als Frederik X. auf den Thron kommen soll, dürfte aber gute Voraussetzungen finden.

Margrethe hatte ihre Abdankung in ihrer alljährlichen Neujahrsansprache am Sonntagabend verkündet. Als Hintergrund nannte sie eine Rückenoperation im zurückliegenden Jahr, die sie zwar gut überstanden habe, die sie aber zum Nachdenken gebracht habe.

«Ich habe beschlossen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist. Am 14. Januar 2024 - 52 Jahre nachdem ich meinen geliebten Vater beerbte - werde ich als Königin von Dänemark zurücktreten. Ich werde den Thron an meinen Sohn Kronprinz Frederik übergeben», sagte die Monarchin. Margrethe war nach dem Tod ihres Vaters Frederik IX. am 14. Januar 1972 Königin geworden.

Margrethe gelang es, Zustimmung zur Monarchie zu erhöhen

Dänische Medien bezeichneten die Ankündigung als «absolut historisch». Unter den Schaulustigen, die sich auf dem Schlossplatz vor Schloss Amalienborg versammelt hatten, brach nach der Ankündigung spontaner Applaus aus. Margrethe hatte stets betont, bis zum Tod auf dem Thron bleiben zu wollen - bis sie nun für die große Überraschung sorgte.

Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen würdigte Margrethe als «Inbegriff von Dänemark», die in all den Jahren Worte und Gefühle dafür gefunden habe, wer die Dänen als Volk und als Nation seien.

Margrethe gelang es, die Akzeptanz des Königshauses zu festigen. Der dänischen Agentur Ritzau zufolge wuchs die Zustimmung der Menschen zur Staatsform der Monarchie in Dänemark während ihrer Regentschaft auf mehr als 75 Prozent. Sie habe die Monarchie Schritt für Schritt angepasst, sodass neue Generationen sie als bedeutungsvolle Institution wahrnähmen, würdigte der Sprecher des dänischen Parlaments, Søren Gade, die scheidende Königin in einer Mitteilung. Damit habe sie den Weg für ihren ältesten Sohn geebnet.

Es gibt Grund anzunehmen, dass der künftige König daran anknüpfen kann. Kronprinz Frederik und seine Frau Kronprinzessin Mary sind einer Umfrage des dänischen Rundfunks DR zufolge ähnlich beliebt wie Margrethe. Demnach haben mehr als 80 Prozent der Dänen ein positives Bild von dem baldigen Königspaar. Mary, die als Mary Donaldson in Tasmanien geboren wurde, werde die erste Australierin sein, die einen solchen royalen Titel erhalte, schrieb der australische Rundfunksender ABC.

Frederik wird am 14. Januar zum König ausgerufen

Eine pompöse Krönungszeremonie wie im vergangenen Jahr in Großbritannien für König Charles III. werde es aber nicht geben, sagte die Monarchieexpertin Cecilie Nielsen dem dänischen Rundfunk DR.

«Wir führen in Dänemark keine Krönungen durch. Wir haben eine Proklamation, und es wird am 14. Januar sein, dass Kronprinz Frederik von der Ministerpräsidentin zum König ausgerufen wird», sagte sie. Ob Margrethe weiterhin den Titel Königin tragen wird, war zunächst unklar. Es sei aber wahrscheinlich, so Nielsen. Die Staatskanzlei hatte bereits mitgeteilt, dass sie weiterhin als «Ihre Majestät» angesprochen werde.

Laut der dänischen Verfassung liegt die Autorität in allen Belangen des Staates zwar in den Händen der Monarchin - aber ausgeübt wird diese ausschließlich von der Regierung. Zu den Aufgaben der dänischen Königin gehört, Gesetze zu unterzeichnen und die gewählte Regierung zu berufen. Auch die Außen- und Verteidigungspolitik unterliegt formal der Königin, Entscheidungen dürfen aber nur durch das Parlament getroffen werden.

Was die stets strahlende Regentin, deren Silvesteransprachen bereits Kultstatus wie in Deutschland «Dinner for One» hatten, künftig vorhat, ist ungewiss. Sie ist ausgesprochen kreativ und kunstinteressiert, gilt als pragmatisch und manchmal auch etwas unkonventionell. Womöglich werde sie sich ihrer Leidenschaft zum Kostüm- und Szenenbilden für Theater, Ballet und Film widmen, spekulierte Nielsen.

Abdankung gilt in Dänemark als äußerst ungewöhnlich

Von den benachbarten Königshäusern gab es zunächst keine Reaktion auf die Überraschung. In Medien wurde aber bereits spekuliert, der Abgang Margrethes könne Einfluss auf die gekrönten Häupter in Schweden und Norwegen haben.

Es sei absolut nicht unmöglich, dass der schwedische König Carl Gustav (77) und Norwegens König Harald (86) diesem Beispiel folgten, zitierte der schwedische Rundfunksender SVT den Königshausexperten Roger Lundberg. Margrethe habe Carl Gustav vorab persönlich über ihre Entscheidung informiert, berichtete SVT.

Margrethes Schritt gilt als äußerst ungewöhnlich und historisch. Seit Einführung der Erbmonarchie im Jahr 1660 in Dänemark habe es keinen Monarchen gegeben, der freiwillig auf den Thron verzichtete, sagte Geschichtsprofessor Lars Hovbakke Sørensen von der Universität Absalon der Agentur Ritzau.


Bildnachweis: © Petros Giannakouris/AP/dpa
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